Bodenseekreis

Klinikum Friedrichshafen geht an Ameos

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Klinikum Friedrichshafen geht an Ameos
Klinikum Friedrichshafen © Medizin Campus Bodensee/Felix Kaestle

Der insolvente Medizin Campus Bodensee geht an Ameos. Mit knapper Mehrheit entschied sich der Kreistag für den privaten Träger – und für erhebliche öffentliche Zuschüsse.

Der Medizin Campus Bodensee (MCB) geht an Ameos. Der Kreistag entschied am 13. Mai mit 30 zu 27 Stimmen für eine Sicherstellungs- und Unterstützungsvereinbarung mit der privaten Klinikgruppe. Das Konzept der Oberschwabenklinik (OSK) unterlag damit knapp. 

Friedrichshafen soll zentraler Klinikstandort bleiben

Nach dem Ameos-Konzept soll Friedrichshafen der zentrale stationäre Standort im Bodenseekreis bleiben (Level-II-Krankenhaus). „Ameos wird sämtliche medizinische Fachgebiete am Klinikum Friedrichshafen erhalten und ausbauen“, sagte Ameos-CEO Axel Paeger. Die OSK hätte hingegen komplexe Leistungen am Verbundstandort Ravensburg/Wangen gebündelt und das Leistungsspektrum in Friedrichshafen darauf abgestimmt. Für Tettnang ist keine Fortführung des stationären Krankenhausbetriebs vorgesehen. Eine ambulante Anschlussnutzung ist vertraglich nicht geregelt; Ameos werde aber „umfassende ambulante medizinische Angebote etablieren, damit die wohnortnahe Gesundheitsversorgung langfristig sicher ist“, so Paeger. 

Kreis zahlt Millionen an Ameos

Mit der Entscheidung verbindet sich eine finanzielle Unterstützung in Millionenhöhe aus öffentlichen Mitteln. Für den laufenden Betrieb schießt der Landkreis bis 2033 rund 46 Millionen Euro zu, hinzu kommt eine einmalige Zahlung von rund 13 Millionen Euro für den Erwerb sowie etwa fünf Millionen Euro im Zusammenhang mit dem Ende des stationären Betriebs in Tettnang. Außerdem können nach Darstellung des Landkreises weitere Aufwendungen etwa für Brandschutz und Hygiene anfallen. 

Der Landkreis verweist zudem auf den geplanten Klinikneubau in Friedrichshafen mit rund 340 Betten und einem Investitionsvolumen von etwa 230 Millionen Euro, der von Ameos finanziert werden soll. Bleibt eine Förderung des Landes bis Ende 2031 aus, könnte auf den Kreis nach den vorliegenden Vereinbarungen zusätzliche finanzielle Verantwortung zukommen. 

Landrat Luca Wilhelm Prayon sprach von einer Richtungsentscheidung für die Krankenhausversorgung im Kreis. „Der Kreistag hat heute eine weitreichende Entscheidung für die Zukunft der Krankenhausversorgung im Bodenseekreis getroffen.“ Zugleich verwies er auf die Folgen für die öffentlichen Haushalte. „Klar ist aber auch, dass die dafür notwendigen Millionenbeträge schmerzlich in den Haushalten des Kreises sowie unserer Städte und Gemeinden fehlen werden.“ Weitere finanzielle Beiträge von insgesamt 44 Millionen Euro sollen nach den Angaben des Landkreises von der Stadt Friedrichshafen kommen. Auch das Gegenmodell der OSK hätte einen finanziellen Zuschuss des Bodenseekreises, der Stadt Friedrichshafen und auch der Zeppelin-Stiftung vorgesehen.

"Preis der Daseinsvorsorge"

Städte und Kreise warnen seit geraumer Zeit vor den Folgekosten der zunehmend angespannten betriebswirtschaftlichen Lage der Krankenhäuser. Ein Branchenexperte bezeichnet den Deal am Bodensee als "Preis der Daseinsvorsorge", den vor allem die Landkreise zu zahlen hätten, wenn sie die Verantwortung für die Krankenhausversorgung inne haben. Offensichtlich habe der Kreis sich in diesem Fall für ein schmerzhaftes Szenario entschieden, um ein weitaus größeres wirtschaftliches Risiko abzuwenden. 

Dem Beschluss war ein rund einjähriges Verfahren mit Verhandlungen und Prüfungen der medizinischen wie wirtschaftlichen Konzepte vorausgegangen. Auslöser war die Entscheidung der Stadt Friedrichshafen im Sommer 2025, die Trägerschaft für den Medizin Campus Bodensee aufgeben zu wollen und die Verantwortung an den Landkreis zu übertragen. Der MCB meldete daraufhin Insolvenz an. Vollzogen ist der Wechsel noch nicht: Der Gläubigerausschuss des Medizin Campus Bodensee soll voraussichtlich Anfang Juni im Insolvenzverfahren endgültig entscheiden. Ein operativer Übergang auf Ameos wäre nach derzeitigem Stand frühestens im Juli 2026 möglich.

Aktuelle Podcastfolge zur Lage der Krankenhäuser:

Autor

 Florian Albert

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