DGfM-Herbstsymposium

Kassen drängen auf Strukturreform in der Psychiatrie

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Kassen drängen auf Strukturreform in der Psychiatrie
Olaf Neubert, GKV-Spitzenverband, auf dem Herbstsymposium der Deutschen Gesellschaft für Medizincontrolling (DGfM) © Screenshot DGfM

Aus Sicht der Krankenkassen leistet sich Deutschland in der psychiatrischen und psychosomatischen Versorgung nach wie vor zu viele vollstationäre Strukturen. Deutschland nehme hier eine "europöische Sonderrolle" ein, unterstrich Olaf Neubert vom GKV-Spitzenverband auf dem Herbstsymposium der Deutschen Gesellschaft für Medizincontrolling (DGfM). Der Verband hat seine Veranstaltung in diesem Jahr zum ersten Mal komplett virtuell organisiert.

Die Verweildauer steige seit Jahren, ebenso die Zahl der Betten, kritisierte Neubert. Doch nicht alle Patienten müssten tatsächlich vollstationär behandelt werden. So würden nur 18 Prozent aller Patienten hierzulande settingübergreifend versorgt. "Das ist aus unserer Sicht zu wenig", so Neubert. An die Krankenhäuser gerichtet mahnte er mit Blick auf die Bezahlung: "Modellvorhaben und stationsäquivalente Modelle werden scheitern, wenn man meint, dass ein ambulanter Kurzkontakt wie ein vollstationärer Tag behandelt wird."

Im Hinblick auf die Personalausstattung diagnostizierte Neubert ein "großes Umsetzungsdefizit" in den Kliniken. Mindestens jedes fünfte Krankenhaus nutze Personalbudgets auch für andere Zwecke wie Quersubventionierung oder Gewinne. "Wir als Kostenträger haben damit nicht unbedingt ein Problem." Wenn aber nicht das Personal an Bord sei, das vereinbart ist, "dann schon". 42 Prozent der Kliniken erfüllten 2018 nicht die Psychiatrie-Personalverordnung (Psych-PV), so Neubert.

Er präsentierte zudem aktuelle Zahlen aus der Corona-Krise, die das Wido (Wissenschaftliches Institut der AOK) erhoben hat. Demnach ist im März die Zahl der stationären Aufnahmen in Psychiatrie und Psychosomatik um 22 Prozent zurückgegangen, im April sogar um 37 Prozent. Nach einem Minus von 27 Prozent im Mai stabilisierten sich die Patientenzahlen von Juni bis August hingegen wieder bei fast 90 Prozent Normalbelegung.

Autor

 Florian Albert

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