Pflegepersonalbedarfsbemessung

Wagner: „Das Instrument ist einsatzbereit“

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Wagner: „Das Instrument ist einsatzbereit“
Franz Wagner, Präsident des Deutschen Pflegerats © Regina Sablotny

DKG, DPR und Verdi haben Minister Jens Spahn ihr Konzept zur Pflegepersonalbedarfsbemessung vorgestellt. Es verfolgt einen Ganzhausansatz und sei sofort umsetzbar, betonen die drei Verbände. Viele hatten bezweifelt, dass die drei Partner mit ihren heterogenen Interessen einen Kompromiss schaffen. Auch in der Deutschen Krankenhausgesellschaft (DKG) hatte es kurz vor Weihnachten rumort. Umso stolzer präsentierte DKG-Präsident Gerald Gaß zusammen mit dem Deutschen Pflegerat (DPR) und der Gewerkschaft Verdi das Konzept.

Erfreulich für das Krankenhausmanagement ist der Ganzhausansatz – es wird also nicht abteilungs- oder schichtbezogen gerechnet. Das Instrument basiert auf der Pflege-Personalregelung (PPR) aus den 90er-Jahren und bemisst Minutenwerte des Pflegebedarfs. „Das Instrument ist einsatzbereit“, erklärte Franz Wagner, Präsident des Deutschen Pflegerats. Es habe sich in einem Pretest an 44 Kliniken als funktionstüchtig erwiesen. Das neue Instrument unterteilt Leistungen in allgemeine und spezielle Pflege – jeweils in vier Stufen. Dabei soll die höchste Stufe der allgemeinen Pflege den Pflegekomplexmaßnahmen-Score (PKMS) ersetzen – herangezogen wird dafür der Barthel-Index. Somit sei es gelungen, „den PKMS in das Bemessungsinstrument zu überführen“, bemerkte Wagner zufrieden.

Seit der Gesetzgeber bestimmt hat, dass der PKMS wegfällt, wird um seine "Nachfolge" gestritten. Die DKG ist der Meinung, man könne ihn ersatzlos streichen, die Krankenkassen fordern hingegen einen "Ersatz". Wagner versicherte auch, dass der administrative Aufwand für die Bedarfsmessung gering sei: Die Erfassung findet nur einmal täglich statt und lasse sich aus der vorhandenen Pflegedokumentation erstellen.

Zwischen 40.000 und 80.000 zusätzlich benötigte Pflegestellen ergeben sich aus der neuen Bemessung. „Wobei die DKG eher von 40.000 ausgeht und Verdi eher von 80.000“, bemerkt DKG-Chef Gerald Gaß. Eine befriedigende Antwort, wo diese Kräfte zu finden seien, konnten die Beteiligten derweil nicht geben. „Kurzfristig können wir nur auf die zielen, die schon ausgebildet sind“, so Wagner. Es gebe mehrere Zehntausende, die ausgebildet, aber nicht im Pflegejob sein. „Gezählt hat die aber noch keiner“, so Wagner. DKG-Präsident Gaß verwies darauf, dass Kliniken in Zukunft mehr ausbilden müssen – und das die vorhandenen Pflegekräfte von administrativen Aufgaben entlastet werden müssten: „Das sind jedes Jahr eine Millionen Arbeitsstunden. Wenn wir davon etwas zurückbekommen, wäre zumindest ein bisschen gewonnen.“

Gesundheitsminister Jens Spahn hatte die drei Verbände am gestrigen Montag empfangen und seine Bereitschaft erklärt, das Instrument zu prüfen. Gerald Gaß unterstrich, dass es angesichts des neuen Pflegebudgets und der Zusage, neue eingestellte Pflegekräfte auskömmlich zu finanzieren, keinen Anreiz mehr für Kliniken gebe, an der Pflege zu sparen. Dementsprechend hart sei der Wettbewerb um Fachkräfte geworden. Das faire Ermitteln des Bedarfs sei deshalb unablässlich. „Eine Exelliste aus Berlin, die Mindestanforderungen für Früh- und Spätschichten festlegt“, sei dagegen ungeeignet, erklärte Gaß mit Blick auf die von den Kliniken ungeliebten Pflegepersonaluntergrenzen (PPUG).

Autor

 Jens Mau

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