Corona-Tagebuch

Keine Sommerpause für das Virus

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Keine Sommerpause für das Virus

Wenn maximal 160 Nanometer kleine Kreaturen einige Menschen nicht nur potenziell krank, sondern mittlerweile auch unvernünftig, überdrüssig und zu Verschwörungsgläubigen machen, muss man die Rolle der Medien und sicher auch von Unternehmenskommunikation einmal kritisch hinterfragen. Die Corona-Pandemie weigert sich, in die Sommerpause zu gehen, und nur weil in der Rubrik „Coronatagebuch“ länger nichts mehr passiert ist, heißt es nicht, dass die Kliniken der Republik wieder im Vorher angekommen sind. Sars-Cov-2 steht weiter auf der Agenda und natürlich auch im Kommunikationskonzept.

Nach der Medizin, Biologie und verwandten Disziplinen hat jetzt auch die Kommunikationswissenschaft genug Material gesammelt, um die gegenwärtige Situation zu analysieren, im konkreten Fall die Qualität von Berichterstattung während der Pandemie bewerten zu können. Angesichts extremer Ausprägungen bei skurrilen Demonstrationen wie zuletzt in Berlin, obskuren Mythen in den Sozialen Medien und der Tatsache, dass einige Menschen selbsternannten „Aufklärern“ bei Youtube mehr Glauben schenken als der Tagesschau, könnte man auf den Gedanken kommen, dass die Medien ihren Job nicht richtig gemacht haben.

Dabei sehen wir Profis täglich nicht nur in den Pressespiegeln, wie sehr sich die Kolleginnen und Kollegen in den Redaktionen um objektive Information bemühen, darum, weiter neue Aspekte einer nun schon monatelang anhaltenden Periode aufzutun – und natürlich auch geltende Regeln kritisch zu hinterfragen. Das ist Journalismus. Dass dieser in Deutschland trotz aller Verunglimpfungsversuche aus der politischen Rechten und Verschwörungsszene funktioniert, zeigt jetzt eine Studie der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster. „In den ersten drei Monaten der Corona-Krise kam es zu keinem allgemeinen Systemversagen des Journalismus. Das heißt, dass wir in der Gesamtheit keine umfassenden Tendenzen zu unkritischer oder hysterischer Berichterstattung gefunden haben“, betont Studienleiter Prof. Thorsten Quandt. Eine vorrangig auf die deutschsprachige Schweiz bezogene Erhebung kommt mit Abstrichen (kein Wortwitz intendiert) zu einem ähnlichen Ergebnis.

Soweit die Vergangenheit. Während für die Zukunft die „zweite Welle“ das Schreckensszenario aller Virologen ist, spielen Wellen bei der Berichterstattung über das Virus noch eine ganz andere Rolle. Sie verläuft wie bei allen großen Themen in einem Auf und Ab, bis nach spätestens drei Monaten Gewöhnungs- und Ermüdungseffekte eintreten. Sondersendungen werden weniger, Talkshows laden statt Hendrik Streeck wieder Hannes Jaenicke ein. Als „Issue Attention Cycle“ hat der US-Ökonom Anthony Downs das schon in den Siebzigerjahren beschrieben, das Fachmagazin „journalist“ hat die Theorie in einem lesenswerten Artikel auf die Corona-Pandemie übertragen.

Was kann die Unternehmenskommunikation von Kliniken aus alledem ableiten? Wir bei den Knappschaft Kliniken meinen: kreativ bleiben. Für die Medien ansprechbar bleiben. Social Media mit seriösen, wertigen Inhalten füllen. Denn – auch das ist eine wissenschaftliche Erkenntnis aus den vergangenen Monaten – junge Menschen informieren sich in gesteigertem Umfang bei Instagram über das Virus. Es lohnt sich, die eigenen Ermüdungseffekte immer wieder zu überwinden.

Autor

 Felix Ehlert

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