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Arzneimitteltherapiesicherheit

Apotheker als Brückenbauer

Apotheker als Brückenbauer

  • f&w
  • Strategie
  • 01.09.2016

Stationsapotheker helfen, die Arzneimitteltherapie- und Patientensicherheit zu erhöhen und so direkte wie indirekte Kosten einzusparen. Unsere Autoren zeigen anhand zweier etablierter Modelle aus der Praxis, wie sie auf den Stationen integriert werden können. Eine einheitliche, klinikweite elektronische Patientenakte eröffnet dabei neue Möglichkeiten.

Schon seit Jahren übernehmen Krankenhausapotheken die medikamentöse Versorgung ihrer zugehörigen Klinik und Stationen, indem sie diese unter anderem mit Fertigarzneimitteln oder individuell hergestellten Arzneimitteln (von der Salbe bis hin zu intravenösen Krebstherapeutika) beliefern. Seit einigen Jahren erweitert sich das Spektrum der Arbeit des Krankenhausapothekers hin zu vermehrter, direkter Arbeit auf Station und Beratung am Patientenbett. Die sogenannten Stationsapotheker unterstützen die dortige Arbeit von Ärzten und Pflegekräften bei der Arzneimitteltherapie der Patienten und haben in den vergangenen Jahren immer stärker an Bedeutung gewonnen. Dies liegt auch an der gestiegenen Zahl von Berichten, die einen positiven Nutzen der Arbeit des Apothekers auf Station beschreiben. Dieser Nutzen äußert sich insbesondere im optimierten Arzneimitteleinsatz, der wiederum die Arzneimitteltherapie- und damit Patientensicherheit erhöht und so direkte wie indirekte Kosten einsparen kann.

Es gibt verschiedene Möglichkeiten, Stationsapotheker in die Arbeit und Organisation von Kliniken und Stationen einzubinden. Die Beispiele der Unikliniken Heidelberg und Hamburg-Eppendorf zeigen zwei Möglichkeiten auf, eine für den jeweiligen Standort passende Lösung zu etablieren:

Das Modell Heidelberg

An der Uniklinik Heidelberg übernehmen Stationsapotheker neben der Tätigkeit auf Station auch Aufgaben, die der direkten Arzneimittelversorgung der Patienten zuzuordnen sind. So sind sie zum Beispiel für die Arzneimittelinformation und die Herstellung von Rezepturen zuständig. Daneben unterstützen Stationsapotheker die Arbeit auf ihnen zugeteilten Stationen. Sie übernehmen die pharmazeutische Arzneimittelanamnese neu aufgenommener Patienten, das heiß, sie nehmen in einem Gespräch mit dem Patienten dessen gesamte Medikation auf, die er ambulant einnimmt. Diese Medikamente werden anschließend auf die Präparate umgestellt, die dem Klinikum zur Verfügung stehen (sogenannte Hausliste). Zeitgleich macht der Stationsapotheker einen umfassenden Arzneimitteltherapiesicherheits-(AMTS-)Check, das heißt, er überprüft die gesamte Medikation des Patienten auf Plausibilität, insbesondere hinsichtlich Wechselwirkungen zwischen einzelnen Medikamenten, Dosierungen und Indikationen.

Des Weiteren nehmen Stationsapotheker in Heidelberg mindestens einmal pro Woche an der klinischen Visite der ihnen zugeteilten Station teil. Dabei begleiten sie die Ärzte und stehen diesen bei aktuell auftretenden arzneimittelbezogenen Problemen beratend zur Seite. Durch ihr fachliches Wissen in Bezug auf Arzneimittel und ihre regelmäßige Anwesenheit auf Station können sie arzneimittelbezogene Probleme im besten Fall verhindern oder zeitnah erkennen und beheben. Dies wiederum erhöht die AMTS und damit in erster Linie die Patientensicherheit, bei gleichzeitiger Schonung unter anderem auch finanzieller Ressourcen. Stationsapotheker haben also zwei große Tätigkeitsschwerpunkte: zum einen die klassischen Aufgaben der Krankenhausapotheke, zum anderen die direkte, interdisziplinäre Zusammenarbeit mit den Ärzten auf Station.

In Heidelberg sind die Stationsapotheker allein der Krankenhausapotheke zugeordnet, sodass auch die Finanzierung vollständig über das Budget der Apotheke erfolgt. Hierdurch kann verhindert werden, dass sich der Stationsapotheker zu weit von der pharmazeutischen Sichtweise der Krankenhausapotheke löst und Gefahr läuft, die stationsspezifischen Interessen überzubewerten. Ziel ist es, die pharmazeutische Beratung und Unterstützung der Stationsärzte sicherzustellen. Gleichzeitig können sie auf den Stationen erkannte Erfahrungen und Probleme im Hinblick auf Arzneimittel in die Arzneimittelkommissionen einbringen und die daraufhin erstellten Empfehlungen zurück in die Stationen tragen. Somit baut der Stationsapotheker die fachliche Brücke zwischen einzelnen Arbeitsbereichen des Klinikums Heidelberg.

Das Modell UKE

Dies sind auch die Aufgaben und Ziele der Stationsapotheker des Universitätsklinikums Hamburg-Eppendorf (UKE). Dort begann die neue Form der Zusammenarbeit im Oktober 2006 mit einem auf zwei Jahre befristeten Projekt, bei dem jeweils ein Apotheker der Krankenhausapotheke des Uniklinikums als Stationsapotheker der Klinik für Intensivmedizin und der Klinik für Stammzellentransplantation zugeordnet wurde. In diesen spezialisierten Fachkliniken erhoffte man sich einen großen Nutzen durch die Unterstützung eines Apothekers. Dieser trat auch ein, weshalb aus dem ursprünglich zweijährigen Projekt mittlerweile unbefristete Stellen geworden sind. Die Stationsapotheker besprechen täglich mit dem Arzt die aktuelle klinische Situation der Patienten und beraten ihn im Hinblick auf auftretende arzneimittelbedingte Probleme. Infolge der täglichen direkten Arbeit auf Station wurden die Stationsapotheker in Hamburg, im Gegensatz zu Heidelberg, offizielle Mitarbeiter beider Abteilungen, also sowohl der Krankenhausapotheke als auch der Station. So nehmen sie folglich auch an internen Teambesprechungen oder Fortbildungen der Station und der Krankenhausapotheke teil und sind somit in die Strukturen beider Abteilungen stark eingebunden. In diesem Modell wird die Finanzierung der Stellen zu gleichen Teilen über das Budget der Krankenhausapotheke und der Klinik getragen.

Zudem hat das UKE ein weiteres Modell zur Einbindung von Apothekern in die Arbeit der Kliniken und Stationen etabliert: Auf aktuell 71 Stationen hat das Uniklinikum zusätzlich die sogenannte „Unit-Dose Versorgung gekoppelt mit klinisch-pharmazeutischen Dienstleistungen", kurz SMiT-Konzept (steht für „Safe Medication in Time"), eingeführt. Der SMiT-Stationsapotheker ist Teil eines sogenannten geschlossenen Medikationsprozesses („closed-loop-medication"). Voraussetzung hierfür ist, dass das Klinikum über ein elektronisches Verschreibungs- und Dokumentationssystem verfügt. Der SMiT-Apotheker überprüft täglich auf den ihm zugeteilten Stationen die ärztliche Verordnung, die der Arzt bestimmt und in die elektronische Patientenakte eingetragen hat. Dabei achtet er insbesondere auf die richtige Dosierung, mögliche Wechselwirkungen, die richtige Therapiedauer und den wirtschaftlichen Einsatz. Hat der SMiT-Stationsapotheker die Verordnung freigegeben, werden Einzeldosen für den Patienten produziert, kommissioniert und an die Stationen ausgeliefert. Diese Medikamente sind patientenbezogen gekennzeichnet mit Arzneimittel‧name, Applikationszeitpunkt sowie Einnahme‧hinweisen. Dieses System vermeidet Behandlungsfehler, die früher durch handschriftliche Verordnungen entstanden sind, und erhöht die AMTS. Der SMiT-Apotheker trägt somit als Teil dieses geschlossenen Medikationsprozesses zusammen mit den Ärzten und Pflegekräften zu einer optimalen Arzneimittelversorgung bei. Daneben begleitet er einmal pro Woche den Arzt bei seiner Visite, um am Patientenbett einen umfassenden Arzneimittel-Check vorzunehmen und den Arzt hinsichtlich arzneimittelbedingter Probleme beraten und unterstützen zu können. Der SMiT-Stationsapotheker ist ein fester Ansprechpartner für die ihm zugeteilten Stationen für alle Fragen rund um das Arzneimittel.

Auch das UKE legt großen Wert auf die Zugehörigkeit des Stationsapothekers zu der Krankenhausapotheke. Dies wird gewährleistet, indem die Stationsapotheker weiter eine starke Vernetzung und einen engen Kontakt zu den anderen Mitarbeitern der Krankenhausapotheke haben und somit in die Gestaltung und strategische Ausrichtung der Krankenhausapotheke gleichberechtigt eingebunden sind. Gleichzeitig erlangt der Stationsapotheker durch seine tägliche Präsenz auf Station einen direkten Einblick in die Abläufe der Stationen und somit einen engeren sowie persönlicheren Kontakt zu den Ärzten und dem Pflegepersonal. Dies wiederum verringert Hürden und erhöht die Akzeptanz untereinander, sodass eine intensive Verbindung und ein Zusammenhalt zwischen der Krankenhausapotheke und den Stationen entsteht. Dadurch werden, wie in Heidelberg, Schnittstellen zwischen diesen Institutionen überwunden.

Die Einführung eines Stationsapothekers nach dem Hamburger SMiT-Modell wäre in Heidelberg momentan nicht möglich, da es dort die Grundvoraussetzungen hierfür, nämlich die elektronische Patientenakte, nicht gibt. Trotz der unterschiedlichen Modelle verfolgen und erreichen beide die gleichen Ziele, nämlich die Überbrückung von Schnittstellen und die Optimierung des Arzneimitteleinsatzes, was wiederum zu einer Erhöhung der Arzneimitteltherapie- und Patientensicherheit sowie zu Einsparungen von Kosten führt.



Das Universitätsklinikum Heidelberg ist eines der bedeutendsten medizinischen Zentren in Deutschland. Klinikum und Fakultät beschäftigen rund 12.600 Mitarbeiter. In mehr als 50 klinischen Fachabteilungen mit rund 1.900 Betten werden jährlich rund 66.000 Patienten voll- und teilstationär und mehr als 1.000.000-mal Patienten ambulant behandelt.

Das Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf (UKE) ist seit seiner Gründung im Jahr 1889 eine der führenden Kliniken Europas. Mit über 10.000 Mitarbeitern ist das UKE der drittgrößte Arbeitgeber in Hamburg. Das UKE verfügt gemeinsam mit seinem Universitären Herzzentrum Hamburg und der Martini-Klinik über mehr als 1.730 Betten. Im Jahr 2014 wurden insgesamt 382.854 Patienten versorgt, davon 291.000 ambulant.

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