Bis zu 600 Liter Wasser pro Bett und Tag: Kliniken arbeiten mit enormen Ressourcen. Die Universitätsmedizin Halle (UMH) analysiert nun in dem Pilotprojekt „Nachhaltiges Wassermanagement“, wie sich Wasserflüsse systematisch erfassen, steuern und perspektivisch reduzieren lassen – von Grauwassernutzung bis zum Monitoring von Arzneimittelrückständen.
Herr Dr. Glahn, was bedeutet nachhaltiges Wassermanagement eigentlich?
Nachhaltiges Wassermanagement umfasst neben der unterschiedlichen Nutzung von Trinkwasser den Einsatz von Grau- und Niederschlagswasser sowie die stoffliche und energetische Nutzung verschiedener Abwasserströme, wo dies unter hygienischen, technischen oder ökonomischen Gesichtspunkten sinnvoll ist. Darüber hinaus umfasst es das Monitoring der chemischen und mikrobiologischen Belastung des Abwassers, das in die Kanalisation eingeleitet wird. Optional ist eine Reinigung des Abwassers bereits vor Ort denkbar, zumindest von besonders belasteten Teilströmen.
Kliniken gelten als besonders wasserintensiv: Wie hoch ist der Verbrauch typischerweise und wo fließt unnötig viel Wasser?
Ein Krankenhaus in der Größe des UMH mit ungefähr 1.000 Belegbetten hat in etwa den Wasser- und Energiebedarf einer Kleinstadt. Konkret sind das zwischen 300 und 600 Liter Wasser pro Belegbett und Tag. Das UMH hatte im Jahr 2025 einen Wasserverbrauch von 449 Litern Wasser pro Bett und Tag. Aussagen zu Einrichtungen oder Verfahren, bei denen unnötig viel Wasser eingesetzt wird, sind uns zurzeit noch nicht möglich, da wir aktuell noch bei der Analyse aller Aspekte des derzeitigen Umgangs mit Wasser am UMH sind, um die Ausgangs- und Rahmenbedingungen für ein darauf aufbauendes nachhaltiges ressourceneffizientes Wassermanagement zu bestimmen.
Ihr Pilotprojekt soll genau hier ansetzen: Was ist das konkrete Ziel?
Zum einen die Reduzierung des Trinkwasserverbrauchs durch Nutzung von Grau- und Niederschlagswasser sowie zum anderen neben einer Überwachung der Gehalte gängiger Arzneimittelwirkstoffe ein regelmäßiges Monitoring pathogener sowie bestimmter multiresistenter Erreger (MRE) im Krankenhausabwasser. Dazu untersucht das Projekt, ob es diese Belastungen durch alternative Verfahren der vierten Reinigungsstufe wirtschaftlich und effizient entfernen kann. Denkbar sind Maßnahmen in der Grauwasser- und Abwärmenutzung, die ohne Umbauarbeiten wirtschaftlich umsetzbar sind. Auch die Regenwassernutzung könnte bis zu 50 Prozent des Trinkwasserverbrauches einsparen. Häufig sind jedoch bei historisch gewachsenen Häusern die Voraussetzungen für den Einsatz solcher Technologien durch die bauliche Situation deutlich anspruchsvoller. Daher ist bei der Planung von Stationen oder Gebäuden sehr früh nachhaltiges Wassermanagement mitzudenken.