Corona-Pandemie

Aus der ersten Welle gelernt

  • Strategie
  • Management
  • 26.03.2021

f&w

Ausgabe 4/2021

Seite 342

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Die Initiative Qualitätsmedizin e.V. (IQM) hat das Leistungsgeschehen des Jahres 2020 während der Corona-Pandemie in 431 Krankenhäusern analysiert und über sechs Millionen stationäre Fälle ausgewertet. Ein zentrales Ergebnis: Die Inanspruchnahme der Intensivmedizin und die Häufigkeit der Beatmung sind in der zweiten Welle gesunken.

Es ist nur eine kleine Spekulation, die sich Prof. Dr. Ralf Kuhlen im Pressegespräch erlaubt: „Wir haben nach der ersten Corona-Welle gelernt, besser mit der Erkrankung umzugehen“, sagt der Vorsitzende des wissenschaftlichen Beirats der Initiative Qualitätsmedizin und Geschäftsführer Medizin der Helios Health. Kuhlen meint damit die Inanspruchnahme der Intensivmedizin und die Häufigkeit der Beatmung bei Patienten mit Covid: Erstere lag in der ersten Welle bei 24,2 Prozent, in der zweiten Welle sank sie auf 18,1 Prozent; die Häufigkeit der Beatmung lag während der ersten Welle bei 18,1 Prozent, während der zweiten bei 12,2 Prozent. Die Krankenhaussterblichkeit bleibt dagegen mit 18,9 Prozent auch in der zweiten Welle hoch, erläutert Kuhlen.

Ansonsten lässt Kuhlen die Zahlen sprechen: Die IQM hat das Leistungsgeschehen während der Covid-19-Pandemie über das gesamte Jahr 2020 in 431 Krankenhäusern unterschiedlicher Träger analysiert und mehr als sechs Millionen stationäre Fällen ausgewertet. Das entspricht circa 36 Prozent aller Krankenhauspatienten in Deutschland und ist damit repräsentativ. Die Auswertung soll einen Beitrag zum Verständnis des Pandemieverlaufs sowie eine Grundlage zur Überwachung des Covid-19-Geschehens und zur gezielten Steuerung von Pandemiemaßnahmen leisten. „Gerade in den Hochphasen der Pandemie hat sich gezeigt, dass Wahrnehmung und Fakten in Einklang gebracht werden müssen“, sagt IQM-Präsident und Helios-Chef Dr. Francesco De Meo.

Neben den Unterschieden beider Wellen vergleicht die IQM-Untersuchung die Fallzahlen und Sterblichkeit bei schweren Atemwegserkrankungen (SARI, Severe Acute Respiratory Infections) ebenso wie die Verläufe anderer Nicht-Covid-assoziierter Erkrankungen im gesamten Jahr 2020. Die knapp 70.000 stationär behandelten Covid-Patienten wiesen eine Sterblichkeit von 18,3 Prozent auf. Von ihnen entwickelten 68,3 Prozent ein SARI. Bei diesen Patienten war die Sterblichkeit mit 23,7 Prozent deutlich höher als bei nicht mit Covid-19 assoziierten SARI mit 15,3 Prozent.

Insgesamt waren die Krankenhausfälle im ersten Lockdown um 40 Prozent reduziert und blieben bis zum Ende des Jahres 2020 circa 13,6 Prozent unter der Zahl von 2019. Hiervon waren nicht nur elektive „aufschiebbare“ Behandlungen, sondern auch dringliche und Notfallbehandlungen betroffen. Im Hinblick auf die Gesamtfallzahlen traten im Vergleich zum Jahr 2019 über den Verlauf des Jahres 2020 in der Summe insgesamt nicht mehr Intensiv- oder Beatmungsfälle auf. „Abgenommen haben die Fallzahlen“, sagt Kuhlen. Diese seien für die Kapazitätsdiskussion relevant und zeigten: „In der Summe war keine Überlastung durch die Fallzahlen in den Krankenhäusern da. Das schließt aber nicht einzelne Krankenhäuser ein, die besonders phasenweise betroffen waren.“

Auch wenn die Fallzahlen insgesamt keine Überlastung der Krankenhäuser oder Intensivstationen erkennen ließen, sei die Pandemiesituation mit besonderen Belastungen für das Personal und Patienten in den Krankenhäusern verbunden, so Kuhlen weiter. Erkrankung und Ausfall der eigenen Mitarbeiter, Angst vor Ansteckung, Kontaktbeschränkungen, Besuchsbeschränkungen und die Vielzahl der Maßnahmen zur Eindämmung der Pandemie seien nur einige der Herausforderungen dieser Zeit. Außerdem wiege die psychische Belastung schwer, die mit der Betreuung der vielen schwer kranken und häufig sterbenden Patienten gerade auf dem Gipfel der zweiten Welle verbunden war.

 

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