Kliniken können nach dem Stromausfall im Berliner Südwesten langsam aufatmen. Viele ältere Menschen oder Pflegebedürftige sitzen jedoch im Dunkeln oder in kalten Zimmern.
Einen Tag nach dem Stromausfall im Südwesten Berlins sind vier größere Krankenhäuser in dem Gebiet wieder am Netz. Das teilte Gesundheitssenatorin Ina Czyborra (SPD) mit. Es handelt sich demnach um das Helios Klinikum Emil von Behring, das Evangelische Krankenhaus Hubertus, das Krankenhaus Waldfriede und das Immanuel Kant Krankenhaus. "Der Anschluss des ebenfalls betroffenen Theodor Wenzel Werks sollte kurzfristig gelingen", so Czyborra.
Nach ihren Worten wurde eine im Raum stehende Evakuierung von Häusern und die Verlegung von Patientinnen und Patienten somit verhindert. Sie dankte den Kliniken Charité und Vivantes, die bei der Vorbereitung einer möglichen Verlegung unterstützt hätten.
Von dem Stromausfall sind laut Czyborra auch zahlreiche Pflegeeinrichtungen und pflegebedürftige Menschen in ihren Wohnungen betroffen. Der Senat sei in enger Abstimmung unter anderem mit der Feuerwehr, um diese Menschen notfalls in Pflegeeinrichtungen in anderen Stadtteilen zu verlegen, die freie Kapazitäten gemeldet hätten. Betroffen von dem Stromausfall, der auf einen Brandanschlag zurückgeht, sind die Stadtteile Nikolassee, Zehlendorf, Wannsee und Lichterfelde.
Hospizgäste aus Wannsee vorsorglich verlegt
Das Immanuel Krankenhaus Berlin stellte kurzfristig eine komplette Station bereit, um 13 Gäste des Diakonie Hospiz Wannsee aufzunehmen. "Wir sind froh über die Möglichkeit, nun auch weiterhin – wenn auch an einem anderen Ort – die uns anvertrauten Menschen begleiten zu können", sagte Pflegedienstleiterin Katja Krusche.
Die Verlegung wurde durch die Zusammenarbeit innerhalb der Immanuel Albertinen Diakonie und die Unterstützung der Feuerwehr ermöglicht. "Die Kolleginnen und Kollegen des Immanuel Krankenhauses sowie die Kräfte der Berliner Feuerwehr haben uns großartig unterstützt", erklärte Hospiz-Geschäftsführer Walther Seiler.
Notstrom griff in der Johannesstift Diakonie sofort
Lilian Rimkus, Leiterin Marketing und Kommunikation der Johannesstift Diakonie, schilderte die Lage in einem Beitrag auf LinkedIn: "Seit 6 Uhr morgens war der Strom weg – wie auch in der gesamten Region im Südwesten Berlins, die rund 45.000 Haushalte und über 2.000 Gewerbe umfasst. In beiden Krankenhäusern griff sofort der Notstrom, nach kurzer Zeit lief auch die Heizung wieder."
Besonders belastend sei der Ausfall der Festnetztelefonie und der Mobilfunknetze gewesen. "Man konnte niemanden erreichen, nicht um Hilfe rufen und auch nicht online nachlesen, wie die Lage ist", so Rimkus. Die gute Nachricht kam am Sonntagmorgen: Eine Strombrücke sei gelegt worden, die den Normalbetrieb ermöglichte. "In dem ganzen Wahnsinn läuft es dann eben doch gemeinsam, durch Anpacken, durch Nachbarschaft, engagierte Mitarbeitende, professionelle Feuerwehr und THW, einen fähigen Krisenstab und vor allem Hashtag#GutestunJedenTag."
dpa/cs

