Ex-Vivantes-Chefin Andrea Grebe

"Wir Frauen müssen Flagge zeigen"

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"Wir Frauen müssen Flagge zeigen"
Andrea Grebe © Privat

Dr. Andrea Grebe hat Ende Oktober ihren Job als Vivantes-Chefin an den Nagel gehängt. Im Interview erklärt die Topmanagerin, warum sie sich für den Posten als DKG-Präsidentin beworben hat und wie die Arbeit im Expertenbeirat läuft, für den sie nach einem kurzen Disput innerhalb der DKG nachnominiert wurde. 


Frau Grebe, Sie verlassen Vivantes nach sieben Jahren an der Spitze – was bedeutet dieser Schritt für Sie persönlich?
Das ist schon emotional, da ich mich auf eine ganz besondere Art und Weise mit Vivantes – ich sage und denke ‧immer noch „unserem“ Unternehmen – verbunden fühle. Ich war zu Beginn der Gründung, also des Zusammenschlusses der ehemaligen bezirklichen Häuser Anfang der 2000er-Jahre, dabei und habe die Höhen und Tiefen miterlebt. Für mich sind und waren die Begegnungen und der Austausch mit den Menschen Antrieb und Motor. Auch oder gerade in kritischen Lagen, die wir immer wieder gemeistert haben. Das werde ich sicher vermissen, bleibe aber Vivantes immer verbunden. Veränderungen gehören aber zum Leben und ich bin gespannt und neugierig auf das, was kommt.

Im Expertenrat des Gesundheitsministers war von Krankenhausseite ursprünglich keine Frau vorgesehen. Das hat zu einer Diskussion geführt, an deren Ende Sie als Krankenhausvertreterin nominiert wurden. Wie sind Sie denn genau auf die Liste gekommen?
In der Berliner Krankenhausgesellschaft war ich jahrelang stellvertretende Vorsitzende und wurde nach dieser Diskussion seitens der DKG aufgestellt, sodass wir die Vielfalt doch noch ganz gut abgebildet haben.

Im Expertenbeirat prallen gegensätzliche Interessen aufeinander, trotzdem liefert das Gremium relativ schnell Ergebnisse. Wie würden Sie die Arbeitsatmosphäre beschreiben?
Als durchweg sachlich und konstruktiv und sich der Ernsthaftigkeit der Lage bewusst. Auch mit den beiden externen Experten, die mit dem Blick von außen und vor allem mit datengetriebenen Analysen unterstützen. Ein gutes Beispiel, dass es abseits der üblichen gepflegten Feindbilder und Stereotypien doch gehen kann – trotz systemimmanenter unterschiedlicher Positionen. 

Dem Vernehmen nach haben Sie sich auch auf den Präsidentenposten der Deutschen Krankenhaus‧gesellschaft (DKG) beworben. Was hat Sie dazu bewogen?
Mein Landesverband hat mich gefragt, ob ich für dieses Ehrenamt zur Verfügung stehen würde, was mich sehr gefreut hat. Ich habe dies bejaht und kandidiert. Denn wir haben im Klinikwesen überproportional viele Frauen in Führungspositionen, aber das spiegelt die Verbandsebene nicht wider – da ist also noch viel Luft nach oben. Hier müssen wir Frauen Flagge zeigen. 

Wie erklären Sie sich diesen Mangel an Frauen in den Krankenhausgesellschaften?
Das ist gerade im Gesundheitswesen mit über 70 Prozent Frauen und durchaus auch in Führungspositionen nicht zu verstehen und zeugt davon, dass noch viel zu tun ist. Aktuell findet ja gerade auch eine politische Auseinandersetzung über Quoten in DAX-Vorständen statt. Interessant, wer da welche Position bezieht. Ich halte diese Entwicklung für die Zukunftsfähigkeit auch und gerade von Verbänden für überlebenswichtig und werde mich auch weiterhin dafür einsetzen und soweit möglich unterstützen. Hier geht es nicht um „Gendergedöns“, sondern um innovative, erfolgreiche diverse Führungsstrukturen.

Das komplette Interview mit Andrea Grebe lesen Sie in der neuen f&w (Dezember 2020)

Dr. Andrea Grebe (s. auch Porträt aus f&w 9/2019) war sieben Jahre Chefin des Berliner Klinikunternehmens Vivantes und ist im Oktober auf eigenen Wunsch gegangen. Die 59-Jährige gehörte damit zwei Jahrzehnte zu den Topmanagern der Klinikbranche. Bevor sie 2012 den Chefposten bei Vivantes mit seinen 17.000 Mitarbeitern einnahm, war sie Kaufmännische Direktorin des Klinikums Ludwigsburg und davor bereits Managerin bei Vivantes. Die gelernte Ärztin sitzt seit über sieben Jahren im Vorstand der Berliner Krankenhausgesellschaft und ist seit April Mitglied im Expertenbeirat. Das Gremium handelt den Rettungsschirm für Kliniken aus und ist mit Vertretern von Kliniken und Kassen, des Gesundheitsministeriums und zwei Wissenschaftlern besetzt.

Auf dem 20. DRG-Forum am 18. und 19. März 2021 moderiert Andrea Grebe die Session "Lehren aus Corona: Wie kann sich Deutschland sinnvoll auf die nächste Pandemie vorbereiten?"

Autor

 Jens Mau

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