Virtuelles DRG-Forum 2020

Reinhard Busse: "Wir müssen so planen, dass wir genügend Kapazitäten haben"

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Reinhard Busse: "Wir müssen so planen, dass wir genügend Kapazitäten haben"
"In dieser Situation sind die Intensivstationen der Krankenhäuser die wichtigste Front“, stellt Dr. Reinhard Busse (TU Berlin) beim Virtuellen DRG-Forum im Interview mit Prof. Dr. Jörg Debatin klar. Die bisherigen Pandemiepläne seien zu zurückhaltend gewesen. 

Ein Problem sieht Busse vor allem darin, dass sich die Krankenhäuser normalerweise nicht untereinander abstimmen würden. Wichtig sei es, jetzt vor allem an die Bevölkerung zu denken. "Dabei müssen wir auch den kleineren Krankenhäusern zur Seite stehen und sehen, wer wie viele Intensivplätze hat“, so Busse, der im Bereich Gesundheitssysteme an der Technischen Universität Berlin forscht. 

In Italien, betonte Krankenhauskritiker Busse, laufe vieles weitaus geordneter. "Das sind die Vorteile eines zentraler organisierten Systems“, so Busse. Jeden Tag würden dort am Nachmittag Zahlen darüber veröffentlicht, wie viele Patienten sich in welcher Region in stationärer Behandlung befinden. Ähnlich sei es in Dänemark, wo auch die Zuständigkeiten klarer verteilt seien. "Auch wir müssen einen Plan haben, welche Krankenhäuser kooperieren. Das war alles nicht vorbereitet“, meint Busse. Nur in Teilen würde dies bereits funktionieren, zum Beispiel an der Charité. In Berlin gibt es einen Plan, der die einzelnen Krankenhäuser in Stufen differenziert – danach, welche Krankenhäuser Beatmungsgeräte haben und welche als Reserve dienen, für andere Patienten, die nicht beatmungspflichtig sind. Man müsse auch an die Zeit nach Corona denken: "Wir müssen zentralisieren, um die Versorgung zu verbessern, nicht nur jetzt, sondern auch in Zukunft", so Busse.

Dabei müsse man die Landesministerien bei der Planung unterstützen. Politiker dürfen bei Abteilungen in Krankenhäusern nicht nur auf Namen und Bettenzahl achten, sondern müssen die Leistung sehen, um entsprechend planen zu können. Bei der Planung spiele auch das Kartellamt eine Rolle: "Wenn das Kartellamt freiwillige Zusammenschlüsse verhindert, dann ist das kontraproduktiv", sagt Busse. Grundsätzlich müsse klarer werden, wer im deutschen Gesundheitswesen mit wem kooperiert. "Die Krankenhauspläne sind auch nur noch Krankenhausverzeichnisse. Wir müssen so planen, dass wir genügend Kapazitäten haben, möglichst wohnortnah." 

Georg Baums (DKG) Vorschlag eines pauschalierten Finanzierungskonzepts für die Krankenhäuser nennt Busse eine "Notüberlegung". Es wäre fatal, diese für einige Monate umzusetzen und hinterher sei alles wie vorher. "Dies würde in ein neues System münden", stellt Busse klar. Man sollte den Fokus auf Qualität und Umstrukturierung legen. Busse vermutet, dass die Politik nun schnell an den Punkt kommen werde, an welchem das Gesundheitssystem umorganisiert werden müsse. 

Autor

 Luisa-Maria Hollmig

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