Krise der Kliniken

Finstere Kluft

  • Vorstandsvorlage
  • Management
  • 14.12.2022

f&w

Ausgabe 12/2022

Seite 1104

Axel Paeger CEO Ameos

Staatshilfen per Gießkanne werden die Insolvenzwelle der Kliniken nicht verhindern. Sinnvoller wäre eine regelkonforme Entgeltentwicklung, kommentiert Ameos-Chef Axel Paeger.

Dass die stationäre Versorgungslandschaft von den Herausforderungen der Pandemie, die noch nicht vorbei ist, atemlos in die nächste große Krise rutscht, ist genau genommen gar nicht so verwunderlich: Je geschwächter das Immunsystem des multimorbiden Patienten „Krankenhaus“, desto größer seine Vulnerabilität.

Auf den seit über zehn Jahren bekannten Fachkräftemangel kommen jetzt ständig neue Superlative beim Kranken- und Quarantänestand unter den Mitarbeitenden obendrauf. Die Mär der Krankenkassen, der Versorgungsbedarf und die Patientenzahlen würden nie mehr das, was sie vor der Pandemie waren, ist bereits als falsches Wunschdenken entlarvt. In Wahrheit ist die Patientennachfrage wieder zurück auf dem Niveau wie vor der Pandemie – teils aufgrund von Nachholeffekten sogar höher.

Der tatsächliche Grund für niedrigere Patienten- und Erlösvolumina in den Krankenhäusern liegt in Kapazitätsengpässen, die durch die extrem angespannte Personalsituation verursacht sind. Das bedeutet nicht nur ein Versorgungsproblem, da weiterhin notwendige, aber nicht akut dringende Eingriffe abgesagt und verschoben werden müssen.

Den Krankenhäusern fehlen in enormem Maße auch die Einnahmen, denn sämtliche Covid-19-Hilfen wie Freihaltepauschalen et cetera sind nicht mehr in Kraft und durch Krankheit sowie Quarantäne gehen viele Einnahmen verloren. Gleichzeitig sind die Kosten auf Rekordniveau:

  • die Personalkosten infolge fehlender Kostenkompensationen für ausfallende coronainfizierte Mitarbeitende sowie benötigte Zeitarbeitskräfte.
  • Zusätzlich treffen die Krankenhäuser extreme Sachkostensteigerungen im Energiesektor sowie bei Medizinprodukten und Lebensmitteln.

Die Entgelte sind hingegen trotz der Inflation weitgehend die gleichen geblieben. Die nur anteilige Berücksichtigung des Orientierungswertes im Basisentgeltwert in Höhe von 6,07 Prozent kommt erst im neuen Jahr zum Tragen, aber auch dann spiegelt die Gesamterhöhung nicht annähernd die Inflationsentwicklung wider.

Eigentlich hätten die Krankenhäuser vom Gesetz her Anspruch auf Berücksichtigung der Kostenentwicklung in den Entgelten. Doch die Berechnungspraxis von Veränderungs- und Orientierungswerten führt zu einer Verzögerung von etwa zwei Jahren und damit zu einer für das Krankenhaussystem nicht überlebbaren Liquiditätslücke, die bereits in den kommenden Monaten zu Insolvenzanmeldungen führen wird. Die Deutsche Krankenhausgesellschaft übertreibt also keineswegs, wenn sie „Alarmstufe Rot“ markiert.

Eigentlich bräuchten wir als Krankenhäuser keine Staatshilfen, sondern einfach nur eine regelkonforme Entgeltentwicklung, die mit der tatsächlichen Kostenentwicklung korrespondiert. Doch der Bundesgesundheitsminister will keine fairen und sachgerechten Veränderungs- und Orientierungswerte, weil er dann den Krankenkassenmitgliedern, die seine Wähler sind, stärkere Prämiensteigerungen erklären müsste. Also stellt man lieber acht Milliarden Euro aus dem Stabilisierungsfonds in Aussicht, weil man damit dem Wähler zunächst einmal keine Steuererhöhungen vermitteln muss und das Problem in zukünftige Legislaturen verschieben kann. Doch werden die mit planwirtschaftlicher Gießkanne außerhalb des regulären Entgeltsystems verteilbaren „Staatshilfen“ die Insolvenzwelle nicht verhindern können. Nach dem, was wir bisher erkennen können, werden sie den Krankenhäusern nicht in volkswirtschaftlich sachgerechter Weise zugutekommen.

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