Corona-Krise

Kassenärzte fühlen sich gerüstet für den Lockdown-Exit

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Die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) begrüßt die Lockerungen des Lockdowns und signalisiert, dass die niedergelassenen Ärzte bereit sind für eine Separierung der Patientenströme. Kritisch bleibt der Nachschub von Schutzkleidung.

Die Ansteckungsrate in Deutschland liegt derzeit unter ein Prozent, die Kurve der Neuinfektionen hat sich abgeflacht. „Das ist gut“, kommentierte KBV-Chef Dr. Andreas Gassen in einer Pressekonferenz und begrüßte die Lockerungen der Bewegungseinschränkungen aufgrund des Coronavirus ausdrücklich. Die jetzt beschlossenen Lockerungen bezeichnet er als homöopathische Dosen und fordert, den Lockdown so zügig wie möglich zu beenden. Auch die geringen Infektionszahlen in Schweden, wo nur Großveranstaltungen untersagt sind, sprächen für mehr Lockerungen, so Gassen.

Eine wichtige Aufgabe für die Kassenärzte sei es nun, Patienten, die einen Infekt haben könnten, von denen zu trennen, die besonders gefährdet sind, erklärt Dr. Stephan Hofmeister, wie Gassen Mitglied des KBV-Vorstands. Diese Separierung der Patientenströme müsse anders als bisher gewährleistet werden, damit die Maßnahmen finanzierbar bleiben, so Hofmeister. Diese Trennung sei realisierbar, etwa indem Ärzte zu bestimmten Zeiten „Fiebersprechstunden“ anbieten. Wichtig sei jedoch die Verfügbarkeit von Schutzkleidung, so Hofmeister. Er stellte auch klar, dass sich die Ärzte viele Monate auf diese Separierung einstellen müssen.

Mangelware Schutzkleidung

Die Schutzkleidung bleibt für die Ärzte der Dauerbrenner. Allein Niedersachsen haben laut Hofmeister bereits 20 Millionen Euro für Schutzkleidung ausgegeben. Auch die KBV habe eine Lieferung von über einer Million Masken erhalten, die sie nun an die regionalen Kassenärztlichen Vereinigungen (KVen) weiterreicht. Die Lieferung kam aus China und Hofmeister dankte ausdrücklich der Berliner Firma Rabofsky für ihre Hilfe. Das Unternehmen stellt Maschinen her, die solche Masken produzieren, und hat beim Masken-Deal zwischen der KBV und China eine wichtige Rolle gespielt. Hofmeister kam auch auf eine Lockerung des Robert-Koch-Instituts (RKI) zur Mehrfachverwendung von FFP2-Masken zu sprechen. Das Institut hatte erlaubt, dass medizinisches Personal eine Maske auch für die Behandlung mehrerer Patienten verwenden könne. Das sei lediglich die Angleichung der Regeln an die Realität, so Hofmeister, weil der Maskenmangel nichts anderes zulasse. Über einen Tag hinaus eine Maske zu tragen, sei allerdings nicht hygienisch.

Gassen betonte, dass alles rund um Corona ein Lernprozess bleibe. In dem Zusammenhang stellte der KBV-Chef klar, wie wichtig die Obduktion der verstorbenen Patienten sei, „um mehr über die Letalität von Covid-19 zu erfahren“. Derzeit finde eine Verschiebung der Infektionen in Patientengruppen mit hohem Alter statt. „Wir schieben einen Bauch von Schwererkrankten vor uns her, von denen sicher auch noch einige versterben werden.“ Auch auf die bessere Verzahnung des Datenaustausches ging Gassen ein. So sei die KBV zukünftig in der Lage, Labordaten digital in Echtzeit ans RKI zu senden.

Corona-Tests: Mehr geht kaum

Gassen hob die – auch international gelobte – hohe Testquote in Deutschland hervor. „Während in Deutschland 20.000 Tests pro eine Millionen Einwohner gemacht werden, sind es in Südkorea nur 10.000 Tests.“ Gesundheitsminister Jens Spahn hatte in einem Interview mit dem US-amerikanischen Netzwerk CBNC erklärt: „Was uns von Anfang an geholfen hat, ist unser großes Netzwerk an Laboren in ganz Deutschland.“ Derzeit testet Deutschland etwa 600.000 Menschen pro Woche. Diese Tests auszuweiten oder gar zu vervielfachen, sei schwer möglich, erklärt Gassen, da die Labore ausgelastet seien. Außerdem fehlen Testmaterialien, beispielsweise Reagenzgläser. Multinationale Lieferketten würden den Nachschub aber schwierig machen, da alle Länder die Testmaterialien bräuchten. Tests sollten in Zukunft gezielter eingesetzt werden, fordert Gassen. So könnten Pflegeeinrichtungen und Altenheime vorsorglich komplett getestet werden, um Gefahrenherde ausfindig zu machen. Österreich hat eine solche Maßnahme gerade angekündigt. Gassen betonte auch, dass der Rachenabstrich im Selbsttest immer noch eine hohe Fehlerquote aufweise. Der Test solle von Fachpersonal gemacht werden.

Herzinfarkt, Krebsvorsorge & Co

Gassen betonte zudem, dass die Hauptarbeit der Ärzte nicht die Behandlung von Covid-19 sei. „Das darf nicht der einzige Fixpunkt sein, um den sich alles dreht. Das wäre nicht angemessen.“ Niedergelassene Ärzte behandeln über drei Millionen Patienten pro Tag, nur ein kleiner Teil seien Covid-Patienten. Derzeit sinkt vor allem die Zahl von Vorsorgeuntersuchungen. „Das ist vielleicht nicht akut lebensbedrohlich, kann aber auf lange Sicht dramatische Konsequenzen haben“, so Hofmeister. Sein Appell: „Arztbesuche können weiter gefahrlos gemacht werden.“

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