Krankenhaus-Report 2021

Wido veröffentlicht AOK-Zahlen zur zweiten Pandemiewelle

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Krankenhaus-Report der AOK 2021: Fallzahlveränderung nach Aufnahmemonat im Jahr 2020/2021 in Prozent
Krankenhaus-Report der AOK 2021: Fallzahlveränderung nach Aufnahmemonat im Jahr 2020/2021 in Prozent © Wido

Das Wissenschaftliche Institut der AOK (Wido) hat für den Krankenhaus-Report 2021 die Krankenhausfallzahlen in der zweiten Pandemiewelle untersucht. 86 Prozent der Covid-19-Fälle wurden demnach in rund 600 Kliniken behandelt. Eine alarmierende Zahl für die dritte Welle: Menschen im Alter zwischen 50 und 69 werden am längsten beatmet. 

Der Rückgang der Fallzahlen zwischen Oktober 2020 und Januar 2021 fiel trotz höherer Infektionszahlen in der zweiten Pandemiewelle zunächst geringer aus als im Frühjahr 2020. Ab Dezember lag der Rückgang mit Werten von mindestens 20 Prozent auf einem vergleichbaren Niveau wie in den Monaten März bis Mai 2020. Bei den planbaren Eingriffen waren laut Wido nach leichten Nachholeffekten im Sommer zuletzt wieder sinkende Fallzahlen zu verzeichnen. So sank beispielsweise die Zahl der Hüftprothesenimplantationen bei Arthrose im Zeitraum von Oktober 2020 bis Januar 2021 um 21 Prozent. Der Rückgang war jedoch bei Weitem nicht so stark ausgeprägt wie in der ersten Pandemiewelle. „Das hat vermutlich auch mit den geänderten Regelungen zur Freihaltung zu tun, die in der zweiten Pandemiewelle wesentlich differenzierter ausgestaltet waren“, sagt der Geschäftsführer des Wido, Jürgen Klauber.

Starker „Rückgang“ von Herzinfarkten und Schlaganfällen auch in der zweiten Welle

Ein anderes Bild zeigt sich bei den Notfallbehandlungen: Die Zahl der Herzinfarkt-Behandlungen sank zwischen Oktober 2020 und Januar 2021 um 13 Prozent und damit fast genauso stark wie in der ersten Pandemiewelle (minus 16 Prozent zwischen März und Mai 2020). Das Gleiche gilt für die Zahl der Schlaganfall-Behandlungen, die in der zweiten Pandemiewelle um 11 Prozent zurückgingen (erste Pandemiewelle: minus 12 Prozent). „Wiederholt haben Ärzte aus den Krankenhäusern darauf hingewiesen, dass Herzinfarkt-Patienten gehäuft verspätet und mit fortgeschrittener Schädigung des Herzens im Krankenhaus angekommen sind“, so Klauber.

Problematische Zahlen beim Darmkrebs

Starke Fallzahlrückgänge gab es auch bei Krebsoperationen. Bei der operativen Entfernung von Brustkrebs und Darmkrebs zeigten sich in der ersten Pandemiewelle Rückgänge von 10 beziehungsweise 17 Prozent. Während es bei den Brustkrebs-OPs in der zweiten Welle – wohl auch infolge der Wiederaufnahme des Mammographie-Screenings nach dem Ende der ersten Lockdowns – zu geringeren Fallzahlrückgängen gegenüber 2019 kam (minus 5 Prozent), waren diese bei Darmkrebs-OPs stärker ausgeprägt (minus 20 Prozent). „Hier gab es offenbar auch in der zweiten Pandemiewelle eine deutlich reduzierte ambulante Diagnostik“, resümiert Klauber. „Inwieweit bei den Koloskopien Patienten mit Beschwerden gezögert haben oder ob das Leistungsangebot aus Kapazitätsgründen reduziert wurde, können wir auf Basis der vorliegenden Daten allerdings nicht beantworten.“

Covid-Behandlung: Ein Drittel war jünger als 60

Die Auswertung der AOK-Abrechnungsdaten für die zweite Welle bestätigt eine Erkenntnis aus der ersten Welle: Männer sind deutlich häufiger von einem schweren Verlauf betroffen als Frauen. 66 Prozent der Patienten mit Beatmung waren Männer. 52 Prozent der stationär behandelten Covid-19-Patienten waren 70 Jahre oder älter. Ein Drittel der im Krankenhaus behandelten Covid-19-Patienten waren jünger als 60 Jahre – und immerhin rund ein Viertel der Beatmeten entfiel auf diese Altersgruppe.

Besorgniserregend für die dritte Welle: 50-69-Jährige werden am längsten beatmet

Die Beatmungsquote der mit Covid-19 im Krankenhaus behandelten Patienten steigt ab 50 Jahren deutlich an und liegt bei den 60- bis 79-Jährigen mit 22 Prozent am höchsten. Dabei werden bei den 50- bis 69-Jährigen mit durchschnittlich 16 Tagen die längsten Beatmungsdauern erreicht – gegenüber zehn Tagen bei Menschen ab 80 Jahren. „Die Zahlen verdeutlichen, dass sich die Intensivstationen angesichts steigender Infektionszahlen schnell mit Menschen mittleren Alters füllen können, die noch nicht geimpft sind“, so Klauber. 18 Prozent der Covid-19-Patienten sind während des Klinikaufenthaltes gestorben. Unter den beatmeten Patienten war die Mortalität mit 51 Prozent deutlich höher. Ausgewertet wurden für diese Zahlen die Daten von rund 52.000 AOK-versicherten Covid-19-Patienten, die von Februar bis November 2020 in den deutschen Kliniken behandelt worden sind. 

Zweite Welle: Die Hälfte der Kliniken behandelte 86 Prozent Fälle 

An der Versorgung der AOK-versicherten Patienten mit einer Covid-19-Erkrankung waren laut Wido von Februar bis November 2020 insgesamt rund 1.250 Krankenhäuser beteiligt. Rund die Hälfte dieser Häuser behandelten 86 Prozent der Covid-19-Fälle. Jedoch wurden auch 14 Prozent der stationär behandelten Covid-19-Fälle in mehr als 600 Kliniken behandelt, die zum Teil nur sehr kleine Fallzahlen aufwiesen. 18 Prozent der AOK-versicherten Covid-19-Fälle, die eine Beatmung benötigten, seien demnach in Kliniken mit unterdurchschnittlicher Beatmungserfahrung behandelt worden, so das Wido. Am anderen Ende des Spektrums wurden 59 Prozent der beatmeten Covid-19-Fälle in Krankenhäusern mit sehr viel Erfahrung behandelt. Dies waren in den meisten Fällen sehr große Kliniken mit durchschnittlich 731 Betten. „Wir wissen nicht, wie gut die Beatmungspatienten in den meist kleinen Häusern mit wenig Erfahrung im Einzelfall versorgt wurden. In den Zeiten der höchsten Auslastung mag es regional unvermeidbar gewesen sein, dass auch diese Kliniken an der Versorgung beteiligt waren“, so Klauber. 

Klauber weist auf die Verlegungsquote bei Covid-19-Patienten von 34 Prozent hin: Teils seien das Patienten die nach einer intensiven Beatmung zur Entwöhnung in kleinere Häuser verlegt würden, teils seien es aber auch Patienten, die von kleineren Häusern aufgenommen, dann aber zur Behanldung in größere Häuser weitergegeben würden. Der Wissenschaftler im Auftrag der AOK stellt klar: „Bei der Schwere des Krankheitsbildes Covid-19, das unterschiedliche Organe betreffen kann und häufig eine Beatmung erfordert, sollten möglichst direkt besonders geeignete Krankenhäuser mit erfahrenen Behandlungsteams angesteuert werden.“ Angebracht sind laut Klauber zentral gesteuerte Stufenpläne für die Versorgung. Damit schlägt er in eine Kerbe, in die Kassenvertreter seit langem hauen – unter anderem AOK-Chef Martin Litsch

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