Entwicklung 2009 bis 2020

ZI präsentiert Zahlen zur ambulanten Notfallversorgung

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ZI präsentiert Zahlen zur ambulanten Notfallversorgung
© iStock.com/sturti

Die Zahl der an Krankenhäusern ambulant behandelten Notfallpatienten ist seit 2016 rückläufig. Das unterstreicht eine Analyse des Zentralinstituts der Kassenärzte (ZI). Waren es 2016 noch 10,67 Millionen Behandlungsfälle, ist diese Zahl bis 2019 auf 10,27 Millionen zurückgegangen. Gleichzeitig stiegen die durch niedergelassene Ärzte behandelten ambulanten Notfälle von 8,76 Millionen im Jahr 2016 auf 9,05 Millionen Fälle 2018 um rund 290.000 Fälle an. 2019 gab diese Zahl wieder leicht nach auf insgesamt 8,82 Millionen Behandlungsfälle. 

13 Prozent weniger Fälle im Covid-Jahr

Die Gesamtzahl ambulanter Notfälle in Krankenhäusern und im ärztlichen Bereitschaftsdienst ist von 18,3 Millionen Fällen 2009 auf 19,5 Millionen Fälle 2018 stufenförmig angestiegen, vor allem nachdem 2012 die Praxisgebühr gestrichen wurde. Von 2018 auf 2019 haben die Gesamtfallzahlen dann auf 19 Millionen ambulante Notfälle pro Jahr nachgegeben. Der Fallzahlrückgang verstärkt sich im Covid-19-Pandemiejahr 2020 noch weiter. So ist in den ersten drei Quartal 2020 ein Rückgang an ambulanten Notfällen von minus 13 Prozent im Vergleich zum Vorjahr zu beobachten. 

Die Fallzahlen sind ein Politikum. Die von Minister Jens Spahns Vorgänger angestoßene Reform der ambulanten Notfallversorgung im Krankenhaus ist in dieser Legislaturperiode krachend gescheitert. Kassenärzte, Kliniken, Bundesländer und der Bund streiten um Zuständigkeiten. Die groß angekündigte Reform des Gesundheitsministers ist auf ein Minireform geschrumpft

Kampange für die Nummer 

Die gestiegenen Fallzahlen bei den Kassenärzten ab 2016 sind auch darauf zurückzuführen, dass die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) die Notfallnummer „116 117“ stärker in der Öffentlichkeit beworben hat. Dies geschah unter erheblichem Druck der Politik. Denn die Kassenärzte haben zwar den Versorgungsauftrag für die ambulante Notfallversorgung, die Mehrheit der Fälle laufen aber in Kliniken auf – auch weil viele Ärzte keine Lust haben, an Wochenenden oder nach Dienstschluss Notfallbehandlungen anzubieten. 

Kliniken und die Hospitalisierungsquote

Auf der anderen Seite haben auch die Kliniken ein Interesse an ambulanter Notfallbehandlung: Zwar werden die Behandlungen mit weniger als 40 Euro von der KBV vergütet – aber die Notfallambulanzen sind ein Eingangstor durch das viele Patienten kommen, die dann auch stationär im Krankenhaus behandelt werden. Die Hospitalisierungsquote von Notfällen ist in Deutschland höher als in den meisten anderen Ländern. Das wiederum sorgt für Kritik an den Kliniken. 

Wer in der ambulanten Notfallversorgung aus welcher Motivation wie viel leistet und wer in Zukunft den Hut aufhaben soll – darüber wird (derzeit ohne Ende) gestritten. 
 

Autor

 Jens Mau

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