KIS-Strategie

Diese Optionen haben Kliniken am Markt

  • Strategie
  • Titel
  • 25.02.2026

f&w

Ausgabe 2/2026

Seite 120

Michael Pfeil, Sprecher des Arbeitskreises Healthcare der Deutschsprachigen SAP-Anwendergruppe (DSAG) und IT-Leiter für SAP- und betriebswirtschaftliche Applikationen am Universitätsklinikum Bonn

Hunderte Kliniken aktualisieren ihr KIS, Hersteller müssen liefern. Viel Zeit bleibt nicht mehr. Michael Pfeil von der DSAG empfiehlt vor allem heterogene Systeme.

Herr Pfeil, die Abkündigungen von den Abrechnungsmodulen SAP IS-H und i.s.h.med zwingen Kliniken, das Krankenhausinformationssystem (KIS) zu prüfen – gegebenenfalls sogar zu wechseln. Wie hat sich der Markt seitdem verändert – wohin geht der Trend?

Das waren Weckrufe für die Branche. Es gibt inzwischen ernst zu nehmende Alternativen für die Ablösung von IS-H. Beispiele sind GS-H von GITG, S4 Health von ATSP und Orbis von Dedalus für homogene System- landschaften. Diese Vielfalt eröffnet eine Wahlfreiheit – das ist ein positiver Trend. Aber: Interoperabilität bleibt weiterhin ein kritischer Erfolgsfaktor. Ohne standardisierte Schnittstellen wie FHIR, HL7 droht die Rückkehr zu Insellösungen – und das wäre fatal.

Welche Übergangsoptionen haben Kliniken, die noch nicht bereit sind, Abrechnungsmodule oder KIS zu wechseln?

Es gibt zwei große Optionen: Oracle bietet Häusern mit i.s.h.med an, das Modul weiterhin bis 2035 zu nutzen, SAP bietet die Anwendung von IS-H bis 2033 – beides über die Cloud. Das verschafft zwar Zeit, ist aber sehr teuer und verlängert lediglich das Auslaufen der Systeme. Kliniken sollten sich viel eher fragen: Lohnt sich diese Investition in ein Modell zur Überbrückung überhaupt oder ist ein strategischer KIS-Wechsel sinnvoller?

Wie reagieren die Krankenhäuser aktuell?

Die Unsicherheit ist groß, die Stimmung angespannt. Viele Häuser fürchten, in proprietäre Komplettlösungen gedrängt zu werden. Zudem erkennen wir eine gewisse Passivität; die Komplexität schreckt viele ab und manche Entscheider glauben, sie könnten das Thema aufschieben – aber das ist ein Trugschluss. Die Deutschsprachige SAP-Anwendergruppe (DSAG) versucht gegenzusteuern: Der Verband hat eine Herstellerbefragung gestartet und organisiert Online-Formate, um Transparenz zu schaffen: Welche Funktionen sind verfügbar? Wie sehen die Roadmaps der Anbieter aus? Und vor allem: Wie steht es um die Schnittstellen?

Warum ist die Zeit bis 2030 so kritisch?

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