Lemke: "Es geht um die Existenz der Kliniken"

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Lemke: "Es geht um die Existenz der Kliniken"
Thomas Lemke © Regina Sablotny

Herr Lemke, Corona hat das Land fester im Griff denn je. Wie ist die Lage bei den Sana-Kliniken?

Diesen Griff spüren wir natürlich auch. Wir sind in der Versorgung aktiv und haben kein Problem mit den Betten oder Intensivkapazitäten, dafür aber immer wieder mit dem Personal. Denn in einigen Häusern fehlen wegen Quarantäne oder Infektionen derzeit 10 bis 15 Prozent der Mitarbeiter. Im vergangenen Jahr haben wir so ziemlich die gleiche Entwicklung durchgemacht wie der gesamte Krankenhausmarkt. Nach dem Herunterfahren im Frühjahr hatten wir es geschafft, bis zum Herbst wieder circa 90 Prozent unseres Leistungsniveaus zu erreichen. Das klingt viel, ist jedoch für ein Krankenhausunternehmen ehrlich gesagt ein Desaster. Die zweite Vollbremsung im November hat uns wirtschaftlich, aber auch emotional deutlich anders getroffen. Unser kompletter Aufholprozess bei den Regelleistungen ist abrupt gestoppt worden. Im November und Dezember haben wir extreme Leistungseinbußen hinnehmen müssen, in manchen Häusern bis zu 25 Prozent. Das ist für uns alle eine noch nie da gewesene Herausforderung.

Der schleppende Impfstart sorgt vielerorts für Unmut. Wie sind Ihre Erfahrungen?

Es ist ein Phänomen, dass heutzutage immer lauter nach mehr Staat gerufen wird. Nur: Das, was der Staat in vielen Bereichen in die Hand nimmt, führt nicht zwangsläufig auch zum Erfolg. Hätte man das Thema Impfen inklusive Organisation denen überlassen, die das schon viele Jahre machen – den Niedergelassenen, den Kliniken etc. – dann wäre diese ganze Logistik vermutlich ein Stück einfacher gewesen. Nun ist es anders gekommen und wir sind hier kein aktiver Player. Meine Einschätzung ist daher: Wo der Impfstoff da ist, kommen wir relativ zügig voran. 

Wie haben Sie das Geschäftsjahr 2020 abgeschlossen? Gesundheitsökonom Reinhard Busse hat erst jüngst unterstrichen, dass die Kliniken dank des Rettungsschirms die gleichen Erlöse haben werden wie 2019.

Man muss differenzieren. Herr Busse und die Krankenkassen haben nur in Teilen recht. Gemessen in Euro haben wir als Sana das Umsatzniveau ausschließlich im DRG-Bereich von 2019 in etwa auch in 2020 erreicht beziehungsweise sogar ein Stück weit übertroffen – inklusive Freihaltepauschalen. 3,7 Prozent ist der Preiseffekt durch den Landesbasisfallwert. Andere Krankenhausumsätze wie zum Beispiel Wahlleistungen oder auch Ambulanzen sind deutlich rückläufig gewesen. Und Achtung: Die Kosten sind explodiert. Wir haben 6,4 Prozent höhere Personalkosten und 3,4 Prozent höhere Sachkosten als 2019. Der Rückgang des Ergebnisses fällt im Vergleich zum Vorjahr dank breitem Geschäftsmodell nicht so deutlich aus wie befürchtet. Fairnesshalber sei gesagt: Nicht alle Sektoren der Volkswirtschaft hatten das Glück, mit einem halbwegs komfortablen Rettungsschirm ausgestattet zu sein. Aber in so einer Situation kann es auch nicht darum gehen, das Ergebnis zu maximieren, sondern es geht um die Existenzsicherung der Kliniken.

 

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Autor

 Florian Albert

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