Nachgefragt

"Entlastung schwer vorstellbar"

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  • 28.11.2022

f&w

Ausgabe 12/2022

Seite 1068

Kathrin Leffler ist Pflegedirektorin am BG Klinikum Unfallkrankenhaus Berlin

Ab Januar 2023 sollen Kliniken vollstationäre Behandlungen unter bestimmten Voraussetzungen als Tagesbehandlungen erbringen dürfen. Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) sieht großes Einsparpotenzial bei Personal und Kosten. Pflegedirektorin Kathrin Leffler vom BG Klinikum Unfallkrankenhaus Berlin ist weniger euphorisch.

Die Einführung der Tagespauschalen in Kliniken soll Pflegekräfte entlasten. Was halten Sie von dieser Idee?

Jede Maßnahme, die dazu dienen kann, die Pflege zu entlasten, ist zu begrüßen. Mit innovativen Ideen kann unterstützend dem sich immer weiter ausbreitenden Pflegenotstand begegnet werden. Für eine Klinik wie das Unfallkrankenhaus Berlin mit einem Anteil von über 70 Prozent Notfallaufnahmen erscheint so ein Versorgungsmodell als Entlastung nur schwer vorstellbar. Aber in Häusern mit hohem Elektivanteil oder onkologischer Versorgung können Patientinnen und Patienten, die über mehrere Tage mindestens sechs Stunden in der Klinik verbringen müssen, oft auch in der vertrauten Umgebung übernachten. Das ist allerdings gut zu organisieren. Auch Haftungs- und Finanzierungsfragen sind zu klären.

Minister Lauterbach verspricht, dass viele Nachtschichten wegfallen und so Pflegekräfte eingespart werden können. Wie ist Ihre Meinung, welche konkreten Auswirkungen kann die Regelung entfalten?

Bislang werden Dienstpläne in der Pflege in der Regel zwei Monate im Voraus geschrieben und müssen darauf ausgerichtet sein, eine voll belegte Station pflegerisch versorgen zu können. Entscheidungen darüber, ob Patientinnen und Patienten über Nacht nach Hause dürfen, würden in der letzten Konsequenz tagesaktuell gefällt. Frei werdende Personal-ressourcen wären deshalb nur kurzfristig verfügbar. In der Konsequenz werden andere Arbeitszeitmodelle und angepasste Strukturen für zu versorgende Personen erforderlich sein. Auch sind Lösungen zu planen, wenn eine Übernachtung kurzfristig zur Patientensicherheit gewährleistet werden muss. Wenn die Rahmenbedingungen klar sind, kann darauf organisatorisch reagiert werden.

Falls die Tagespauschalen zu deutlichen Einsparung von Pflegearbeitszeit führen was würden Sie mit dem frei gewordenen Pflegepersonal anfangen?

Zur Einsparung von Pflegearbeitszeit könnte es insbesondere im Nachtdienst kommen. Das frei gewordene Pflegepersonal würde ich in Früh- und Spätdiensten einsetzen. Zum einen, um dem Organisationsaufwand und der Leistungsverdichtung in den Anwesenheitszeiten der zu behandelnden Personen zu begegnen. Zum anderen, um die Qualität der pflegerischen Versorgung auch in den Randzeiten weiter zu erhöhen. Es entsteht also kein Einsparpotenzial, sondern es kommt zur einer Verschiebung der personellen Ressourcen.

Autor

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