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Ein Viertel der Ärzte denkt über Berufswechsel nach

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Ein Viertel der Ärzte denkt über Berufswechsel nach
© GettyImages/Morsa Images

Ein Viertel der angestellten Ärzte in Krankenhäusern erwägt einen Berufswechsel. Die Arbeitsbedingungen werden vor allem mit einer steigenden Belastung, unzureichender Personalausstattung, kaum Zeit für Patientengespräche und fehlender Wertschätzung beschrieben. Zu diesem Ergebnis kommt die Mitgliederbefragung MB-Monitor des Marburger Bundes, die vom Insitut für Qualitätsmessung und Evaluation durchgeführt wurde.

"Bei vernünftigen Arbeitsbedingungen ist es der schönste Beruf der Welt, aber die eigene Gesundheit geht vor", lautete etwa eine anonyme Antwort auf die Frage nach den Gründen, eine andere: "... das ständige Diktat der Ökonomen, der zunehmende Personalmangel bei Ärzten und der Pflege führen dazu, dass man seine Arbeit nicht mehr so erledigen kann, wie es die Komplexität der Aufgaben erfordert."

Viel Zeit nehmen die administrativen Tätigkeiten in Anspruch. Der Zeitaufwand für Verwaltungstätigkeiten (Datenerfassung und Dokumentation, OP-Voranmeldung) liegt im Mittel bei drei Stunden täglich. 32 Prozent der Befragten schätzen den Zeitwand sogar mit vier Stunden pro Tag ein. Zu den Tätigkeiten gehören auch Datenerfassungen, die in den Kliniken häufig von Schreibdiensten oder Stationssekretariaten erledigt werden könnten. Dort, wo es diese Unterstützung verlässlich gibt, hätten die Ärzte mehr Zeit für die eigentlichen Aufgaben in der Patientenversorgung, heißt es in einer Mitteilung des MB. 

Die personelle Besetzung beurteilen 46 Prozent mit "eher schlecht" und 20 Prozent mit "schlecht". Lediglich vier beziehungsweise 30 Prozent gaben hier "sehr gut" beziehungsweise "gut" an. Durch den Personalmangel erhöht sich auch die Belastung des noch vorhandenen Personals - trotz dessen entschieden sich die Krankenhäuser für den Abbau ärztlicher Stellen, wie 34 Prozent der Befragten angaben. 

Besonders deutlich wird die Belastung bei der Wochenarbeitszeit. Inklusive aller Dienste und Überstunden liegt die tatsächliche Wochenarbeitszeit im Mittel deutlich über 50 Stunden, wie aus den Ergebnissen hervorgeht. Dabei wünschen sich 92 Prozent maximal 48 Stunden Wochenarbeitszeit, nur acht Prozent gaben an auch mehr als 48 Stunden zu bevorzugen. Im Schnitt leisten die angestellten Ärztinnen und Ärzte rund 6,2 Überstunden pro Woche, 19 Prozent gaben jedoch an wöchentlich zehn bis 19 Überstunden zu leisten. Etwa ein Viertel der Befragten bekommt die Überstunden überwiegend vergütet, 49 Prozent erhält einen Freizeitausgleich und 26 Prozent gehen komplett leer aus. Ein kleiner Lichtblick könne nach Angaben des MB die Zunahme elektronsicher Zeiterfassung sein, das ist bei 48 Prozent der Befragten der Fall. 23 Prozent erfassen die Arbeitszeiten schriftlich und bei 29 Prozent findet keinerlei systematische Erfassung statt. 

DKG: "Kontrollbürokratie und Misstrauenskultur"

Die Deutsche Krankenhausgesellschaft fordert angesichts der Ergebnisse, die Arbeitsbedingungen in den Kliniken umgehend zu verbessern. Dies sei "absolut unabdingbar", betont DKG-Chef Gerald Gaß in einer Mitteilung. Die Umfrage verdeutliche die Belastungen der Mitarbeitenden in den Kliniken, dies betreffe nicht nur das ärztliche Personal sondern auch die Pflegekräfte und andere Beschäftigte im Haus. Für Verbesserungen seien die Kliniken allein aber gar nicht in der Lage. "Wir brauchen echte mutige Reformschritte und verbesserte Rahmenbedingungen für die Arbeit im Krankenhaus. Die Struktur- und Finanzierungsreform und ein Projekt zur durchgreifenden Entbürokratisierung der Arbeit im Krankenhaus müssen schnellstmöglich auf den Weg gebracht werden", so Gaß. Die Ergebnisse der Umfrage seien Ergebnis eines mehr als zehnjährigen Prozesses, in dem die Kontrollbürokratie und die Misstrauenskultur als Instrument des kalten Strukturwandels genutzt werden. "Wir können Ärztinnen und Ärzte genau wie Pflegekräfte nicht mehr stundenlang mit Bürokratiearbeiten belasten, die einzig der Kontrollmacht der Kassen dienen (...) hier geht uns auch wertvolle Arbeitskraft verloren, die dringend im OP und am Krankenbett gebraucht wird".

Autor

 Luisa-Maria Hollmig

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