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Pflegepersonal in der Krise

  • Pflege
  • Titel
  • 04.12.2020

f&w

Ausgabe 12/2020

Seite 1074

Die Pflege steht im Zentrum des Corona-Diskurses. Pflegebudget, Prämie, Untergrenzen, Corona-Tests für Mitarbeiter – die Relevanz des Berufsstands bei aktuellen Entscheidungen ist augenscheinlich. Gleichzeitig fühlen sich viele Pflegekräfte in ihrer Krisenarbeit nicht ausreichend wertgeschätzt.

Dem Klinikmanagement wird gern vorgehalten, dass es „Personalentwicklung“ häufig mit „Personalbuchhaltung“ verwechsle. Die Attraktivität vieler Berufsgruppen in den Kliniken leide unter diesem Missverständnis, heißt es. An dieser Kritik mag einiges stimmen. Derzeit ist es aber vor allem die Personalbuchhaltung, die das Klinikmanagement beschäftigt. Denn die Vorweihnachtszeit ist für Klinikchefs zum regelrechten Verhandlungs- und Planungsmarathon rund um das Personal geworden. Im Mittelpunkt steht dabei die Pflege.

Unter Hochdruck verhandeln dieser Tage die Kliniken mit ihren Betriebsräten die Verteilung der Pflegeprämie, für die 100 Millionen Euro bereitstehen. 433 Kliniken kriegen Geld aus diesem Topf, doch richtig Lust, es abzurufen, kommt nicht auf (Artikel: Stimmungsaufheller mit Beigeschmack). Denn Klinikleitungen und Betriebsräte müssen Mitarbeiter in Begünstigte und Nichtbegünstigte einteilen. Da das Geld noch in diesem Jahr fließen muss, ist auf beiden Seiten Verhandlungsstress angesagt (auch Top-Thema auf dem DRG-Forum 2021 am 18. und 19. März 2021)

Das Dilemma mit der Prämie fällt ungünstigerweise in die zweite Pandemiewelle. Die löst nicht nur Ängste bei den Klinikbeschäftigten aus. Sie stellt auch besondere Anforderungen an die Personalplanung in Verbindung mit einer Teststrategie. Vielerorts gibt es die nicht und es besteht die Angst, dass Mitarbeiter unnötig in Gefahr – oder Quarantäne – geraten (Artikel: Testen mit System). Szenarien wie im ersten Lockdown, wo Mitarbeiter entweder infiziert weiterarbeiten mussten oder halbe oder ganze Abteilungen in Quarantäne geschickt wurden, sollten nicht unbedingt als Vorbild dienen.

Für viele Pflegeteams bleibt Corona eine Bewährungsprobe. Die Loyalität unter den Kollegen und der Wille, die Aufgaben gemeinsam anzupacken, sind da. Das beweist nicht zuletzt der niedrige Krankenstand gerade in den von Corona betroffenen Abteilungen. Gleichzeitig wächst der Unmut unter den Pflegekräften über die Diskrepanz zwischen den vielen verbalen Schulterklopfern und der real empfundenen Wertschätzung. Zur Wahrheit gehört allerdings auch, dass die Pflege in aktuellen Tarifabschlüssen deutliche Gehaltszuwächse errungen hat. Auf diese Gemengelage müssen die Klinikleitungen mit entsprechendem Fingerspitzengefühl reagieren, was nicht immer einfach ist.

Organisatorisch bleibt die Komplexität hoch: Jens Spahn hat im November bekräftigt, dass er die Pflegeuntergrenzen auch in Pandemiezeiten nicht abräumen wird. „Sie werden bleiben“, versicherte der Gesundheitsminister auf dem deutschen Pflegetag. Die bei Kliniken (und Pflegeverantwortlichen) unbeliebte Dokumentationspflicht bleibt bestehen. Besondere Bedeutung bekommt die Personalbuchhaltung auch beim Pflegebudget, das die Kliniken seit diesem Jahr hausindividuell mit den Kassen aushandeln müssen.

Im November haben sich Deutsche Krankenhausgesellschaft und GKV-Spitzenverband diesbezüglich auf eine neue Handhabe geeinigt. Grob gesagt, winken die Kassen höhere Ausgaben für die DRG durch, dafür akzeptieren Kliniken, dass diejenigen Pflegekräfte, die ins Pflegebudget hineingerechnet werden dürfen (Pflege am Bett), relativ begrenzt bleiben.  Maßgeblich sollen dafür pikanterweise die Angaben aus dem Jahr 2018 sein. Die Pflegegesetzgebung der Spahn-Ära zwingt die Kliniken somit, ihre Personalorganisation auf neue Füße zu stellen. Wie man dabei von der Krise profitieren kann, beschreiben unsere Gastautoren der Hamburger Uniklinik. Bewährt hat sich deren Notfallstufenkonzept. Darauf baut das Haus auch in der zweiten Welle auf (Artikel: Schnell reagiert).

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