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Marburger Bund kritisiert Einsatz von positiv getestetem Personal

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Marburger Bund kritisiert Einsatz von positiv getestetem Personal
© Gettyimages/Tang Ming Tung

Am Gießener Standort des Uniklinikums Gießen Marburg darf positiv getestetes Personal weiter arbeiten, wenn sie sich selbst als arbeitsfähig erklären. Das sei ein unverantwortliches Vorgehen, kritisiert der Marburger Bund Hessen.

In Gießen dürften symptomfreie Mitarbeitende mit positivem Coronatest freiwillig zur Arbeit kommen. "Tätigkeiten mit direktem Patientenkontakt können erst aufgenommen werden, wenn der täglich durchzuführende Antigenschnelltest (als Selbsttest) negativ ist", teilt das UKGM mit. Tätigkeiten auf Station und in anderen Bereichen ohne direkten Patientenkontakt dürften bei Symptomfreiheit durchgeführt werden. Nach Angaben des Klinikums erfolgten Ansteckungen stationärer Patienten nahezu ausschließlich über Mitpatienten, die eine nicht erkannte Infektion hatten, und über Besucher. Ingesamt seien es relativ zu dem Patientenaufkommen sehr wenige Fälle. "Nach der Initialphase der Etablierung aller klinikinternen Schutzmaßnahmen ist eine Infektion von Patienten durch Mitarbeiter des Klinikums quasi nicht mehr aufgetreten", heißt es weiter. Durch die Regelung, dass ein Arbeiten mit direktem Patientenkontakt erst nach negativem Selbsttest erfolgen dürfte, werde erwartet, dass sich daran nichts ändere. Die Entscheidung, dass das positiv getestete Personal arbeiten darf, begründet das UKGM damit, dass der die Zahl der Krankheitsausfälle in allen Bereichen des Klinikums einen nie da gewesenen Höchststand erreichte. Als Beispiel führt der Ärztliche Geschäftsführer Werner Seeger den Bereich der zentralen Sterilisationsabteilung an, in dem alle Instrumente für jegliche operative oder auch sonst hygiene-kritische Tätigkeiten am Klinikum aufbereitet werden. Ohne funktionierenden Betrieb dieses Bereichs, könne ein Maximalversorger nicht arbeiten. Am vergangenen Mittwoch kam es jedoch zu einem Personalengpass, bedingt durch Krankheit oder Urlaub. Insgesamt 60 Prozent der Mitarbeitenden fehlten, "dies führte zu einer dramatischen Funktionseinbuße des Sterilisationsbereichs mit der Konsequenz, das gesamte OP-Programm zu stoppen und weitestgehend nur auf die Durchführung der absoluten Notversorgungseingriffe auszurichten", so Seeger. Risikoabwägung bedeute hier, dass eindeutig weniger Patientengefährdung zu erwarten sei, wenn in diesem Bereich unter Wahrung aller Schutzmaßnahmen symptomfreie Mitarbeitende mit Coronainfektion eingesetzt werden, als dass auf diese Maßnahme verzichtet werde mit hieraus resultierender Unterversorgung kritischer Patienten. 

Bis Mitte Juli erlaubte auch das Uniklinikum Frankfurt die Beschäftigung von Corona-Infizierten, aber arbeitsfähigen Mitarbeitenden, heißt es in einer Mitteilung des MB. Dies sorgte für Kritik, sodass die Geschäftsführung einlenkte: Mitarbeitende können mit einem negativen Selbsttest den Dienst antreten, vorausgesetzt sie haben sich zuvor fünf Tage isoliert und sind zwei Tage symptomfrei. Ein PCR-Test ist nicht mehr notwendig, berichtet die Hessenschau

Möglich macht das Vorgehen der "Erlass zur Aufrechterhaltung der Patientenversorgung in den hessischen Krankenhäusern bei quarantäne-/ bzw. isolationsbedingtem Personalausfall" der hessischen Landesregierung. Dieser Erlass erlaubt es, positiv getestetes Personal, das sich aber selbst für arbeitsfähig erklärt, einzusetzen. Gleichzeitig lege die aktuelle Coronabasisschutzmaßnahmenverordnung (CoBaSchuV §4 Abs. 3) vom 19. Juli fest, dass Beschäftigte in Krankenhäusern frühestens fünf Tage nach einem Infektionsnachweis mindestens einen negativen Antigenschnelltest vorlegen müssen, bevor sie wieder arbeiten.

Kritik an diesem Vorgehen äußert nun der Marburger Bund Hessen. "Und zum wiederholten Mal in der Pandemie lässt die Wertschätzung des Personals in den Krankenhäusern zu wünschen übrig", sagt Jörg Focke, Vorsitzender des MB-Bezirksverbands Gießen. In der Vergangenheit sei eine solche Ausnahmeregelung nur über eine entsprechende Sondergenehmigung des Gesundheitsamtes möglich gewesen. Die Bürde der Entscheidung werde nun auf den einzelnen Mitarbeiter abgewälzt, so Focke. Bereits seit Monaten würden alle Kollegen in den Kliniken vor Ort vor genau diesem aktuellen Personalengpass warnen. Der MB Hessen warnt zudem vor der Gefahr, dass Mitarbeitende Kollegen anstecken - etwa durch das Fehlen zusätzlicher Quarantäne-Pausenräume - und der Personalnotstand damit noch verschärft werde. "Das Festhalten an einer Isolationspflicht diene also nicht nur den Patienten-, sondern insbesondere auch dem Mitarbeiterschutz und somit auch den Schutz vor weiteren Personalausfällen", so der MB abschließend.

 

Autor

 Luisa-Maria Hollmig

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