DKI Krankenhaus-Barometer

Finanzen: Schlechte Aussichten für Kliniken

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Finanzen: Schlechte Aussichten für Kliniken
© GettyImages/imaginima

Das aktuelle Krankenhausbarometer des Deutschen Krankenhausinstituts (DKI) zeichnet für die wirtschaftliche Lage der Häuser ein düsteres Bild. Demnach erwarten 60 Prozent der befragten Häuser ein negatives Jahresergebnis für das Jahr 2021. Maßgeblicher Grund für die finanzielle Schieflage sind die Belegungsrückgänge infolge der Pandemie. Gegenüber dem Vorjahr würde sich der Anteil der Häuser, die Verluste schreiben, verdoppeln.

Aktuell stufen noch noch elf Prozent der Häuser ihre wirtschaftliche Situation als gut ein. Für 2022 erwarten 21 Prozent eine wirtschaftliche Verbesserung, während die Hälfte der Häuser von einer Verschlechterung der Situation ausgehe. Differenziert nach Bettengröße rechnen vor allem kleinere Häuser mit einer Verschlechterung der Lage. Bei den größeren Häusern ab 600 Betten sind es 43 Prozent, während es bei Häusern mit 100 bis 299 Betten 54 Prozent und bei Häusern mit 300 bis 599 Betten 45 Prozent sind. „Angesichts der dramatischen Auswirkungen der Corona-Pandemie war es richtig, dass die Bundesregierung noch vor Weihnachten gehandelt und die Ausgleichszahlungen bis in den März 2022 verlängert sowie einen Ganzjahresausgleich eingeführt hat.  Die dramatische wirtschaftliche Lage der Kliniken macht unübersehbar deutlich, dass die konkrete Umsetzung der Finanzierungsreform aus dem Koalitionsvertrag keinen Aufschub duldet“, erklärt der Vorstandsvorsitzende der Deutschen Krankenhausgesellschaft (DKG), Dr. Gerald Gaß.

Weniger Belegungen

Die Pandemie wirkt sich nicht nur auf die Finanzen sondern auch auf die Auslastungen der Häuser aus. 53 Prozent der Kliniken gaben an, dass die Auslastung zum Befragungszeitraum von Ende Mai bis Ende Juli geringer gewesen sei als zum Vorjahreszeitpunkt. 15 Prozent berichteten von einer unveränderten Auslastung, 31 Prozent verzeichneten eine höhere Auslastung. Differenziert nach Abteilungen verzeichneten 43 Prozent der Häuser eine höhere Auslastung auf den Intensivstation, während die Auslastung auf der Normalstation bei 53 Prozent geringer war. Durchwachsen war das Ergebnis der Intermediate Care Station, 28 Prozent der Häuser verzeichneten eine geringere Auslastung, 39 Prozent zeigten keine Veränderung und 33 Prozent eine höhere Auslastung. 

Nicht jedes Haus hatte einen Plan

Doch wie gut waren die Häuser auf die Pandemie vorbereitet? 70 Prozent gaben an, vor Beginn der Pandemie einen individuell erarbeiteten Krankenhausalarm und -einsatzplan entwickelt zu haben, der den Pandemiefall berücksichtigte. Dieser habe bei 19 Prozent sehr gut und bei 62 Prozent gut funktioniert. Als Gründe wurden unter anderem die klaren Abläufe und Strukturen, die Arbeit im Krisenstab, Kommunikation, Interdisziplinarität, die Einrichtung von Isolationsbereichen und -stationen sowie die Zusammenarbeit mit Behörden, Bundeswehr und Rettungsdienst angegeben. 

Bei rund 20 Prozent hat der Plan jedoch weniger gut oder sogar gar nicht gut gegriffen. Das lag unter anderem daran, dass die Pläne zu starr gewesen seien, oder die Dauer der Pandemie nicht ausreichend berücksichtigten. Als hinderlich wurde auch der Informationsfluss von Land und Behörden, Anpassungen an die kurzfristigen Änderungen der Gesetzlage oder zusätzliche Maßnahmen wie Besuchseinschränkungen, Datenerfassung von Besuchern oder Abstandsregeln, die im Plan nicht berücksichtigt wurden, angegeben. 

Mehr als 22.000 unbesetzte Stellen

Ein weiteres Thema im Krankenhausbarometer ist auch der Fachkräftemangel. Insgesamt sind 22.300 Stellen auf den Allgemein- und Intensivstationen unbesetzt.

84 Prozent der Häuser hatten im Frühjahr 2021 Probleme, offene Pflegestellen auf Allgemeinstationen zu besetzen. Seit 2011 haben die Zahlen stetig zugenommen, damals waren es noch 37 Prozent. Differenziert nach Größe der Häuser, haben hier vor allem die größeren ab 600 Betten massive Probleme mit der Personalbesetzung (97 Prozent). Hochgerechnet auf die Grundgesamtheit der Allgemeinkrankenhäuser ab 100 Betten blieben bunsweit rund 14.400 Vollkraftstellen im Pflegedienst der Allgemeinstation unbesetzt. Eine Verdreifachung im Vergleich zu 2016, damals gab es noch rund 3.900 unbesetzte Pflegestellen. 

Ähnlich ist die Situation auf den Intensivstationen. 78 Prozent der befragten Krankenhäuser können ihre offenen Stellen in der Intensivpflege nicht besetzen. Mit steigender Klinikgröße nimmt der Anteil der betroffenen Häuser zu. Fast jedes Krankenhaus ab 600 Betten kann derzeit offene Intensivpflegestellen nicht besetzen (94 Prozent). Unbesetzte Stellen in der Intensivpflege bleiben im Schnitt für 21 Wochen vakant. „Der Pflegepersonalmangel ist das drängendste Problem der Gesundheitspolitik. Er muss nach ganz oben auf die politische Tagesordnung. Wir haben hier einige Erwartungen an die neue Bundesregierung“, sagt Gaß. Eines der Mittel, um die Personalprobleme in der Pflege nachhaltig anzugehen, ist das von ver.di, Deutschem Pflegerat und DKG gemeinsam erarbeitete Pflegepersonalbedarfsbemessungsinstrument (PPR 2.0). „Nachdem die Ampel-Regierung unseren Vorschlag bereits in den Koalitionsvertrag aufgenommen hat, erwarten die Kliniken nun umso mehr, dass dieser kurzfristig in die Tat umgesetzt wird“, so Gaß.

Die Ergebnisse des Krankenhaus-Barometers 2021 beruhen auf der schriftlichen Befragung einer repräsentativen Stichprobe von Allgemeinkrankenhäusern ab 100 Betten, die von Ende Mai bis Ende Juli 2021 durchgeführt wurde. Beteiligt haben sich insgesamt 291 Krankenhäuser. Zum Krankenhaus-Barometer 2021.

Autor

 Luisa-Maria Hollmig

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