Hochwassergefahr

Wie sich Kliniken gegen die Flut wappnen

  • Risikomanagement
  • Titel
  • 16.07.2021

f&w

Ausgabe 7/2018

Seite 598

Ein Metall-Klappschott am Krankenhaus Johanneum klappt bei einer Überschwemmung selbstständig nach oben und schließt die Einfahrt wasserdicht.

Nach millionenschweren Schadensfällen haben Kliniken Schutzsysteme installiert, um gegen Hochwasser gesichert zu sein.

Regelmäßig setzen starke Regenfälle Gebäude unter Wasser und verwandeln Straßen in reißende Flüsse. Auch Krankenhäuser bleiben von solchen Naturgewalten nicht verschont. So drang jüngst im nordrhein-westfälischen Wipperfürth nach Starkregen an mehreren Stellen Wasser in die dortige Helios-Klinik ein. Im Klinikum Leer floss Wasser durch die Flure über das Treppenhaus ins Untergeschoss. In Halberstadt wurden Fahrstühle des Krankenhauses geflutet. Starkregen in Frankfurt-Bockenheim führte zu einem Stromausfall im Elisabeth-Krankenhaus.

Im August 2002, während des „Jahrhundert-Hochwassers“ der Elbe, trat südwestlich von Dresden der Fluss Weißeritz über die Ufer und flutete binnen weniger Minuten die Kellerräume der nahegelegenen Klinik Freital der Weißeritztal-Kliniken GmbH, heute Helios Weißeritztal-Klinik Freital. Allein der Sachschaden summierte sich auf 5,7 Millionen Euro. Die Klinik investierte in der Folge in einen umfangreichen Hochwasserschutz, der im Herbst 2004 fertiggestellt war: bauliche Anlagen gegen Oberflächen- und Grundwasser sowie eine verbesserte Entwässerung. Es entstanden eine 440 Meter lange und bis zu 1,80 Meter hohe Betonwand und zusätzlich ein Wall von 100 Meter Länge und 1,20 Meter Höhe. Die Zufahrten schützt im Ernstfall eine mobile Hochwasserschutzwand aus Dammbalken – ebenfalls bis zu 1,80 Meter hoch. Unterirdisch wurde eine 72 Meter lange und sechs Meter tiefe Bohrpfahlwand errichtet. Und eine großflächige Drainage mit Pumpschächten soll einen Wasser-Rückstau auf das Klinikgelände vermeiden. Die Baukosten betrugen rund 600.000 Euro. „2013 hatten wir das Hochwasserschutzsystem bereits komplett aufgebaut und den Betrieb runtergefahren“, sagt der Technische Leiter der Klinik Freital, Ralf Marth. Doch das Hochwasser blieb „glücklicherweise“ aus.

Auch die Dill-Kliniken in Dillenburg erlitten einen Millionenschaden, als im September 2006 nach heftigen Niederschlägen der durch das Krankenhausgelände führende Klausbach so stark anstieg, dass Wasser in das Gebäude eindrang. Die Klinikleitung entschied sich für den Bau eines Regenrückhaltebeckens am Hang oberhalb der Einrichtung, um kurzfristig auftretende hohe Niederschlagsmengen aufzustauen und anschließend wieder geregelt abfließen zu lassen. Das Becken kann bis zu 850 Kubikmeter Wasser aufnehmen. „Seither sind wir von Hochwasser verschont geblieben“, sagt Stefanie Mohr, Leiterin Marketing und Öffentlichkeitsarbeit der Lahn-Dill-Kliniken GmbH. Übersteigt das Wasser das maximale Stauvolumen, so sorgt ein geregelter Überlauf für eine gezielte und gefahrlose Ableitung des Wassers. Kurioserweise wurden die Dill-Kliniken im August 2016 trotzdem geflutet – von innen. Schuld war eine defekte Wasserleitung.

Als im Sommer 2013 nach starken Regenfällen Wasser in den Keller des Krankenhauses Johanneum im niedersächsischen Wildeshausen eingedrungen und einen Schaden von 3,8 Millionen Euro angerichtet hatte, stand für die Krankenhausführung fest, in ein rund 300.000 Euro teures mehrstufiges Hochwasserschutzsystem zu investieren. Im Oktober 2014 vermeldete das Krankenhaus, dass eine Pumpstation nunmehr Regenwasser direkt in die Kanalisation befördert. Kann diese die Wassermassen nicht mehr aufnehmen, fängt eine Senke auf dem Grundstück das überlaufende Wasser auf. Zugangstüren im Untergeschoss sind mit Schotten gesichert. Die Pflasterung der Einfahrt ist erhöht. Eine Besonderheit ist ein mechanisches Metall-Klappschott an der Einfahrt, das gegen eindringendes Wasser schützt. Während des Starkregens im September 2016 bewährte sich das System. „Das Metall-Klappschott zur Einfahrt des Werkhofs löste selbstständig aus und verhinderte, dass Wasser die Einfahrt hinunterfließen konnte“, sagt Ulrike Berg, zuständig für Öffentlichkeitsarbeit, Qualitätsmanagement und Projekte im Krankenhaus Johanneum.

Ebenfalls im Jahr 2016 bewährt haben sich drei selbst schließende Tore des Elisabeth-Krankenhauses in Leipzig-Connewitz. Im Juni 2013 war nach heftigem Regen der Notfalltrakt überflutet worden und musste ausgepumpt werden. Auch hier gab es Schäden im siebenstelligen Bereich. Ein für 250.000 Euro errichtetes Schutzsystem bewahrte das Krankenhaus Mitte 2016 vor einer weiteren Überflutung, berichtete die Leipziger Volkszeitung.

Neben einem Hochwasserdamm und einer Betonmauer setzt das frühere Kreiskrankenhaus Bitterfeld-Wolfen, heute Gesundheitszentrum Bitterfeld/Wolfen gGmbH, seit 2004 auf eine 480 Meter lange mobile Hochwasserschutzwand. Diese besteht aus Aluminiumstützen und -balken, die im Bedarfsfall bis zu 1,50 Meter hoch auf ein Betonfundament aufgesetzt werden. Die Gesamtkosten beliefen sich laut Medienberichten auf 858.000 Euro.

Dieser Fachartikel stammt aus f&w 7/2018, in der wir in einem Schwerpunkt über den Schutz vor Katastrophen und Schadensereignissen berichtet haben.

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