Tarifforderungen der Klinikärzte

„Die Rufbereitschaft würde damit de facto abgeschafft“ 

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„Die Rufbereitschaft würde damit de facto abgeschafft“ 
Wolfgang Heyl © Bürgerhospital Frankfurt

Die Rufbereitschaft ist bei Klinikärzten beliebt. Die Gewerkschaft Marburger Bund (MB) fordert in den Tarifverhandlungen mit den kommunalen Kliniken nun eine Beschränkung und eine bessere Vergütung der Rufbereitschaft. Im Gespräch nimmt Wolfgang Heyl, Verhandlungsführer der kommunalen Kliniken, Stellung zu den MB-Forderungen. 

Interview mit Wolfgang Heyl

Bei der Rufbereitschaft wollen die Ärzte mehr Geld – aber auch weniger Inanspruchnahmen. Die Inanspruchnahmen sind laut Marburger Bund zuletzt angestiegen? Hat das mit dem Ärztemangel zu tun, oder schlicht weil Rufbereitschaft billiger ist, wie es der MB interpretiert?
Häufigere Einsätze in der Rufbereitschaft als früher liegen nach unseren Auswertungen bei Häusern in kommunaler Trägerschaft nicht vor. Viele Häuser tarieren ihre Schichtsysteme seit Langem immer weiter aus und passen sie an. Die Hintergrunddienste sind in der Ärzteschaft beliebt, die Forderungen des Marburger Bundes würden dazu führen, dass einige Krankhäuser auf Vollarbeit umstellen müssen. Das kann nicht im Sinne der Ärzteschaft sein. Es ist wichtig, die Bereitschaftsdienste und Rufbereitschaften so zum Einsatz zu bringen, dass es für alle – für die Patientinnen und Patienten und auch für das Personal – passt. 

Wann würde die Inanspruchnahme in der Rufbereitschaft aus Ihrer Sicht den Rahmen sprengen – wo ist die Grenze? 
Die geforderte Limitierung der Rufbereitschaft führt dazu, dass die Schichten mit dem vorhandenen Personal nicht mehr ausreichend besetzt werden können. Die Krankenhäuser müssten ihre Schichtmodelle ändern mit der Folge, dass die eigentlich beliebten Rufbereitschaftsdienste wegfallen. Die weitere Forderung des Marburger Bundes, wonach Rufbereitschaften auf maximal 24 Stunden begrenzt werden sollen, führt ebenfalls zu der bereits beschriebenen Folge: Die Rufbereitschaft würde damit de facto abgeschafft werden. Das wollen wir nicht – und ich bin mir sicher, dass das auch nicht im Sinne des ärztlichen Personals wäre. 

Die Forderungen des Marburger Bundes würden die kommunalen Kliniken 400 Millionen Euro mehr im Jahr kosten, sagt die VKA. Wie kommen Sie auf diese Summe? 
Wir haben für unsere 324 kommunalen Häuser durchgerechnet: Allein die Erhöhung der Tabellenentgelte bringt eine Kostenerhöhung von rund 320 Millionen Euro mit sich. Die höheren Kosten für die Rufbereitschaftspauschale schlagen mit rund 93 Millionen Euro zu Buche. Addiert man noch die Forderung zur Anhebung des Zuschlags für kurzfristige Bereitschaftsdienste hinzu, erhöht sich das Kostenvolumen um weitere rund acht Millionen Euro. Prozentual entspricht das bei der geforderten einjährigen Laufzeit einer Personalkostensteigerung um mindestens 7,3 Prozent. Für die kommunalen Kliniken ist das untragbar. 

Das gesamte Interview erscheint in der Novemberausgabe der Klinikzeitschrift f&w. Als Abonnent können Sie es vorab hier lesen.

Wolfgang Heyl ist Geschäftsführer des Bürgerhospitals Frankfurt am Main und Verhandlungsführer der Vereinigung kommunaler Arbeitgeber (VKA) in den Tarifverhandlungen mit dem Marburger Bund. Die Tarifverträge der kommunalen Kliniken gelten als Leitwährung für die Tarifverhandlungen mit anderen Klinikträgern. Die erste Verhandlungsrunde mit dem ist für den 14. Oktober 2021 angesetzt. 

Autor

 Jens Mau

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