Zweistellige Zuwächse für die Psychiatrie

Augurzky und Busse präsentieren Analyse der Erlössituation in Kliniken

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Augurzky und Busse präsentieren Analyse der Erlössituation in Kliniken
© iStock.com/lappes

Das Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung (RWI) und die Technische Universität Berlin (TU) haben den mit Spannung erwarteten Bericht zur Erlössituation in Krankenhäusern für den Zeitraum Januar bis September 2020 beim Bundesgesundheitsministerium (BMG) abgeliefert. Die Wissenschaftler stellen in ihrem Bericht einen Anstieg des Casemix-Index (CMI) um 4,1 Prozent fest. Gleichzeitig sank das Casemixvolumen um 8,4 Prozent. Die Verweildauer ist bei den somatischen Krankenhäusern um 0,6 Prozent gestiegen, was mit dem höheren CMI zusammenhängen könne, so die Wissenschaftler. Bei den psychiatrischen Einrichtungen ist sie dagegen um 2,6 Prozent gesunken. Die Auslastung ist in beiden Bereichen in einem ähnlichen Umfang zwischen zehn und 13 Prozentpunkte gesunken. 

14,4 Prozent Erlöszuwachs für psychiatrische Kliniken

Bei den somatischen Krankenhäusern beträgt die durchschnittliche (Netto‐)Erlösänderung über alle Krankenhäuser hinweg plus 2,4 Prozent und bei den psychiatrischen und psychosomatischen Kliniken plus 14,4 Prozent. Diese Werte variieren nach Art des Krankenhauses. Differenziert nach Bettengröße gehe die Erlösänderungen mit zunehmender Größe der Krankenhäuser zurück. In Bezug auf die Fallschwere der behandelten Patienten zeige sich, dass Erlöszuwächse geringer ausfallen oder sogar Erlösrückgänge eintreten je höher der CMI ist. In Bezug auf die Krankenhausgröße zeige sich bei psychiatrischen und psychosomatischen Einrichtungen ein heterogenes Bild. Kleinere Kliniken weisen höhere und größere Kliniken ab 250 Betten geringere Erlöszuwächse auf. Eine Ausnahme bilden Krankenhäuser ab 500 Betten, die überdurchschnittliche Erlöszuwächse aufweisen.  

Massiver Fallzahlrückgang

Die Kliniken hatten seit Beginn der Covid‐Pandemie Mitte März durchgehend weniger stationäre Fälle als im Vorjahr. Im Zeitraum bis Ende Mai waren es circa 30 Prozent weniger und im Zeitraum Juni bis September etwa 10 Prozent weniger (jeweils gegenüber 2019). Dies betraf sowohl „Notfälle“ als auch – in stärkerem Umfang – eingewiesene Fälle. Die Zahl der Patienten auf Intensivstation unterschreitet die Zahlen der beiden Vorjahre (2018 und 2019) deutlich. Generell berechneten die Institute einen Patientenrückgang um 15,5 Prozent in den ersten 37 Wochen des Jahres, das entspricht 2,1 Millionen Patienten. 

Auswertungsmethode für die InEK-Daten

Zur Methodik erklärten die zwei Institute in dem Bericht: „Zur Abschätzung der Erlösänderungen der Krankenhäuser treffen wir folgende Annahmen: Aufgrund von teilweise vorhandenen Unstimmigkeiten in den von den Krankenhäusern an das InEK gemeldeten Entgelten je Fall schreiben wir die Entgelte des Zeitraums Januar bis September 2019 mit den Änderungsraten des CMI beziehungsweise DMI von 2019 auf 2020 fort. Um eine Vergleichbarkeit der Erlöse über die Jahre zu gewährleisten, berücksichtigen wir eine Preissteigerung von 2019 auf 2020 von +3,4 Prozent. Bei der Berechnung der Erlöse berücksichtigen wir pauschal die Pflegepersonalkosten, sonstige Erlöse und variable Sachkosten und bestimmen auf Krankenhausebene über die berechneten Fehltage in der Belegung zwischen 2020 und 2019 die Summe der Freihaltepauschalen. Bei den Freihaltepauschalen differenzieren wir tagesgenau zwischen beiden Regimen, das heißt der einheitlichen Freihaltepauschale bis zum 12. Juli 2020 und der gestaffelten Freihaltepauschale ab dem 13. Juli 2020.“

Rettungsschirm-Update: Nächster Termin ist der 24. Februar

Die zwei federführenden Autoren des Berichts, Prof. Boris Augurzky (RWI) und Prof. Reinhard Busse (TU), sitzen mit Vertretern der Kliniken und Krankenkassen sowie Mitarbeitern des Gesundheitsministeriums im Expertenbeirat, der über die zukünftige Ausgestaltung der Klinikfinanzierung in der Pandemie entscheidet. Der vorliegende Bericht dürfte die Basis für die nun anstehende Verlängerung des Rettungsschirms für Kliniken sein. Der Expertenbeirat tritt am 24. Februar das nächste Mal zusammen, der Rettungsschirm läuft Ende des Monats aus. Die Deutsche Krankenhausgesellschaft (DKG) hat sich bereits klar mit ihrer Forderung positioniert.

Vom 16. März bis 12. Juli 2020 wurde eine einheitliche Freihaltepauschale von 560 Euro je gegenüber 2019 zusätzlich freiem Bett und Tag („Fehltage“) ausgezahlt, die ab dem 13. Juli 2020 durch gestaffelte Pauschalen ersetzt wurden (360, 460, 560, 660 oder 760 Euro). Insgesamt wurden laut Bundesamt für Soziale Sicherung (BAS) bis zum 27. Oktober 8,97 Milliarden Euro als Freihaltepauschalen ausgezahlt. Nach Berechnungen von Busse und Augurzky entfielen etwa 7,2 Milliarden Euro (80 Prozent) Freihaltepauschalen auf die somatischen Kliniken und rund 1,8 Milliarden Euro (20 Prozent) auf die psychiatrischen Einrichtungen.

Die rund 50 Seiten lange Analyse hat das BMG auf seiner Webseite veröffentlicht.
 

Autor

 Jens Mau

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