Die Charité will das Krankenhausinformationssystem (KIS) von Epic anschaffen. Doch das KIS gilt als sehr teuer, die Finanzierungsentscheidung des Landes Berlin steht noch aus. Felix Balzer, Chief Medical Information Officer der Charité, ist optimistisch. Im Interview verrät er den groben Zeitplan bis zum Go-live.
Herr Prof. Dr. Dr. Balzer, nach welchen Kriterien haben Sie Epic ausgewählt – und wie war die Gewichtung?
Die Entscheidung für Epic war das Ergebnis eines sehr strukturierten Vergabeverfahrens. Wir haben ein Punktesystem angewendet, das sich auf vier Säulen stützt: erstens ein Leistungsverzeichnis mit über 600 Muss- und 1.000 Kann-Kriterien, in dem wir den Funktionsumfang sehr detailliert beschrieben haben. Zweitens praxisnahe Use Cases, die die Reife und Usability des Systems zeigen – dafür mussten die Anbieter Videodemos liefern, in denen Klickpfade und Bedienlogik nachvollziehbar sind. Drittens Konzepte, etwa zur Implementierung, IT sowie Datensicherheit und Governance. Und viertens natürlich der Preis. Am Ende war es ein mathematisches Ergebnis: die Summe der Punkte, nicht eine subjektive Präferenz. Wir wollten maximale Transparenz, damit die Entscheidung fachlich und politisch Bestand hat.
Der Vorwurf steht im Raum, die Ausschreibung sei Epic-freundlich gewesen. Was sagen Sie dazu?
Nein, das weise ich dezidiert zurück. Wir haben uns strikt an das Vergaberecht gehalten und waren an echtem Wettbewerb interessiert. Bewertet wurde transparent nach standardisierten Kriterien. Präferenzen einzelner Systeme spielten keine Rolle – maßgeblich war am Ende die Gesamtpunktzahl.
Dedalus hat sich aus dem Vergabeverfahren zurückgezogen – hatte das Einfluss auf das Verfahren?
Dedalus hat kein Angebot abgegeben. Natürlich ist es uns lieber, wenn sich viele Anbieter beteiligen, damit im Verfahren ein echter Wettbewerb entsteht. Dass Dedalus vergeblich versucht hat, juristisch statt im Bieterverfahren zu punkten, hatte keinen Einfluss auf den Ablauf.
Welche Muss-Anforderungen waren für Sie nicht verhandelbar?
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