Private-Equity-Investment

Wichels: "Wir werden weiterhin unabhängig agieren"

  • News des Tages
Wichels: "Wir werden weiterhin unabhängig agieren"
Reinhard Wichels © Regina Sablotny

Die Private-Equity-Gesellschaft Nordic Capital steigt bei vier Unternehmensberatungen im Gesundheitswesen ein. Reinhard Wichels, Gründer und Geschäftsführer von WMC Healthcare, verrät im Interview, was er sich von dem Deal verspricht.

 

Herr Wichels, wie und warum kam es zu dem Deal mit Nordic Capital?  

In den vergangenen Jahren haben wir bei WMC unser Beratungsgeschäft konsequent ausgebaut und Hand-in-Hand dazu auch unsere digitalen Aktivitäten weiterentwickelt. Die Nachfrage nach Steuerungsinstrumenten für stationäre, aber auch für ambulante Einrichtungen ist in den vergangenen Monaten, auch beschleunigt durch die Corona Krise, geradezu explodiert. Daher haben wir uns entschieden diesen Bereich noch schneller als bisher auszubauen und als zweite Säule neben der Beratung zu etablieren.

Dafür brauchen Sie einen Investor?

Die Weiterentwicklung von funktionsfähigen IT-Lösungen im Gesundheitswesen ist komplex und verlangt ein tiefes Verständnis von Prozessen und Strukturen in diesem speziellen Bereich. Allerdings kann ein solches Vorhaben kostspielig werden. Deswegen haben wir einen Finanzierungspartner an Bord geholt, der uns in die Lage versetzt, ausreichend Ressourcen dafür einzusetzen und im Zweifel auch weitere Unternehmen anzubinden, die unser Leistungsspektrum ergänzen.

Bleiben die vier Beratungsunternehmen als eigenständige Unternehmen erhalten?

Diese Unternehmen werden auch weiterhin in bewährter Form am Markt tätig sein. Wir werden aber enger zusammenrücken und an einer gemeinsamen Produktwelt arbeiten. Dabei ergänzen sich die Unternehmen hervorragend, da wäre es eher kontraproduktiv, alles zu einem großen Unternehmen zu verschmelzen.

Was wird der Schwerpunkt bei der Weiterentwicklung der digitalen Angebote sein?

Unser Ziel ist es, unsere Klienten im stationären aber auch ambulanten Geschäft, in die Lage zu versetzen, innerhalb kürzester Zeit wichtige Kennzahlen zu erfassen, Problembereiche und Optimierungsbedarf frühzeitig zu erkennen. Und so Prozesse besser zu steuern. Aktuell dauert es viel zu lange, bis man die notwendigen Daten aus unterschiedlichen Systemen zusammen-getragen hat und noch länger, bis sie ausreichend analysiert sind. Wir entwickeln Real-time-Steuerungsinstrumente, welche die professionelle Steuerung von Unternehmen erheblich erleichtern. Die digitale Pflegedokumentation von KDD ist ein gutes Beispiel dafür: Dokumentationsprozesse werden automatisiert und Dokumentationsaufwand deutlich reduziert. Und der Nutzer bekommt eine Datenbasis, die auswertbar ist und so vieles messbar macht.

Wie viel Kapital bringt Nordic Capital ein?

Das sind wettbewerbsrelevante Informationen, dazu kann ich mich nicht äußern. Die Summe ist aber auch nicht fix. Es wird davon abhängig sein, wie sich Unternehmen und Kapitalbedarf entwickeln. Wenn es um den Ausbau von Programmierkapazitäten geht, brauchen wir keine Unsummen. Wenn wir hingegen Unternehmen finden, die zu uns passen, dann können gezielte Zukäufe Sinn machen. Insofern können wir heute noch nicht abschätzen, wie viele Mittel wir letztlich benötigen.

Wird Nordic Capital die Mehrheit an WMC übernehmen?

Auch das hängt davon ab, wie wir uns entwickeln und welches Kapital zu welchem Zeitpunkt benötigt wird. Zum Schluss ist nicht ausgeschlossen, dass der Finanzierungspartner eine Mehrheit hält.

Warum sind es ausgerechnet diese vier Beratungsunternehmen geworden?

Grundsätzlich passt es gut zusammen, wenn man das Verständnis von Prozessen und Strukturen aus den Beratungsunternehmen mit digitaler Produkt- und Entwicklungskompetenz kombiniert. Gleichzeitig hat sich die Zusammenarbeit der beteiligten Unternehmen bereits im Rahmen von Entwicklungspartnerschaften bewährt, so dass es für die Teams keine neue Situation ist.

Und warum haben Sie sich für Nordic Capital entschieden?

Gemeinsam haben wir nach einem Partner gesucht, der nicht nur Finanzmittel, sondern auch Kompetenz und Netzwerk einbringt, also jemanden, der uns auf mehreren Ebenen weiterhilft. Dabei haben wir deutlich gemacht, dass wir ein eigenständiges Unternehmen bleiben werden. Nach diesen Anforderungen haben wir ausgewählt.

Nordic Capital ist bereits im Gesundheitswesen aktiv, beispielsweise der Einkaufsgemeinschaft Prospitalia. Wird es auch hier Synergien geben?

Da gibt es sicher Anknüpfungspunkte und Synergien. Und sollte sich aus der Zusammenarbeit mit anderen Portfoliounternehmen ein Vorteil für unsere Kunden ergeben, dann ist dies für alle Beteiligten wünschenswert. Wichtig ist aber, dass wir weiterhin unabhängig agieren. Darauf legen wir Wert, das ist sichergestellt.

Die Rolle von Investoren ist im Gesundheitswesen nicht unumstritten. Inwiefern ist das Investment bei WMC auch als erster Schritt zu interpretieren, eines Tages selbst kränkelnde Kliniken zu übernehmen?

Der Fokus liegt auf dem Ausbau der digitalen Aktivitäten und der Weiterentwicklung unseres Beratungsangebots. Damit steht die Gruppe zukünftig auf zwei starken Beinen. Die Übernahme von Kliniken ist überhaupt kein Thema.  

Werden Sie und Ihr Team bei WMC bleiben?

Selbstverständlich. Mit diesem Schritt geben wir als Partner ein klares Statement ab, die Firma in den nächsten Jahren systematisch weiter zu entwickeln. Wir sehen hier eine große Chance für alle beteiligten Unternehmen. So empfindet das auch unsere Führungsmannschaft – unser Team ist hochmotiviert. Wir hätten keinen besseren Zeitpunkt für einen solchen Schritt finden können.

Autor

 Florian Albert

Abonnieren Sie unseren Newsletter

Mit unserem täglichen Newsletter informieren wir bereits rund 10.000 Empfänger über alle wichtigen Meldungen aus den Krankenhäusern und der Gesundheitsbranche



Kontakt zum Kundenservice

Rufen Sie an: 0 56 61 / 73 44-0
Mo - Fr 08:00 bis 17:00 Uhr

Senden Sie uns eine E-Mail:
info@bibliomedmanager.de

Häufige Fragen und Antworten finden Sie im Hilfe-Bereich