Ein Runder Tisch gegen Machtmissbrauch im Krankenhaus ist gestartet. Auslöser dafür war eine Umfrage der Ärztegewerkschaft Marburger Bund.
Acht Verbände und Organisationen des Gesundheitswesens haben am heutigen Mittwoch ein gemeinsames Leitbild für Respekt, Sicherheit und Gleichbehandlung im Krankenhaus unterzeichnet. Sie wollen einen „grundlegenden Kulturwandel in den Kliniken“ einleiten. Ausgangspunkt für den gemeinsamen Prozess war eine Umfrage des Marburger Bundes (MB), die das Ausmaß von Machtmissbrauch und Grenzüberschreitungen insbesondere im ärztlichen Bereich deutlich gemacht hat. Auf Initiative der Ärztegewerkschaft und der Deutschen Krankenhausgesellschaft ist daraufhin der Runde Tisch enstanden, der nun ein Leitbild beschlossen hat.
Meldestellen zu wenig sichtbar
„Wir sprechen nicht über wenige bedauerliche Einzelfälle, sondern über ein strukturelles Problem“, betonte Susanne Johna, Vorsitzende des MB. Die Befragung von rund 9.000 Krankenhausärztinnen und -ärzten hatte ergeben, dass 49 Prozent der Befragten bereits Machtmissbrauch erlebt haben. 13 Prozent berichteten von sexueller Belästigung. Beides ging weit überwiegend von Vorgesetzten aus.
„Führungsverantwortung ist kein Freibrief für Machtmissbrauch“, erklärte Johna und machte deutlich, dass die Meldestrukturen in Krankenhäusern unzureichend seien. „Oft wissen selbst Personalverantwortliche nicht, wo die entsprechende Stelle ist“, sagte Johna. Außerdem seien die Anlaufstellen teilweise zu nah an den Führungspersonen angesiedelt. In der Regel sitzt die gesetzlich vorgeschriebene Meldestelle in der Verwaltung. Deshalb fordert die oberste Vertreterin der Krankenhausärztinnen und -ärzte „unabhängige Meldestellen, die erreichbar und transparent sind“. Auch externe Meldestellen für mehrere Krankenhäuser könne sie sich vorstellen. Johna betonte, dass der jetzt einberufene Runde Tisch nur der Anfang eines Prozesses sei.
Gaß: "Wir dürfen die Attraktivität als Arbeitgeber nicht gefährden"
Neben dem MB sitzen an diesem Tisch auch die Deutsche Krankenhausgesellschaft (DKG), der Deutsche Pflegerat (DPR), die Bundesärztekammer (BÄK), der Verband leitender Krankenhausärztinnen und -ärzte (VLK), der Verband der Krankenhausdirektorinnen und Krankenhausdirektoren Deutschlands (VKD), der Verband der Universitätsklinika Deutschlands (VUD) sowie der Deutsche Ärztinnenbund.
DKG-Chef Gerald Gaß betonte, dass die Kliniken dem Thema deutlich mehr Aufmerksamkeit schenken wollen. „Diesen Missstand wollen wir nicht tolerieren“, sagte Gaß. Für die Kliniken sei es wichtig, dass „die Meldestellen adäquat funktionieren“. Beim Kampf gegen Machtmissbrauch gehe es auch darum, um die Attraktivität der Krankenhäuser als Arbeitgeber sicherzustellen, unterstrich der oberste Klinikvertreter. Ein erstes Ziel der Initiative ist es, gemeinsame Schulungen aufzusetzen - für Führungskräfte und für diejenigen, die in den Meldestellen die Ansprechpartner sind.
„Durch Machtmissbrauch verlieren wir Mitarbeiter – und vor allem Mitarbeiterinnen“, unterstrich Johna. Deshalb müssten sich auch die Auswahlprozesse für Führungskräfte ändern. „Eine Führungskraft darf nicht nur nach ihrer fachlichen Kompetenz ausgewählt werden, sondern auch danach, ob sie führen kann.“
mau

