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Zeit für den Zuwendungsindex in der klinischen Versorgung

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Zeit für den Zuwendungsindex in der klinischen Versorgung

Die Corona-Pandemie hat die Auswirkungen des strukturellen Personalmangels in der Pflege beschleunigt. Laut einer Umfrage der Deutschen Krankenhausgesellschaft können dadurch zum Beispiel 86 Prozent der Krankenhäuser ihre volle Intensivkapazität nicht nutzen. Mittel- bis langfristig ist dieser Trend nur durch eins umzukehren: Arbeitsbedingungen, die dazu führen, dass Pflegekräfte im Beruf bleiben, in den Beruf zurückkehren und Teilzeitstellen aufstocken. Dafür müssen die Pflegepersonalzahlen am tatsächlichen Pflegebedarf ausgerichtet sein und Gehälter gezahlt werden, die der hohen Verantwortung und Qualifikation angemessen sind. Doch das allein reicht nicht. Auch die weichen Faktoren für gute Arbeitsbedingungen wie Gestaltungsmöglichkeiten, ein gutes Betriebsklima und Wertschätzung müssen zu den Erwartungen der Mitarbeitenden passen. 

Beschäftigte im Krankenhaus haben nicht nur mehr krankheitsbedingte Fehltage als andere Berufsgruppen, diese gehen auch häufiger auf posttraumatische Belastungsstörungen (PTBS) oder depressive Belastungsstörungen zurück. Die Herausforderungen der Corona-Pandemie haben das Risiko für psychische Symptome wie Depression, Angst, Schlaflosigkeit, arbeitsassoziierten Stress oder eine PTBS weiter erhöht. Der Wechsel von einer patient:innenzentrierten Praxis hin zu einer Medizin, die aufgrund der Pandemie den Infektionsschutz in den Mittelpunkt rückt, belastet besonders die Mitarbeitenden auf den Stationen. Die Kommunikation mit den Patient:innen ist erschwert und durch die starke Reduzierung der Besuche ist die Unterstützung durch Angehörige eingeschränkt oder entfällt ganz. Gibt es keine verbindlichen Vorgaben, führt die Entscheidung, ob ein Besuch von Angehörigen stattfinden kann, oftmals zu moralischem Stress für die Mitarbeitenden.

Psychosoziale Angebote wie zum Beispiel die in den evangelischen Krankenhäusern in Oberhausen und Mülheim eingeführten strukturierten fünfzehnminütigen Entlastungsrunden am Schichtende können eine Hilfe sein. Grundlegender setzt ein Zuwendungsindex an, wie ihn der Deutsche Evangelische Krankenhausverband fordert. Für Mitarbeitende im Krankenhaus ist die Möglichkeit, Zuwendung zu zeigen, wichtig. Oftmals war dieser zwischenmenschliche Aspekt ein Grund, einen Beruf in der Medizin oder Pflege zu wählen. Und nur wenn Ärzt:innen und Pflegende die Motive und Bedürfnisse der Patient:innen kennen, können sie die bestmögliche Therapie und Pflege für jede:n Einzelne:n umsetzen. Doch professionelle Zuwendung kostet Zeit, die in der stark technisierten Medizin nicht anerkannt wird. Daher ist es notwendig, die professionelle Zuwendung im Krankenhaus so zu beschreiben, dass sie zu den evidenzbasierten Qualitätskriterien passt. Ein noch zu entwickelnder Zuwendungsindex könnte dies leisten und dazu ermöglichen, dass die für Zuwendung benötigte Zeit finanziert wird. Zugleich trüge er dazu bei, die Arbeitsqualität und Arbeitszufriedenheit der Beschäftigten im Krankenhaus nachhaltig zu verbessern. 
 

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