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KKVD: Dezentrale Krankenhausstruktur ist Erfolgsfaktor in der Krise

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KKVD: Dezentrale Krankenhausstruktur ist Erfolgsfaktor in der Krise
© ©Werner Krueper Fotografie

Ein halbes Jahr nach der ersten Corona-Infektion in Deutschland zieht der Katholische Krankenhausverband Deutschland (KKVD) ein erstes Fazit aus der Pandemie und spricht sich für mehr Investitionen in Digitalisierung und Patientensicherheit sowie bessere Arbeitsbedingungen aus.

In einem Positionspapier kommt der Verband zu dem Ergebnis, dass sich die dezentrale Krankenhausstruktur in der andauernden Corona-Pandemie als sicheres Netz und Erfolgsfaktor bewiesen habe. Das deutsche System habe sich als belastbar gezeigt. "Daran haben die Krankenhäuser vor Ort großen Anteil", so Bernadette Rümmelin, Geschäftsführerin des KKVD, "Sie waren jeden Tag offen, haben die Notfallversorgung der Bevölkerung sichergestellt und Corona-Patienten getestet und versorgt. In regionalen Netzwerken haben sie den örtlichen Maximalversorgern den Rücken freigehalten." Gerade kleinere Krankenhäuser wurden mancherorts zu Corona-Behandlungseinheiten umgewidmet, um eine räumlich abgeschlossene Einheit als Anlaufstelle für die Versorgung der Infizierten zu bilden. Eine große wohnortnahe Krankenhausdichte ermögliche mehr Spielraum bei den Instrumenten in der Pandemiebekämpfung, heißt es in dem Positionspapier. Diese Erkenntnis spiegele sich auch in einer Umfrage wieder, die das forsa-Institut im Auftrag des KKVD durchgeführt hat. Demnach waren 74 Prozent der Befragten der Meinung, dass eine deutlich andere Krankenhausstruktur - etwa die Hälfte der heutigen Standorte - das Gesundheitssystem bei der Pandemiebekämpfung vor größere Probleme gestellt hätte. Auch der im internationalen Vergleich hohe Sockel vorhandener Intensivbetten - in Deutschland rund 32.000 - sei ein entscheidender Vorteil zur Sicherung der Versorgung gewesen.

Die dezentrale Klinikstruktur sei ein entscheidender Vorteil, der nicht verspielt werden dürfe. Die Krise habe jedoch gezeigt, dass mehr sektorenübergreifende Ansätze nötig sind. Der KKVD schlägt vor, dass Krankenhäuser planvoll in den ambulanten Sektor mit einbezogen werden sollten. Die Vorschläge zur Reform der ambulanten Notfallversorgung müssten überdacht werden. Auch könnten Krankenhäuser und Pflegeeinrichtungen enger koopieren, um mehr Kurzzeitpflegeplätze bereitzustellen. Telemedizinische Anwendungen könnten ebenfalls einen wichtigen Beitrag zur Vernetzung leisten. 

Bessere Arbeitsbedingungen für Pflegekräfte

Ein weiterer Erfolgsfaktor sei das große Engagement, die Hingabe und Flexibilität der Mitarbeitenden in den Kliniken, so der Verband. Teams organisierten sich um und Schichtzeiten wurden verlängert. Die erschwerten Bedingungen brachten das Personal an seine Grenzen. Die Ankerkennung für die Krankenhausmitarbeiter dürfe jedoch kein symbolischer Akt bleiben, fordert der KKVD. Es seien Arbeitsbedingungen notwendig, die eine am Menschen orienterte, zugewandte Pflege ermögliche. Der Verband unterstützt das Konzept PPR 2.0, das den Stellenwert der Pflegenden im stationären Behandlungsprozess angemessen würdige und abbilde. Unabhängig von der Trägerschaft hätten Mitarbeitendeauch einen Anspruch auf eine angemessene Bezahlung. 

Investitionen in Digitalierung und Patientensicherheit

Da digitale Anwendungen einen wichtigen Beitrag zum Infektionsschutz der Mitarbeitenden leisten und eine schnelle Weitergabe von Informationen ermöglichen, müsse die Digitalisierung in den Krankenhäusern weiter voran getrieben werden. Mit dem "Zukunftsprogramm Krankenhaus" zur Finanzierung von Notfallkapazitäten und Invesitionen in die digitale Infrastruktur gehe die Bundesregierung den richtigen Weg. Zur Erhöhung der Patientensicherheit gehören beispielsweise getrennte Zugänge zur Notaufnahme oder die Bildung interdisziplinärer Teams. 

Auch weitere Verbände zogen bereits Lehren aus der Pandemie. So spricht sich die Bundesärztekammer für eine Stärkung des Öffentlichen Gesundheitsdienstes aus und fordert eine bessere technische und personelle Ausstattung in den Gesundheitsämtern sowie eine tarifliche Vergütung für die dort angestellten Ärzte. Die Gewerkschaften Verdi und DKG fordern einen Umbau des Gesundheitssystems und kritisieren in ihrem Masterplan vor allem das DRG-System. 

Autor

 Luisa-Maria Hollmig

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