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Ergebnisqualität in Reha-Kliniken

Pilotprojekt Transparenz

Pilotprojekt Transparenz

  • f&w
  • Reha
  • 02.05.2018

f&w

Ausgabe 5/2018

Seite 464

Patienten wollen wissen, ob und wie Reha wirkt. Mehrere große Kliniken starteten gemeinsam mit der Plattform Qualitätskliniken.de ein Pilotprojekt zur Messung und Darstellung der Ergebnisqualität. Diese Transparenz erfordert nicht nur Mut, sondern auch die Erhebung vergleichbarer Daten.

Unterschiedliche Tools und Assessments im klinischen Alltag ermöglichen zwar eine Aussage darüber, ob und inwiefern Reha wirkt, machen den Vergleich der Ergebnisqualität von Kliniken jedoch nahezu unmöglich. Patienten fordern aber Vergleichbarkeit; sie möchten sich im Bedarfsfall schnell orientieren und ihre Entscheidung für eine Klinik an konkreten, messbaren Parametern festmachen. Die Plattform Qualitätskliniken.de ermöglicht Patienten bereits seit 2010 Orientierung bei der Klinikwahl – sei es bei der Wahl eines Akutkrankenhauses oder einer Rehabilitationsklinik. Ein Pilotprojekt einer Expertengruppe hat sich das Ziel gesetzt, einen Vorschlag zur quantitativen und qualitativen Ergebnismessung in der Orthopädischen Reha zu formulieren.

Transparenz wird mittels vier Qualitätsdimensionen – der Patientenzufriedenheit, der Patientensicherheit, der Organisationsqualität und der Behandlungsqualität – geschaffen. Der Nutzer der Plattform wird dazu befähigt, eine Entscheidung zu treffen, die sich auf unabhängige Daten stützt. Eine Arbeitsgruppe (Textkasten „Zusammensetzung der Pilot-Arbeitsgruppe“) aus Experten unterschiedlicher Mitgliedseinrichtungen arbeitet aktuell an der fachbereichsbezogenen Ergänzung der bestehenden Qualitätsdimension „Behandlungsqualität“ um Ergebnisindikatoren. Die Dimension Behandlungsqualität umfasst derzeit seitens der Deutschen Rentenversicherung und der gesetzlichen Krankenversicherungen erhobene Qualitätssicherungsfaktoren, denen – im Anschluss an die Pilotphase – Indikatoren hinzugefügt werden sollen, die Aufschluss über die Ergebnisqualität geben. Die Pilotphase bezieht sich auf das Fachgebiet der Orthopädie. Ziel ist, eine quantitative und qualitative Ergebnismessung in der Orthopädischen Rehabilitation (Hüftgelenksersatz/Rückenschmerz) auszuarbeiten.

Zusammensetzung der Pilot-Arbeitsgruppe

  • Asklepios Kliniken
  • Helios Kliniken
  • Mediclin
  • Passauer Wolf Reha Hotelkliniken
  • RehaZentren Baden-Württemberg
  • St. Josef-Stift Sendenhorst Sana Kliniken
  • Waldburg-Zeil Kliniken

 

Erhebung vergleichbarer Daten

Für die Pilotphase einigte man sich auf Basis-Assessments, etwa den modifizierten Staffelstein Knie und Hüfte, den Oswestry Disability Index (ODI) und fakultativ den Dash Schulter-Score. Der Fokus liegt dabei auf bestehenden und frei verfügbaren Instrumenten. Die Praktikabilität der Assessments bleibt bei der Auswahl im Blick. So wird unter anderem darauf geachtet, dass der Aufwand für die Dokumentation möglichst gering ist, ein Matching mit Therapie- und Reha-Zielen möglich ist und die Aufbereitung der Ergebnisse so erfolgt, dass die Daten unmittelbar verwertbar sind. Die Datenerhebung erfolgt im Stichprobenverfahren, bei dem Aufnahme- und Entlasswerte von Patienten, die die Einschlusskriterien erfüllen, dokumentiert werden. Die sechsmonatige Pilot-Erhebung erfolgt erstmalig im zweiten Quartal 2018. Im Regelbetrieb soll die Erhebung für alle Mitglieder jährlich zeitgleich zu einem festzulegenden Zeitpunkt stattfinden und maximal sechs Monate andauern. Zur Datenbereitstellung können die Mitwirkenden ihre Daten aus den klinikeigenen Informationssystemen abrufen oder direkt in ein webbasiertes Tool eintragen. Neben der Datenerhebung gilt es – im Rahmen der Pilotphase –, auch den Evidenzgrad einzustufen sowie Kriterien zur Risikoadjustierung und die Möglichkeiten der elektronischen Datenübermittlung mitzudenken.

Benchmarking ohne klinischen Mehraufwand

Am Beispiel des Assessments „modifizierter Staffelstein Hüfte“ zeigt sich in den Einrichtungen der Passauer Wolf Reha Hotelkliniken, dass Informationen in Standarddatensätzen, die bei Aufnahme oder Entlassung erfasst werden, überwiegend ohnehin bereits vorhanden sind. Die Datensätze können über die elektronische Patientenakte zusammengeführt und für den Vergleich im Portal zur Verfügung gestellt werden. Ohne klinischen Mehraufwand steht die Basis für ein bundesweites Benchmarking mit anderen Kliniken zur Verfügung und ermöglicht es, Patienten umfassend über die Behandlungsqualität zu informieren. Aus den erhobenen und an Qualitätskliniken.de übermittelten Daten wird ein Punktwert generiert, der nicht nur im Portal veröffentlicht wird, sondern auch Therapeuten und Ärzten bei jedem Patientenkontakt zur Verfügung steht.

Spannungsfelder und Perspektiven

Bei allen Daten, die erfasst werden, sollte die Frage „Welchen Stellenwert besitzen Patient Reportet Outcomes (PRO), die am Entlasstag erhoben werden und die Kontextfaktoren des einzelnen Patienten nicht berücksichtigen (können)?“ mitschwingen, um kritisch hinterfragen zu können, welche Ziele im Vordergrund stehen und ob diese Ziele dem Patientenwohl dienlich sind.

Mit der Datenerhebung und der damit verbundenen Herstellung von Vergleichbarkeit macht man sich grundsätzlich angreifbar. Transparenz erfordert Mut. Dessen müssen mitwirkende sich bewusst sein. Ist die Entscheidung, sich als Klinik einem öffentlichen Benchmark zu stellen, Ansporn zur Einleitung von Veränderungen, die sich positiv auf die Qualität der jeweiligen Dimension auswirken, profitieren allerdings Patient und Klinik. Auch innerbetriebliche Effekte sind denkbar. Die Ergebnisse der einzelnen Fachbereiche bilden die Basis für klinikinterne Analysen und Wirksamkeitsüberprüfungen.

Im Fokus steht, wie das vom Patienten gewünschte Reha-Ergebnis mit den bestehenden klinischen Rahmenbedingungen deckungsgleich sein kann.

Qualität ist natürlich nicht nur für Patienten ein Kriterium für die Klinikwahl. Auch Kostenträger könnten den Daten zukünftig mehr Bedeutung beimessen. Könnte die Ergebnisqualität ein Steuerungselement der Kostenträger sein, das heißt entscheidend dafür, ob einer Klinik Patienten zugewiesen werden oder nicht? Denkbar!

Der Blick auf die Ergebnismessung hat sich verändert. Während in den 1940er-/-50er-Jahren ausschließlich der Arzt darüber entschied, ob ein Ergebnis gut oder schlecht ist, weitete sich der Kreis der Entscheider von der reinen Arztzentrierung auf Health Professionals aus. Später setzte man stark auf die evidenzorientierte Leistungserbringung, also verschmolzen individuelle Expertise und externe Evidenz. Heute kommt Betroffenen in der Gesundheitsversorgung und der Bewertung derer eine entscheidende Rolle zu. Patienten beurteilen auf Dutzenden Bewertungsportalen nicht nur Kliniken, sondern auch Ärzte. Betroffene und Angehörige können sich aktiv einbringen und ihr Behandlungsergebnis anhand ihrer subjektiv festgelegten Kriterien bewerten. Darauf müssen sich Anbieter im Gesundheitswesen einstellen. Umso wichtiger, dass Portale wie Qualitätskliniken.de Objektivität, Transparenz und Unabhängigkeit wahren und damit subjektiven Bewertungen objektive gegenüberstellen.

 

Die Passauer Wolf Reha Hotelkliniken betreiben zehn Kliniken in Bad Griesbach, Bad Gögging, Nittenau und Ingolstadt. Dort werden im Jahr 20.000 Patienten und Gäste untergebracht. Zur Kernkompetenz zählen die stationäre und ambulante Rehabilitation. Das Unternehmen ist Mitinitiator von 4QD (www.qualitätskliniken.de), einem Onlineportal für Krankenhäuser und Reha-Kliniken.

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