Das Krankenhaus Geesthacht hat wenige Monate nach seiner Neuausrichtung eigenen Angaben zufolge die wirtschaftliche Sanierung abgeschlossen und erzielt inzwischen positive Monatsergebnisse.
Das teilte die Beratungs- und Managementgesellschaft HC&S AG mit, deren Vorstand Lars Timm den Sanierungsprozess als Geschäftsführer des Krankenhauses begleitet hat.
Nach Angaben des Unternehmens gelang damit die Stabilisierung eines Standorts, der in den vergangenen zwei Jahren zwei Insolvenzverfahren durchlaufen hatte. Das Amtsgericht Schwarzenbek hatte das Verfahren in Eigenverwaltung Ende März 2026 aufgehoben. Seitdem arbeitet die Klinik mit einer neuen Versorgungsstruktur.
Konzentration auf Geriatrie und Psychiatrie
Das Krankenhaus konzentriert sich heute auf die Bereiche Geriatrie, Psychiatrie und Innere Medizin. Im Zuge der Sanierung wurden andere Leistungsbereiche aufgegeben. Bereits vor dem Neustart waren unter anderem die Notaufnahme, die Geburtshilfe, die Kardiologie sowie chirurgische Stationen geschlossen worden.
Besonders die Geriatrie entwickelte sich nach Angaben der Klinik positiv. Die Fallzahlen stiegen 2026 gegenüber dem Vorjahr deutlich. Der Bereich wurde auf 78 Betten ausgebaut. Zudem eröffnete das Krankenhaus kürzlich eine psychiatrische Tagesklinik mit 20 Plätzen in Lauenburg. Im Regionalbudget verantwortet die Klinik die psychiatrische Versorgung von rund 205.000 Menschen im Kreis Herzogtum Lauenburg.
Rund 400 Menschen arbeiten inzwischen am Standort. Nach dem Neustart setzt die Klinik zudem auf eine enge Verzahnung mit dem Medizinischen Versorgungszentrum, einem Seniorenzentrum und weiteren Partnern am sogenannten Vitalcampus Geesthacht.
Sanierungsteam setzte neue Struktur in kurzer Zeit um
Die aktuelle Entwicklung ist das Ergebnis eines tiefgreifenden Umbaus. Das Krankenhaus hatte bereits im September 2024 Insolvenz in Eigenverwaltung angemeldet. Der damalige Träger, die Johanniter, begründeten den Schritt mit langjährigen Defiziten und wirtschaftlichem Druck.
Im Sommer 2025 übernahm die CTP-Gruppe des Unternehmers Thomas Pötzsch die Klinik. Wenige Monate später musste das Haus erneut ein Sanierungsverfahren einleiten. Damals bezifferte die neue Eigentümerin das monatliche Defizit auf rund 600.000 Euro.
Im Sanierungsverfahren übernahm Lars Timm, Vorstand der HC&S AG, die Rolle des Sanierungsgeschäftsführers. Gemeinsam mit Vertretern der Eigentümerin, der Eigenverwaltung und dem Sachwalter entwickelte das Team die heutige Versorgungsstruktur. Nach Aufhebung des Insolvenzverfahrens blieb Timm nach Angaben von HC&S an Bord, um die Umsetzung und Modernisierung des Standorts zu begleiten.
Management sieht Spezialisierung als Erfolgsfaktor
„Gespart haben wir auch. Entscheidend war aber die Spezialisierung. Ein Haus dieser Größe kann sich wirtschaftlich tragen, wenn es sich auf das konzentriert, was es besonders gut kann“, sagte Timm. Er verwies darauf, dass das Krankenhaus wesentliche Anforderungen der Krankenhausreform bereits umgesetzt habe.
Für die Belegschaft sprach Betriebsratsvorsitzende Anne-Kathrin Hille von einer spürbaren Erleichterung nach den zurückliegenden Krisenjahren: „Wir sind durch zwei Insolvenzen gegangen und trotzdem noch da. Dafür hat jede und jeder hier gekämpft. Dass es wieder aufwärts geht, spürt man auf jeder Station.“
Für Ende Oktober hat die Klinik eine Halbjahresbilanz sowie weitere Informationen zu geplanten Entwicklungsschritten angekündigt.
cs
