Kritik an Abklärungspauschale

Ärzte und Kliniken wollen gemeinsame Notfallversorgung

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© ©Werner Krueper Fotografie und Film

Im Gesundheitswesen wächst der Wunsch nach einer sektorenübergreifenden Notfallversorgung sowie einer Neuordnung der Finanzierung dieses Bereichs. Das zeigen Debattenbeiträge führender Klinik- und Ärztevertreter heute in Berlin und Würzburg. Außerdem müsse die Politik beim bestehenden Finanzierungsmodell, von der Deutschen Krankenhausgesellschaft (DKG) wiederholt als „Zwei-Minuten-Medizin“ kritisiert, schnell nachbessern.

Am zweiten Tag der VKD-Jahrestagung am Dienstag in Würzburg setzten sich Kliniker und Kassenärzte intensiv mit der Notfallversorgung hierzulande auseinander. Timo Schöpke, Direktor des Notfallzentrums des Werner-Forßmann-Krankenhauses Eberswalde, forderte die anwesenden Klinikvertreter dazu auf, das Notfallkonzept des GKV-Spitzenverbandes zu unterstützen. Das blieb jedoch nicht ohne Widerspruch unter den anwesenden Vertretern des Krankenhausmanagements.

„Die kalkulierten zwei Minuten gehen am tatsächlichen Bedarf vorbei“

Rudolf Henke, Vorsitzender des Marburger Bunds, über die veranschlagten 4,74 Euro zur Finanzierung der Erstdiagnose von Notfallpatienten in deutschen Notaufnahmen.

Parallel dazu sprach sich die Ärztegewerkschaft Marburger Bund (MB) in Berlin spricht (streichen) für einheitliche Standards für die Ersteinschätzung der Behandlungsdringlichkeit in allen Anlaufstellen der Notfallversorgung aus. Den Medizinern schwebt demnach ein einheitliches Triage-System vor, das für Rettungsdienste, Notdienstpraxen, Notaufnahmen und Rettungsleitstellen gelten soll. Der Vorschlag ist Teil eines Eckpunktepapiers der Ärztegewerkschaft, das sie am Dienstag auf einer Pressekonferenz vorstellten.

Der MB spricht sich zudem dafür aus, die Notfallversorgung stärker zu zentralisieren und dafür Anlaufstellen an den Krankenhäusern einzurichten. Für die Notdienstpraxen sollten Zielgrößen definiert werden, ab der eine durch Vertragsärzte betriebene Praxis am Krankenhaus sinnvoll sei. Die Zahl der Notfälle könne „in etwa im Bereich von 20.000 Notfällen pro Jahr“ liegen, sagte Susanne Johna, Bundesvorstandsmitglied des Marburger Bundes. Der MB spricht sich außerdem dafür für aus, künftig alle Notfallanrufe an eine einheitliche Stelle weiterzuleiten. Wer die Notfallnummer 112 und 116117 anrufe, solle an die gleiche Stelle weitergeleitet werden. Hier solle dann geklärt werden, ob beispielsweise ein Rettungswagen geschickt werden müsse oder ob der Patient etwa einen vertragsärztlichen Arzt aufsuchen solle. 

Scharfe Kritik äußerte MB-Vorsitzender Rudolf Henke an der bestehenden Abklärungspauschale, die seit Anfang April gilt. Danach erhalten Krankenhäuser tagsüber 4,74 Euro, wenn sie Patienten untersuchen und feststellen, dass diese von einem niedergelassenen Arzt behandelt werden können. Dies entspricht einem Honorar für zwei Minuten Arbeitszeit. „Die kalkulierten zwei Minuten gehen am tatsächlichen Bedarf vorbei“, sagte Rudolf Henke. Bei den 4,74 Euro handele es sich um „keine auf Dauer gangbare Vergütung“. Sollten die Krankenkassen und die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) dies nicht „schleunigst“ ändern, würde sich der MB an den Gesetzgeber wenden. Die Forderung der Deutschen Krankenhausgesellschaft, die Pauschale um zehn Euro zu erhöhen,bezeichnete Henkel als „maßvoll“.

Der KBV-Vorstandsvorsitzende Andreas Gassen hatte im Vorfeld der MB-Veranstaltung die DKG und den MB dazu aufgerufen, mit der KBV in den Dialog zu treten. „Gemeinsame Lösungen finden, lautet das Gebot der Stunde“, so Gassen. Gemeinsam solle unter anderem darüber gesprochen werden, wie Patienten an die richtigen Stellen geleitet werden könnten. Dieses Vorgehen diene am ehesten den Patienten und sorge dafür, dass Gelder „optimal“ eingesetzt würden. „Der simple Ruf nach immer mehr Geld ist wie das Schütten von immer mehr Wasser in einen löchrigen Eimer“, sagte Gassen.  
DKG-Hauptgeschäftsführer Georg Baum begrüßte den Vorschlag von Gassen. „Wir nehmen gerne den Ruf nach einer besseren Abstimmung und Zusammenarbeit auf“, so Baum. So müsse beispielsweise geklärt werden, warum während der Sprechstundenzeiten gemäß einer Umfrage in den hessischen Krankenhäusern etwa ein Drittel der Patienten von niedergelassenen Ärzten in die Notfallambulanzen der Krankenhäuser verwiesen würden. „Hier zeigt sich, dass ein funktionierendes Patientensteuerungssystem dringend erforderlich ist“, so Baum. 

Autoren

 Hendrik Bensch
 Florian Albert

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