799
Passwort vergessen

Artikeldetailseite (ohne Heftzuweisung)

Orientierungswert: Professor Andreas Beivers

Kliniksozialdienst: Das unterschätzte Potenzial

Kliniksozialdienst: Das unterschätzte Potenzial

  • Orientierungswerte
  • 23.08.2017

Prof. Dr. Andreas Beivers Studiendekan für Gesundheitsökonomie an der Hochschule Fresenius in München

Die Patienten verändern sich – in ihrem Anspruchsverhalten, aber auch in ihrer Morbidität und ihrem sozioökonomischen Background. Das ist keine Neuigkeit und führt in den Krankenhäusern bekanntermaßen zu einer Reihe von Problemen und (prozessualen) Veränderungen, auf die sie schon heute reagieren müssen. Immer häufiger kommt es vor, dass Patienten zwar aus klinischer Sicht entlassbar wären, ihre individuelle Situation dies jedoch nicht zulässt. Diese sogenannte „Soziale Indikation“ führt in so mancher Klinik am Ende des Behandlungsprozesses dazu, dass die Fallpauschalenfinanzierung die wahren Kosten nicht tragen kann. Nicht zuletzt deswegen hat sich der Gesetzgeber im Rahmen des GKV-Versorgungsstärkungsgesetzes dem Entlassmanagement angenommen, um Versorgungslücken nach der stationären Behandlung besser schließen zu können. Krankenhäuser dürfen daher nun Patienten bei Entlassung für einen Zeitraum von bis zu sieben Tagen häusliche Krankenpflege, Heilmittel, Hilfsmittel und Soziotherapie verordnen sowie eine Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung ausstellen. Auch ist es Krankenhausärzten nun möglich, Arzneimittel zu verordnen.

Fachartikel aus der August-Ausgabe von f&w:
Entlassmanagement: Was der Gesetzgeber fordert und wie Kliniken die neuen Pflichten umsetzen können
Artikel als Abonnent lesen | Artikel als Gast kaufen

Dies sind zwar wichtige Schritte hin zu einem besseren Entlassmanagement, jedoch sind sie nur ein Kratzen an der Oberfläche angesichts des Tätigkeitsspektrums der Sozialdienste - zumeist Sozialpädagogen - in den Kliniken. Diese kümmern sich sowohl um die psychosozialen Dimensionen der Patientenversorgung innerhalb des Krankenhauses und organisieren von dort aus vor allem auch die Nachsorge und müssen somit interdisziplinär mit Ärzten, Pflegekräften, Physiotherapeuten, Stationsassistenten, DRG-Beauftragten und vielen weiteren Berufsgruppen aus den verschiedenen Sektoren des Gesundheitswesens zusammenarbeiten. Sie sind zentraler Teil eines ganzheitlichen Entlass- und damit Casemanagements. Durch ihre Entscheidungen und Entscheidungshilfen, beispielsweise bei der Suche nach Rehabilitationsplätzen oder für eine pflegerische Nachsorge, haben sie einen signifikanten Einfluss auf die Versorgung. Dies findet aber in der gesundheitsökonomischen Diskussion bis dato noch wenig Bedeutung, obgleich Ein- und Zuweisermanagement sonst zentrale Themen sind.

Soll also der Fokus stärker auf dem Entlassmanagement liegen, ist insbesondere darüber nachzudenken, wie die Kliniksozialdienste stärker in die gesundheitspolitische wie -ökonomische Debatte einzubinden sind und unter anderem mit den dortigen Fachgesellschaften, wie der DVSG (Deutsche Vereinigung für Soziale Arbeit im Gesundheitswesen) in den fachlichen Austausch treten können. Dies könnte helfen, das bis dato von den Gesundheitsökonomen scheinbar unterschätzte Potenzial des Entlassmanagements zu heben und die Versorgung über die Sektorengrenzen hinweg nachhaltig zu verbessern.

Autor

Kontakt zum Kundenservice

Rufen Sie an: 0 56 61 / 73 44-0
Mo - Fr 08:00 bis 17:00 Uhr

Senden Sie uns eine E-Mail:
info@bibliomedmanager.de

Häufige Fragen und Antworten finden Sie im Hilfe-Bereich