Künstliche Intelligenz

Roboter assistiert erstmals bei Herz-OP

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Roboter assistiert erstmals bei Herz-OP
© Siemens Healthineers

Im Universitätsklinikum Gießen haben Mediziner am Mittwoch robotergestützt einen Stent minimalinvasiv in ein verengtes Herzkranzgefäß eingesetzt. Dieser Eingriff wurde erstmals in Deutschland durchgeführt.

Die koronare Herzkrankheit ist eine der häufigsten kardiovaskulären Erkrankungen, zu den Folgen gehört der akute Herzinfarkt, der in Deutschland zu den häufigsten Todesursachen gehört. "In der Therapie des akuten und chronischen Koronarsyndroms hat sich die perkutane Koronarintervention (PCI) mit Stent-Implantationen (Gefäßstützen) als sogenannter Goldstandard etabliert", schreibt das Universitätsklinikum in einer Pressemitteilung. Mehr als 400.000 solcher Eingriffe werden jährlich in Deutschland durchgeführt, berichtet Klinikdirektor Prof. Dr. Christian Hamm im Rahmen einer Pressekonferenz.Obwohl es ein Routineeingriff sei, erfordere er medizinisches Wissen und handwerkliches Können, da im Millimeterbereich gearbeitet wird und das Herz ständig in Bewegung ist.

Durch die Röntgenstrahlung und die Schutzkleidung bringen diese Operationen jedoch Risiken für die Mediziner mit sich, wie zum Beispiel Probleme mit der Wirbelsäule durch das hohe Gewicht der Bleiwesten. Nach Angaben des UKGM reduziert sich die Strahlenbelastung durch das neue Verfahren für den Kardiologen um 97 Prozent. Der Roboter unterstütze die Arbeit der Mediziner und erhöhe die Präzision, er wirke dem "human factor" entgegen, beschreibt Prof. Dr. Holger Nef, stellvertretender Direktor der Medizinischen Klinik I (Kardiologie/Angiologie), der den Eingriff durchgeführt hat. Das Gerät wird vom Kardiologen aus einem separaten Raum gesteuert und arbeitet in 0,5 Milimeter Schritten. Der Roboter könne erkennen, wenn der Anweder zu viel Kraft auf den Draht ausübt und den Fehler ausgleichen. Dazu misst die künstliche Intelligenz die Kraft am Drahtende und schaltet sich bei Bedarf ab. 

Während des Eingriffs kam das CorPath GRX System von Corindus und ein Artis Angiographie-System von Siemens Healthineers zum Einsatz. Ende Oktober hat Siemens die Übernahme von Corindus bekannt gegeben. Der Corindus-Roboter kostet in der Anschaffung etwa 500.000 Euro und ist weltweit in 80 Einrichtungen zu finden, überwiegend in den USA. In Europa gibt es neben Gießen noch einen weiteren Standort in Frankreich. "Wir müssen eine Flächenversorgung ermöglichen um eine hohe Versorgungsqualität der Patienten zu garantieren", sagt Prof. Albert Elsässer von der Deutschen Gesellschaft für Kardiologie (DGK). Die Akademie der DGK bietet für Ärzte Kurse zur Zertifizierung für die Arbeit mit dem System an. Der Ausbildungsprozess werde wissenschaftlich begleitet.

Derzeit werde das Verfahren von den Krankenkassen noch nicht unterstützt, jedoch von der Deutschen Herzstiftung. "Die Robotik ist unterfinanziert", kritisiert der ärztliche Direktor Dr. Andreas Böning. In einer Uniklinik müsse medzinischer Fortschritt möglich sein. Aktuell sei politisch noch ungeklärt, ob gezahlt wird, "das muss in Zukunft diskutiert werden".

Autor

 Luisa-Maria Hollmig

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