Orientierungswert

Qualität braucht Wettbewerb

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Qualität braucht Wettbewerb

Eine gute Versorgung im Krankenhaus nur durch Mindestvorgaben in der Ausstattung erreichen zu wollen und von Routine durch Mindestfallzahlen auf eine hohe Versorgungsqualität zu schließen, reicht nicht aus. Darüber hinaus braucht es einen Qualitätswettbewerb zwischen den Krankenhäusern, der den Patientinnen und Patienten eine Wahlmöglichkeit zwischen unterschiedlichen Krankenhäusern in der Region gibt, wie die aktuelle „Sektorenuntersuchung der Krankenhäuser“ durch das Bundeskartellamt aufzeigt. 

Qualität braucht also Wettbewerb. Er ist notwendig, um innovative Versorgungsformen zu entwickeln, die Qualität der Leistungserbringung zu sichern und den Weg zu einer besseren medizinischen Qualität und zu mehr Effizienz zu ebnen. Krankenhausplanung muss daher auch Wettbewerbselemente sicherstellen. Auch hier zeigt der Bericht des Bundeskartellamtes sehr deutlich, dass langfristig Qualität den Patientenwunsch nach Wohnortnähe ersetzen wird.

Ein geeignetes Mittel, um den Qualitätswettbewerb zu fördern, können Qualitäts- und Selektivverträge sein. Vor allem die im DRG-System nicht berücksichtigte zeitintensive Betreuung vulnerabler Patientinnen und Patienten kann durch Qualitätsverträge gesichert und als Wettbewerbsinstrument weiterentwickelt werden.
Durch das Gesundheitsversorgungsweiterentwicklungsgesetz (GVWG) hat der Gesetzgeber bewusst dieses Instrument gestärkt. Das gesundheitspolitische Ziel ist klar: Versicherte sollen von verbesserten Leistungen profitieren, die aus einem qualitativen Versorgungswettbewerb hervorgehen. Deswegen wurden die Krankenkassen verbindlich zum Abschluss von Qualitätsverträgen verpflichtet sowie der G-BA beauftragt, weitere vier Leistungsbereiche für Qualitätsverträge zu benennen.

Dieses Maßnahmenbündel verändert das Wettbewerbsfeld für die Versorgungsqualität und sorgt für Wettbewerb unter den Leistungserbringern. Dadurch können Patientenbedürfnisse schon jetzt regional individuell berücksichtigt werden. 

Leider greifen Krankenhäuser bisher kaum auf diese Instrumente zurück. Nur rund 1,4 Prozent der stationären Krankenhäuser nutzen die Möglichkeit, über Selektiv- oder Versorgungsverträge individuelle Entgelte oder Zusatzentgelte mit den Krankenkassen zu verhandeln. Besondere Versorgungsformen, in denen Preiswettbewerb herrscht, machen weniger als ein Prozent des Gesamtumsatzes der an der jeweiligen Vertragsart beteiligten Krankenhäuser aus. Das aktuelle System muss daher nicht radikal umgebaut werden. Die vorhandenen Instrumente müssen nur stärker eingesetzt werden. 

Qualitäts- und Selektivverträge lösen natürlich nicht automatisch sämtliche Planungs- und Investitionsprobleme. Ein Krankenhaus mit einem Qualitätsvertrag hat jedoch gezielt die Möglichkeit, mehr und zuwendungsorientierter Patientinnen und Patienten zu versorgen. Hinzu kommt, dass diese Verträge auch gesundheitsökonomisch reizvoll sind, da sie keine Leistungsausweitung darstellen, sondern Patientinnen und Patienten zu einem besonders qualifizierten Leistungserbringer leiten. Folglich sollte dies Instrument auch in die weitere Krankenhausplanung einfließen und berücksichtigt werden.

 

Autor

 Christoph Radbruch

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