Klinikverbund Heidelberg-Mannheim

Strategie und Realität verbinden

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  • 01.10.2026

f&w

Ausgabe 8/2026

Seite 726

Prof. Dr. Hanns-Peter Knaebel, Vorstandsvorsitzender des Verbunds der Universitätsklinika Heidelberg und Mannheim

Der Verbund der Universitätsklinika Heidelberg und Mannheim zählt zu den ambitioniertesten Strukturprojekten der deutschen Universitätsmedizin. Vorstandsvorsitzender Hanns-Peter Knaebel spricht über Klinikstrategie, Digitalisierung, wirtschaftliche Synergien und die Frage, wie aus zwei Defizitträgern ein zukunftsfähiger Universitätsklinik-Verbund werden soll.

Herr Prof. Dr. Knaebel, Sie sind seit Januar 2026 Vorstandsvorsitzender des Verbunds der Universitätsklinika Heidelberg (UKHD) und Mannheim (UKMA). Es gilt als eines der größten Strukturprojekte der deutschen Universitätsmedizin. Was macht den Verbund aus Ihrer Sicht so bedeutsam?

Der Verbund ist vor allem ein Strategieprojekt. Zwei Universitätsklinika mit unterschiedlichen Trägerstrukturen – Mannheim kommunal, Heidelberg beim Land – wurden unter die Führung des Landes gebracht. Zugleich entsteht eine Organisation mit abgestufter Versorgungslogik. Das ist keine technische Zusammenführung zweier Häuser, sondern ein Projekt mit internationaler Strahlkraft.

Geht es vor allem darum, gemeinsam zu sparen oder hat das Land für die Übergangs- und Aufbauphase zusätzliche Mittel zugesagt?

Die Landesregierung hat sich entschlossen, die Zuführungen zu den beiden Medizinischen Fakultäten sowie die Unterstützung der beiden Klinika bei Investitionen in den nächsten drei Jahren in der geplanten Form aufrechtzuerhalten. Das sind rund46 Millionen Euro pro Jahr. Wir müssen also nicht auf Mittel verzichten. Die Landeszuführungen bleiben stabil, aber die Zukunftsspielräume müssen wir durch Synergien, bessere Strukturen und effizientere Abläufe selbst schaffen. Wir wollen alle Mittel für zusätzliche Projekte und Investitionen verwenden.

Welche wären das?

Im Vordergrund stehen drei Arbeitsfelder: Medizinstrategie, Digitalisierung inklusive KI-Strategie und Wirtschaftlichkeit. Medizinisch geht es darum, Schwerpunkte standortübergreifend sinnvoll zu setzen: gewollte Doppelstrukturen dort, wo sie für die Versorgung nötig sind. Konzentration dort, wo Fallzahlen und Expertise entscheidend sind, etwa bei Stammzelltransplantationen bei Kindern oder komplexen onkologischen Behandlungen. Parallel entwickeln wir eine gemeinsame Digital- und Datenstrategie. Drittens prüfen wir Synergiepotenziale, damit der Verbund nicht nur medizinisch stark, sondern auch wirtschaftlich tragfähig arbeitet. Für Medizin- und Digitalstrategie liegt die Zielmarke Ende des dritten Quartals 2026. Die wirtschaftlichen Synergien verifizieren wir ebenfalls 2026 und gehen anschließend in die Umsetzung.

Hätte man das nicht auch in einer Kooperation zweier eigenständiger Uniklinika lösen können?

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Verbund Heidelberg-Mannheim

Der Verbund der Universitätsklinika Heidelberg und Mannheim ist am 1. Januar gestartet. Mit ihm entsteht einer der größten universitären Maximalversorger Europas. Das Universitätsklinikum Heidelberg hält aktuell 89,9 Prozent der Anteile an der Universitätsklinikum Mannheim GmbH; die Stadt Mannheim bleibt mit 10,1 Prozent beteiligt. Ein vollständiger Zusammenschluss ist innerhalb von fünf Jahren vorgesehen.

 

Geführt wird der Verbund über einen fünfköpfigen Verbundvorstand mit insgesamt sechs Ressorts, ohne dass die bisherigen Rechtsformen der Klinika zunächst aufgehoben werden. Strategisch zielt das Projekt auf eine abgestufte, standortübergreifende Versorgungslogik, eine gemeinsame Daten- und Digitalstrategie sowie Synergien in Infrastruktur, IT und Verwaltung. Die beiden Medizinischen Fakultäten der Universität Heidelberg sollen zum 1. Januar 2027 fusionieren.

 

Wirtschaftlich ist die Ausgangslage angespannt: Heidelberg erzielte 2024 rund 1,4 Milliarden Euro Umsatz bei einem Defizit von etwa 30 Millionen Euro, 2025 waren es 1,5 Milliarden Euro Umsatz und rund 30 Millionen Euro Defizit. Mannheim erzielte 2024 rund 480 Millionen Euro Umsatz und ein ebenfalls rund 30 Millionen Euro negatives Ergebnis, 2025 waren es knapp 500 Millionen Euro Umsatz und ein Minus von rund 110.000 Euro. Bis 2031 will der Verbund durch Synergien und Strukturmaßnahmen die schwarze Null erreichen, sagt Hanns-Peter Knaebel im Interview.

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