Notfallversorgung

DGINA verweigert Zusammenarbeit mit den Kassenärzten

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DGINA verweigert Zusammenarbeit mit den Kassenärzten
© GettyImages/vm

Die Fachgesellschaft DGINA will sich nicht mehr an der Entwicklung des Ersteinschätzungstools der Kassenärzte beteiligen. Vor drei Wochen hatte bereits der Marburger Bund seine Mitarbeit aufgekündigt. „Die Deutsche Gesellschaft für Interdisziplinäre Notfall- und Akutmedizin (DGINA) verlässt – ebenso wie der Marburger Bund – den Beirat „Strukturierte medizinische Ersteinschätzung in Deutschland“ (SmED). Grund sind Differenzen mit dem Zentralinstitut für Kassenärztliche Versorgung (Zi) über die Einführung eines softwarebasierten Ersteinschätzungssystems auch am Notaufnahme-Tresen in Krankenhäusern“, schreibt die DGINA in einer Mitteilung. Hintergrund ist der Vorstoß des Bundestags, Teile der ursprünglich geplanten Notfallreform im Gesundheitsversorgungsweiterentwicklungsgesetz (GVWG) auf den Weg zu bringen. Wie vermint das Terrain der Notfallversorgung mit all den Interessen von Bund, Ländern, Kliniken und niedergelassenen Ärzten ist, lässt sich auch an dieser Teilreform ablesen. Eine Schlüsselfrage bleibt im Fokus: Wie lässt sich eine standardisierte Einstufung der Notfallpatienten mit einer Patientensteuerung verbinden? Auch wenn der G-BA Kriterien aufstellen soll, bleibt bei Kliniken und Klinikärzten die Befürchtung, dass am Ende das erst kürzlich eingeführte KV-System Smed (Strukturierte medizinische Ersteinschätzung in Deutschland) die Patientensteuerung im Krankenhaus vorgibt. Eine von vielen unbeantworteten Fragen lautet in diesem Zusammenhang: Was passiert mit einem Patienten, der im Krankenhaus aufschlägt, aber laut System kein Krankenhausfall ist? Muss die Klinik diesen Patienten abweisen, und wer haftet im Zweifel für diesen Vorgang? 

Die DGINA befürchtet, dass aufgrund des politischen Drucks, das Ersteinschätzungssystem auch in Krankenhäusern einzuführen, die Diskussion zur Ersteinschätzung am Tresen nicht ergebnisoffen geführt wird. Die Fachgesellschaft warnt davor, ein System zur Patientensteuerung in Versorgungsebenen vor einem Arztkontakt einzuführen, bevor die Versorgungsstrukturen nicht klar definiert sind. Das würde die Patientensicherheit gefährden. 
„Der Rückzug aus dem Beirat bedeutet nicht, dass sich die DGINA der Weiterentwicklung von Ersteinschätzungssystemen verschließt – im Gegenteil. Wichtig ist aber, dass die Patientensicherheit und eine gute notfallmedizinische Versorgung gewahrt bleiben“ erklärt DGINA-Präsident Martin Pin. Daher werde die notfallmedizinische Fachgesellschaft in Kürze zu einem Runden Tisch Notfallversorgung einladen.

Autor

 Jens Mau

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