Mindestmengen

Weniger Krankenhäuser dürfen Mindestmengen-relevante Behandlungen durchführen

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Weniger Krankenhäuser dürfen Mindestmengen-relevante Behandlungen durchführen
Male veterinarian picking up surgical tool from tray. Surgeon is preparing for surgery in operating room. He is in animal hospital. © GettyImages/Morsa Images

Im kommenden Jahr dürfen 1.075 Kliniken Mindestmengen-relevante Eingriffe vornehmen. Das sind 17 weniger als 2020. Die Zahlen hat die AOK in der Mindestmengen-Transparenzkarte veröffentlicht.

Unverändert bleibt nach Angaben der Kasse die Zahl der Standorte, die Lebertransplantionen durchführen dürfen. Mit insgesamt 21 Kliniken ist dieser Eingriff die Indikation mit den wenigsten beteiligten Kliniken. Einen Rückgang verzeichnet die Kasse bei den Eingriffen am Knie: Für das kommende Jahr haben 934 Standorte eine Abrechnungserlaubnis erhalten, 23 weniger als im Vorjahr. Die Corona-Pandemie soll hierbei berücksichtigt worden sein. Kliniken können laut AOK auch eine positive Prognose erhalten, wenn die notwendige Zahl von Operationen infolge der Absage planbarer Eingriffe durch die Pandemie nicht erbracht wurde. Hinzu kämen Krankenhäuser, die die OP-Berechtigung durch die Landesbehörde erhalten, um eine flächendeckende Versorgung zu gewährleisten. Die Transparenzkarte der AOK verdeutlicht, auf welcher Basis die Berechtigung erteilt wurde und welche Fallzahlen zuletzt erreicht wurden. 

Die Informationen in der Karte basieren auf aktuellen Entscheidungen der Krankenkassen für das kommende Jahr. Berücksichtigt sind sieben komplexe und planbare Behandlungen, für die es derzeit Mindestmengen gibt: Transplantationen von Leber, Niere und Stammzellen, komplexe Operationen an Speiseröhre und Bauchspeicheldrüse, Versorgung von Früh- und Neugeborenen mit einem Geburtsgewicht unter 1.250 Gramm sowie die Implantation künstlicher Kniegelenke. 

Mehr Mindestmengen gefordert

"Die Durchsetzung der Mindestmengen bleibt auch unter den neuen Rahmenbedingungen ein schwieriger Prozess", so AOK-Vorstand Martin Litsch. Seit 2019 müssen die Kliniken den Kassen im jeweligen Bundesland zur Jahresmitte eine Prognose über die OP-Zahlen im Folgejahr abgeben. Dürfen Kliniken bestimmte Eingriffe nicht mehr erbringen, sei das mitunter ein schmerzhafter Prozess. 2020 waren rund 70 Kliniken von einem Vergütungsausschluss betroffen, die Hälfte sei vor die Sozialgerichte gezogen. Neben der Erhöhung der Mindestmengen von Speiseröhren- und Bauchspeicheldrüseneingriffen fordert die AOK auch neue Mindestmengen für die Operationen bei Brustkrebs, Lungenkrebs, Darmkrebs,Herzklappen-Implantationen (TAVI) und Hüftprothesen-Implantationen. Der Gemeinsame Bundesausschuss hat im Juni die Beratungen für die TAVI-Eingriffe aufgenommen. Auch die Erhöhung der Mindestmengen für die Frühchen-Versorgung mit geringem Geburtsgewicht stehe kurz vor der Verabschiedung im G-BA. 

Auch Bundesgesundheitsminister Jens Spahn hat sich die Mindestmengen auf die Agenda geschrieben, zügig vorangegangen ist es jedoch nicht. Dabei gehe es ihm nicht ums Sparen, sondern um Patientensicherheit, betonte Spahn auf dem Krankenhausgipfel der DKG. Auch Fachgesellschaften wie die Deutsche-Schlaganfall-Gesellschaft, Experten wie Prof. Dr. Thomas Mansky oder der Verband der Ersatzkassen drängen auf mehr Mindestmengen.

Die DKG befürwortet die Einführung von Mindestmengen, allerdings sei die Festlegung eine einschneidende Maßnahme, gibt DKG-Präsident Dr. Gerald Gaß zu bedenken: im Hinblick auf die Freiheit der Berufsausübung, den Umfang des krankenhausplanerischen Versorgungsauftrags – und eben auch die wohnortnahe Versorgung. „Das Zusammenwirken verschiedener Qualitätsverbesserungsmaßnahmen ist effektiver als alleinig eine neue Mindestmenge einzuführen oder bestehende zu erhöhen. Den Missbrauch von Mindestmengen zu Strukturbereinigungszwecken als Ersatz für eine bedarfsgerechte Krankenhausplanung lehnt die DKG ab“, betont er.

Der neue f&w-Klinik-Stresstest zeigt, welche Auswirkungen dies auf die Versorgungslandschaft haben könnte.

Autor

 Luisa-Maria Hollmig

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