63. VKD-Jahrestagung

Defizite werden sichtbar

  • News des Tages
Defizite werden sichtbar
Josef Düllings

Die Gesundheitsversorgung der Zukunft ist das Thema der 63. Jahrestagung des Verbandes der Krankenhausdirektoren (VKD), die heute und morgen stattfindet. "Die Krankenhäuser sind der Fels in der Brandung in dieser außergewöhnlichen Lage", sagt VKD-Präsident Dr. Josef Düllings zu Beginn der Jahrestagung. Sie seien die medizinische Infrastruktur, die für Sicherheit in der Pandemie sorge. Krankenhäuser, Reha- und Pflegeeinrichtungen hätten in den vergangenen Monaten viel bewältigt und gelernt. Dennoch würden jetzt die Defizite durch langjähriges Aufschieben sichtbar. Vorrangig sei im Moment die Bewältigung der Krise, die wesentlichen Herausforderungen bestehen aber weiterhin: Personalnotstand, Digitalisierung, Vernetzung mit anderen Versorgern, Ambulantisierung und die Neuorganisation der ambulanten Notfallversorgung. Eine weitere Baustelle sei die "erdrückende Bürokratie", deren Abbau immer zugesagt wurde.

Diese kritisierte auch DKG-Vorstandsvorsitzender Dr. Gerald Gaß in der Diskussionsrunde: "Wir haben eine Misstrauenskultur und Kontrollbürokratie, davon müssen wir weg." Ärzte und Pflegekräfte würden viel Zeit mit der Dokumentation verbringen, während diese Zeit für andere Dinge fehle. So wünschen sich die Pflegekräfte mehr Zeit für die Patienten zu haben, etwa für Gespräche oder menschliche Zuwendung. Weiter verwies Düllings in seiner Eröffnungsrede auf die Positionen, die der Verband zu krankenhauspolitischen Themen definiert haben. In diesen geht es unter anderem um Strukturreformen. Diese werden vom VKD befürwortet. Sie müssten den regionalen Notwendigkeiten der Gesundheitsversorgung entsprechend geplant, gestaltet und finanziert werden. Gefordert werde weiterhin eine flächendeckende Gesundheitsversorgung, "in der alle Krankenhäuser aller Versorgungsstufen ihre Berechtigung haben", so Düllings. 

Die Corona-Pandemie sei eine "Jahrhundertaufgabe für die Krankenhäuser", sagt Bundesgesundheitsminister Jens Spahn in seinem Eröffnungsstatement zur virtuellen Jahrestagung. Diese Belastung hätte sich keiner gewünscht, doch man müsse sich stellen und einen Rahmen setzen. Vieles davon sei im beständigen Dialog, wenn auch kontrovers, gut gelungen. Darüber hinaus sei auch wichtig, was die Pandemie für die Strukturen bedeute. Drei Punkte hob Spahn besonders hervor: Fachkräfte, Digitalisierung und die Struktur selbst. In der Digitalisierung sei man "nur Mittelfeld in vielen Bereichen", bisherige gäbe es zwar gute Insellösungen, die alleine aber nicht ausreichend seien. Die Telematikinfrastruktur sei ein großer Schritt zur Vernetzung, ebenso wie die elektronische Patientenakte. Das alles sei zwar schrittweise, aber ein Anfang. Zum Thema Struktur betonte Spahn: "Es geht mit dabei nicht um Geld, sondern um Qualität." Dabei sei das GVWG (Gesundheitsversorgungsweiterentwicklungsgesetz) ist weiterer Schritt zur Qualitätssicherung. 

In der Podiumsdiskussion diskutierten Erwin Rüddel (CDU), Maria Klein-Schmeink (Bündnis 90/Die Grünen), Gerald Gaß (DKG), Josef Düllings (VKD), Stefanie Stoff-Ahnis (GKV) und Michael Weber (VLK) unter anderem über Strukturreformen, die Zusammenarbeit von ambulanten und stationären Sektor und die Notfallversorgung. So spricht sich der GKV beispielsweise für bundeseinheitliche Vorgaben für Qualitätsaspekte aus. Für die Zusammenarbeit zwischen ambulanten und stationären Sektor seien abgestimmte, einheitliche Kriterien nötig. Die konkrete Entscheidung solle aber bei den Ländern liegen.

Klein-Schmeink kritisierte, dass es in allen Ländern eine unterschiedliche Herangehensweise an die Krankenhausplanung gäbe. Es gäbe daher einen Antrag der Grünen für eine bundeseinheitliche Herangehensweise an die Krankenhausplanung mit Qualitätsstandards. Die besondere Ausgestaltung müsse in den jeweiligen Regionen vorgenommen werden.

Für Gaß bleibt die Planung hingegen Ländersache: "Wir stellen uns vor, dass es bundesweite Orientierungsvorgaben für Aspekte einer bundesweiten Strukturentwicklung gibt, die die Länder umsetzen müssen. Die Länder haben Variabilität und Flexibilität in der Planung." Er könne sich nicht vorstellen, dass die föderale Verantwortung der Länder an den Bund abgegeben werde. Denn die Krankenhausplanung sei neben der Bildung oder Polizei eine der wenigen originären Aufgaben der Länder. 

Zum Thema Notfallversorgung zeigte sich Klein-Schmeink enttäuscht, dass die bisherige Reform auf ein digitales Ersteinschätzungsverfahren reduziert sei, "das ist zu wenig". Der Schritt danach sei nicht wirklich geregelt. Denkbar wäre ein Hybrid-System an einem Tresen. An diesem solle geklärt werden, ob eine ambulante oder stationäre Versorgung notwendig sei. "In der nächsten Wahlperiode wird uns das massiv beschäftigen", sagt Klein-Schmeink. Allein der demographische Wandel führe dazu, dass auf Patientenseite mehr und auf der Behandelseite weniger vorhanden sei. Ein Callcentergestütztes Angebot allein reiche nicht aus.

Autor

 Luisa-Maria Hollmig

Abonnieren Sie unseren Newsletter

Mit unserem täglichen Newsletter informieren wir bereits rund 10.000 Empfänger über alle wichtigen Meldungen aus den Krankenhäusern und der Gesundheitsbranche

Kontakt zum Kundenservice

Rufen Sie an: 0 56 61 / 73 44-0
Mo - Fr 08:00 bis 17:00 Uhr

Senden Sie uns eine E-Mail:
info@bibliomedmanager.de

Häufige Fragen und Antworten finden Sie im Hilfe-Bereich