Die Krankenhausreform soll Qualität sichern und Strukturen bündeln. Doch Ausnahmen und fehlende Resilienz gefährden den Wandel. Christiane Stehle fordert klare Regeln und Investitionen für eine krisenfeste Versorgung.
Die Krankenhausreform ist ein historischer Schritt. Sie soll Qualität sichern, Strukturen bündeln und die Versorgung zukunftsfähig machen. Doch der aktuelle Entwurf des Anpassungsgesetzes läuft Gefahr, dieses Ziel zu unterlaufen. Ausnahmeregelungen in großem Umfang, länderspezifische Spielräume und die Verschiebung zentraler Elemente wie der Vorhaltevergütung drohen, den dringend nötigen Strukturwandel zu blockieren. Wer Leistungsgruppen ohne Qualitätsnachweise zuweist, riskiert, dass der Status quo verfestigt wird, anstatt mutig den Weg hin zu Spezialisierung und Vernetzung zu gehen.
Qualität ist nicht verhandelbar
Für uns Universitätskliniken steht fest, dass Qualität nicht verhandelbar sein darf. Ausnahmen müssen eng begrenzt, transparent und zeitlich befristet sein. Sonst wird aus der Reform ein Flickenteppich, in dem Patientenversorgung, Forschung und Lehre nicht ihr volles Potenzial entfalten können.
Doch die Diskussion über Strukturwandel greift zu kurz, wenn sie die Frage der Resilienz ausblendet. Unsere Gesellschaft hat in den vergangenen Jahren schmerzhaft gelernt, dass Gesundheitsversorgung nicht nur alltägliche Daseinsvorsorge ist, sondern kritische Infrastruktur. Pandemien, Kriege an den Rändern Europas, Cyberattacken und unterbrochene Lieferketten zeigen: Kliniken sind systemrelevant im sicherheitspolitischen Sinne. Sie müssen im Ernstfall handlungsfähig bleiben – für ihre Patienten und für das Gemeinwesen.
Resilienz bedeutet belastbare Prozesse und klare Strukturen
Resilienz bedeutet mehr als Notstromaggregate und Vorratslager. Sie erfordert belastbare Prozesse, klare Führungsstrukturen und geschulte Teams, die auch unter extremen Bedingungen zuverlässig arbeiten. Dazu gehört die Vorbereitung auf Massenanfälle von Verletzten ebenso wie auf großflächige Infektionslagen oder IT-Ausfälle. Universitätskliniken übernehmen hier eine besondere Rolle: Wir bündeln Expertise, wir bilden Fachkräfte aus, wir sind Knotenpunkte in überregionalen Versorgungsnetzen.
Doch die Widerstandsfähigkeit von Kliniken ist kein Selbstläufer. Sie braucht Investitionen in Cybersicherheit, in bauliche Vorsorge, in redundante Systeme und in Ausbildung. Sie braucht verbindliche Standards statt freiwilliger Selbstverpflichtungen. Vor allem aber braucht sie eine klare politische Prioritätensetzung. Wenn Reformen durch Ausnahmeregelungen verwässert werden, schwächt das auch die Widerstandsfähigkeit unseres Gesundheitssystems.
Uniklinika fordern Verankerung von Resilienz
Wir Universitätskliniken fordern daher nicht nur Nachbesserungen am Anpassungsgesetz, sondern auch eine konsequente Verankerung von Resilienz als strategischem Ziel. Wir sind bereit, Verantwortung zu übernehmen: in der Konzentration von Leistungen, in der Forschung zu Krisenvorsorge und in der Ausbildung von Teams, die im Ernstfall bestehen. Aber wir brauchen dafür verlässliche Rahmenbedingungen.
Reform ohne Resilienz bleibt Stückwerk. Resilienz ohne klare Reform bleibt Illusion. Wenn wir beides zusammendenken, haben wir die Chance, die Krankenhauslandschaft nicht nur effizienter, sondern auch krisenfester und zukunftssicher zu machen – zum Wohl der Patientinnen und Patienten und zum Schutz unserer Gesellschaft.
