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  • 20.10.2022

f&w

Ausgabe 10/2022

Seite 954

Bernd Christoph Meisheit

Gesundheitsminister Karl Lauterbach will auf die nächste Coronawelle vorbereitet sein – unter anderem mithilfe des Deutschen Elektronischen Melde- und Informationssystems für den Infektionsschutz (DEMIS). Damit könnten Infektionsmeldungen elektronisch versendet werden. Es könnte den Datenaustausch erleichtern und helfen, Infektionsereignisse besser zu verfolgen. Die Belastung der Intensivstationen, die Bettenauslastung und die Kapazitätsgrenzen der Kliniken könnten mittels Echtzeitdaten abgebildet werden.

In der bisherigen Form wird es jedoch einen Datensalat geben. Die Umsetzung des neuen Meldesystems erfordert zudem Zeit und Ressourcen: In der ersten Stufe der DEMIS-Nutzung werden die Daten in den Kliniken täglich händisch aus dem Krankenhausinformationssystem (KIS) in den sogenannten DEMIS-„Komfort“-Client übertragen.

Diese zeitaufwendige Übertragung der Daten belastet die Krankenhäuser zusätzlich und ist fehleranfällig. Erst in einer zweiten Stufe sollen die Meldungen mittels einer Schnittstelle direkt aus dem KIS automatisiert an DEMIS und damit an den öffentlichen Gesundheitsdienst übermittelt werden. Dieser zweite Schritt wird die Voraussetzungen schaffen, den Prozess der Meldungen nach dem Infektionsschutzgesetz sowie der Hospitalisierungsmeldungen effizient zu digitalisieren.

Frist setzt Kliniken unter Druck

Doch damit diese Daten übermittelt werden können, wurde die gesetzlich verpflichtende Anbindung der Krankenhäuser an das Meldesystem vom 1. Januar 2023 auf den 17. September 2022 vorgezogen. Und diese Frist setzt alle Verantwortlichen in den Kliniken massiv unter Druck. Insbesondere die Ressourcen im IT-Bereich sind maximal limitiert.

Schon die Deadline am 1. Januar kommenden Jahres wäre kaum umsetzbar gewesen. Neben dem DEMIS-„Komfort“-Client hätten auch die KIS-Schnittstellen vollständig in allen Ausbaustufen sowie entsprechende KIS-Softwaremodule verfügbar sein und in die Krankenhausprozesse integriert werden müssen. Auch wenn die Hersteller der KIS entsprechende Softwarekomponenten zur automatisierten Übermittlung der Daten bis Ende dieses Jahres entwickelt haben, werden die meisten Nutzer erst 2023 die benötigten Updates erhalten – falls es dazu überhaupt kommt.

Ressourcen im IT-Bereich sind begrenzt

Der Digitalisierungsdruck in den Krankenhäusern ist immens, unter anderem durch das Krankenhauszukunftsgesetz und das Patientendatenschutzgesetz stehen viele Digitalisierungsprojekte auf der Agenda. Diese treffen auf begrenzte Ressourcen. Es ist fraglich, ob die für die automatisierte Übermittlung der Daten an DEMIS benötigte und vom Bundesgesundheitsministerium (BMG) und der Gematik versprochene technische Unterstützung zeitnah zur Verfügung stehen wird. Diese praxisfernen Vorgaben erhöhen den Zweifel, ob man sich der realen Lage vor Ort in den Kliniken bewusst ist. Die Androhung von Bußgeldern setzt dem Ganzen die Krone auf.

Um dem zu entgehen, bliebe den Krankenhäusern nichts anderes übrig, als die Daten täglich händisch zu melden. Ob die Qualität der Daten bei diesen Voraussetzungen ausreichend ist, bleibt dahingestellt. Die Einführung von DEMIS ist kein Vorbild für eine abgestimmte Bewältigung der vor uns liegenden Digitalisierungsvorhaben. Ganz im Gegenteil: Das BMG hat das Vorhaben in kürzester Zeit durchgepeitscht, ohne Rücksicht auf die nicht vorhandenen digitalen Instrumente.

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