Studie zu Capitationmodellen

"Als Regulativ muss es Wettbewerb zwischen Regionen geben"

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"Als Regulativ muss es Wettbewerb zwischen Regionen geben"
lots of euro bills on the table © darkojow
Das Finanzierungsmodell Capitation kann Effizienz und Qualität in der Gesundheitsversorgung fördern und zudem Sektorengrenzen überwinden. Leider existiert das Modell in Deutschland so gut wie nicht. Eine Studie im Auftrag der Stiftung Münch hat jetzt Capitation in anderen Ländern analysiert und Schlüsse für Deutschland gezogen. 
Capitation- oder auch Populationsmodelle sind eine pauschalierte Vergütungsform, bei der ein Teil der Versicherungsrisiken auf die Leistungserbringer übergeht, die damit in einer Region eine Mitverantwortung übernehmen. Im Gegenzug erhalten sie eine größere Gestaltungsfreiheit und eine pauschale Vergütung pro versicherter Person. In der jetzt vorgelegten Studie im Auftrag der Stiftung Münch werden Erfahrungen mit Capitation-Ansätzen in Spanien, Peru, der Schweiz und den USA beschrieben. Zwar könne keines der Modelle als „die“ Ideallösung direkt auf Deutschland übertragen werden, so die vier Autoren, dennoch ließen sich daraus Lehren ziehen.
Das „Valencia-Modell“ in Spanien zeigt, dass innerhalb weniger Jahre signifikante Kosteneinsparungen ohne Beeinträchtigung der Qualität realisiert wurden. Maßgeblich für den Erfolg waren unter anderem die starke Regionalisierung der Gesundheitsversorgung und die für die Einführung besonders wichtige politische Unterstützung, die nicht zuletzt aus Engpässen der Finanzierung der Gesundheitsversorgung resultierte.
In Peru gibt es seit 2014 Modellprojekte, deren Kosteneffekte noch nicht systematisch evaluiert sind. Es zeichnen sich jedoch, ähnlich zum Valencia-Modell, positive Qualitätseffekte, reduzierte Wartezeiten sowie eine optimierte Patientenzufriedenheit ab. Zum Erfolg trägt bei, dass die Regierung als Unterstützer der Modelle fungierte und Versicherten obligatorisch am Modell teilnehmen. 
Die Schweiz war im Zuge der Managed Care-Bewegung zu Beginn der 1990er-Jahre Vorreiter bei Capitationmodellen. Sie zeigten sich im Wettbewerb hinsichtlich von Effizienzgewinnen anderen Modellen gegenüber überlegen. Dennoch spielt heute echte Capitation in der Schweiz keine große Rolle mehr. Der Grund dafür liegt unter anderem darin, dass die Modelle für Leistungserbringer und Versicherte restriktiv wirkten und die Kompensationen für die Leistungserbringer durch die Erhöhung ihres Einkommens beziehungsweise die Reduktion von Versicherungsprämien nicht ausreichten.
In den USA dagegen spielt Capitation wieder eine relevante Rolle. Hier stehen „Accountable-Care-Organizations“ (ACO) im Fokus. Im Gegensatz zu den spanischen und peruanischen Modellen wird eine schrittweise Transformation betrieben und nicht die gesamte Bevölkerung einer Region, sondern nur ausgewählte Versicherte dem Regionalmodell zugeordnet. Eine deutliche Stärke ist der transparente Umgang mit finanziellen und qualitativen Outcomes; für eine Erfolgsprognose ist es jedoch derzeit noch zu früh.
Für eine erfolgreiche Einführung von regionalen Gesundheitsbudgets in Deutschland geben die Studienautoren folgende Empfehlungen: Ziel muss die Ausrichtung an der Versorgungsqualität sein. Gleichzeitig ist es für das Gelingen wichtig, dass sowohl für Leistungserbringer als auch für die Versicherten ein wirtschaftlicher Nutzen erkennbar ist. Die Einführung der Regionalbudgets kann schrittweise in geeigneten Modellregionen beginnen und muss dabei regionale Stakeholder einbeziehen. Wichtig ist ein adäquater Umgang mit ökonomischen Risiken. Auch eine Transparenz über Ziele und Ergebnisse muss hergestellt werden und eine unabhängige Evaluation erfolgen. Für die Projektplanung und -durchführung einer koordinierten Versorgung auf Capitation-Basis ist zudem eine zweckmäßige digitale Infrastruktur wichtig. Schließlich zeigen die Modelle in den anderen Ländern, dass ein politischer Wille eine wichtige Voraussetzung ist, um Capitationmodelle erfolgreich zu implementieren. 
Boris Augurzky, Vorstandsvorsitzender der Stiftung Münch, betont: „Als zentrales Regulativ muss ein Wettbewerb zwischen Regionen etabliert werden, sodass die Versicherten bei schlechter Leistung einer Region stets Ausweichmöglichkeiten haben. Ziel muss sein, dass das Regionalbudget stationäre und ambulante Leistungen abdeckt, damit ein Anreiz zur Ambulantisierung stationärer Leistungen entsteht. Vermutlich ist es dazu am einfachsten, wie von den Autoren vorgeschlagen, insbesondere in ländlich geprägten Regionen mit einer überschaubaren Anzahl an Anbietern zu beginnen.“
Die Studie ist als Buch im medhochzwei-Verlag erschienen (Franz Benstetter, Michael Lauerer, Daniel Negele und Andreas Schmid: „Prospektive regionale Gesundheitsbudgets: Internationale Erfahrungen und Implikationen für Deutschland. Medhochzwei-Verlag, Heidelberg, ISBN  978-3-86216-618-3).
In der Märzausgabe des Managementmagazins f&w (Erscheinungstermin: 1. März) präsentieren die vier Autoren ihre Studienergebnisse in einem Fachartikel.

Autor

 Jens Mau

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