Orientierungswert von Professor Jochen Werner

Der Blick auf das Wesentliche

  • Orientierungswerte
Der Blick auf das Wesentliche

Inzidenzen, R-Wert, Impfquote und DIVI-Register – der Blick auf Zahlen und Daten bestimmt unsere Wahrnehmung der Pandemie. Nach vielen Monaten Ausnahmezustand und vor dem Hintergrund einer merklichen Abschwächung des Infektionsgeschehens ist es nun an der Zeit, den Fokus auf das Wesentliche zu richten – den Menschen.

„In der Krise beweist sich der Charakter“ – die Pandemie hat einmal mehr gezeigt, wie treffend diese Aussage von Helmut Schmidt nach wie vor ist. Als Ärztlicher Direktor der Universitätsmedizin Essen ziehe ich meinen Hut vor den Leistungen derjenigen, die uns durch diese Pandemie getragen haben – die Beschäftigten im Krankenhaus, aber auch die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in den Gesundheitsämtern und in verschiedenen anderen Bereichen der kritischen Infrastruktur. Sie alle haben in diesen außergewöhnlichen Zeiten außergewöhnliche Leistungen erbracht und gezeigt, wie unersetzlich der Faktor Mensch in der Medizin ist und bleiben wird.

Umso schmerzhafter ist die Erkenntnis, dass strukturelle Defizite, ineffiziente Strukturen, vor allem aber der mangelhafte Digitalisierungszustand in Deutschland maßgeblich zur großen Belastung beigetragen haben und weiter beitragen werden. Wir können nicht ewig darauf bauen, dass die Beschäftigten im Gesundheitswesen ihre Aufgabe schon irgendwie meistern werden; sie brauchen auch angesichts eines spürbaren Personalengpasses Unterstützung und Hilfestellung. Und dies nicht nur in der Pandemie, sondern vor allem auch im Regelbetrieb.

Die großen Herausforderungen wie der Pflegenotstand oder die reformbedürftige, kleinteilige Krankenhauslandschaft in Deutschland werden nicht kurzfristig zu lösen sein. Umso mehr ist eine umfassende Digitalisierungsoffensive unerlässlich, um die Auswirkungen dieser strukturellen Defizite zu minimieren und den Weg zu bahnen in eine vernetzte, leistungsfähige und dauerhaft bezahlbare Zukunftsmedizin. Zudem haben die Beschäftigten ein Recht auf eine konkrete Entlastung im Arbeitsalltag. Durch den Einsatz digitaler Technologien können bürokratische Aufwände reduziert, kann medizinisches Personal von patientenfernen Tätigkeiten entlastet werden, um die wichtigste Ressource ihrer Arbeit zu stärken – Zeit für Patientinnen und Patienten und wieder mehr Zeit für sich selbst.

Einmal mehr zeigt sich durch die Erfahrungen der Pandemie: Digitalisierung macht die Medizin nicht kühl und technisch, sondern menschlich und empathisch. 

Autor

Prof. Dr. Jochen A. Werner

Abonnieren Sie unseren Newsletter

Mit unserem täglichen Newsletter informieren wir bereits rund 10.000 Empfänger über alle wichtigen Meldungen aus den Krankenhäusern und der Gesundheitsbranche

Kontakt zum Kundenservice

Rufen Sie an: 0 56 61 / 73 44-0
Mo - Fr 08:00 bis 17:00 Uhr

Senden Sie uns eine E-Mail:
info@bibliomedmanager.de

Häufige Fragen und Antworten finden Sie im Hilfe-Bereich