MD-Statistik

Zahl der Behandlungsfehler auf gleichem Niveau

  • Patientensicherheit
Zahl der Behandlungsfehler auf gleichem Niveau
© GettyImages/ake1150sb

Von 14.042 fachärztlichen Gutachten zu möglichen Behandlungsfehlern wurde in jedem vierten geprüften Fall ein Fehler bestätigt. Das geht aus der aktuellen Begutachtungsstatistik hervor, die der Medizinische Dienst (MD) vorgestellt hat. 

Mit etwa 14.000 Fällen liegt die Gesamtzahl der ärztlichen Gutachten zu Behandlungsfehlervorwürfen seit Jahren auf einem gleichbleibenden Niveau. In 4.099 Fällen bestätigte der MD einen Fehler und in 3.550 Fällen einen Fehler mit Schaden. In 2.862 Fällen stellten die Gutachter fest, dass der Fehler die Ursache des Schadens war. 

Zwei Drittel der Vorwürfe bzeieht sich auf die stationäre Versorgung (9.292 Fälle), ein Drittel auf Arztpraxen (4.723 Fälle). Wie die leitende Ärztin des MD Bayern, Prof. Dr. Astrid Zobel, erläutert, würden sich die meisten Vorwürfe auf operative Eingriffe beziehen. So betreffen knapp 31 Prozent der Vorwürfe die Orthopädie und Unfallchirurgie, 12 Prozent die Innere Medizin und Allgemeinmedizin. "Eine Häufung von Vorwürfen in einem Fachgebiet sagt nichts über die Fehlerquote oder die Sicherheit in dem jeweiligen Fachgebiet aus", so Zobel. Vielmehr sagen die Häufungen etwas darüber aus, wie die Patienten die Behandlungen erleben. So sind Fehler bei chirurgischen Eingriffen für die Betroffenen meist leichter erkennbar als etwa Medikationsfehler auf der Intensivstation. Die Fehler betreffen die unterschiedlichsten Behandlungen und reichen von Knie- und Hüftgelenksimplantationen über Zahnentfernungen bis hin zu Operationen am Grauen Star.

Nur die Spitze des Eisbergs

Die Zahlen seien nicht repräsentativ, sondern würden lediglich die Begutachtungsergebnisse zeigen, so der MD. "Die Zahlen spiegeln nur einen kleinen Ausschnitt der tatsächlich geschehenen Fehler wider", sagt Dr. med Stefan Gronemeyer, Geschäftsführer des MDS. Man wolle den Fokus auf Patientensicherheit lenken: "Hier hat es in den vergangenen jahren keine substanziellen Weiterentwicklungen und keine gesetzlichen Initiativen gegeben. Und dies, obwohl vermeidbare unerwünschte Ereignisse und Behandlungsfehler für eine große Zahl von Betroffenen immer wieder ein gravierendes Problem darstellen", so seine Kritik. Die öffentlich genannten Fallzahlen würden vielleicht suggerieren, dass es sich um ein Randproblem handele. Jedoch würden nur etwa drei Prozent der vermeidbaren 'unerwünschten Ereignisse' nachverfolgt werden. "Wir sehen also immer nur die Spitze des Eisbergs", sagt Gronemeyer in einem Statement. An einer hohen Dunkelziffer bestehe kein Zweifel. Die unerwünschten Ereignisse, die schwere Schädigungen verursachen können, müssen reduziert werden. Dazu würden Patienten- und Seitenverwechslungen, Medikationsfehler oder zurückgebliebene Fremdkörper nach Operationen gehören. Diese sogenannten 'Never Events' - schwerwiegende, aber sicher vermeidbare Fehler - sind für das Erkennen, Umsetzen und Bewerten von Sicherheitsmaßnahmen von großer Bedeutung. Der MD fordert, dass diese verpflichtend gemeldet, analysiert und für die Entwicklung von Präventionsmaßnahmen genutzt werden. Auch die WHO forderte die Mitgliedssaaten bereits dazu auf. Im September erklärte die Weltgesundheitsorganisation die Patientensicherheit zum prioritären Gesundheitsziel. Bis 2030 sollen 90 Prozent aller Mitgliedsstaaten ein System zur Meldung von Never Events eingeführt haben.

DKG: Patientensicherheit ist oberste Leitschnur

Für die Deutsche Krankenhausgesellschaft ist die geringe Quote das Ergebnis guter Arbeit in den Kliniken und der seit Jahren immer weiter optimierten Fehlervermeidung und Risikominimierung. Der MDS käme bei rund 2.800 Gutachten zu dem Ergebnis, dass es Fehler gegeben habe, die ursächlich für einen Schaden waren. Diese Fehler sind aber nicht gerichtlich bestätigt, so die DKG. Krankenhäuser seien verpflichtet, einen Beauftragten für das Risikomanagement zu bennen und ein Fehlermeldesystem vorzuhalten. Mitarbeitende könnten anonym und sanktionsfrei Fehler melden, um die Behandlungsqualität weiter zu verbessern. 

Pro Jahr werden 20 Millionen stationäre und 21 Millionen ambulante Fälle in den Krankenhäusern behandelt.

Autor

 Luisa-Maria Hollmig

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