Deutscher Krankenhaustag

Bald 4.000 Intensivbetten mit Covid-Patienten belegt

  • Krankenhausplanung
Bald 4.000 Intensivbetten mit Covid-Patienten belegt
Eine Holzwand mit einem Sichtfenster trennt die normale Intensivstation von der Covid-Intensivstation. Vor dem Betreten des Isolierbereichs muss aufwendige Schutzkleidung angelegt werden. © Mühlekreiskliniken/Kai Senf

Zum Auftakt des Deutschen Krankenhaustags fordern Klinikvertreter von der neuen Regierung zupackendes Handeln. Es brauche einen Nationalen Krisenstab, ein digitales Meldeverfahren für Covid-19-Patienten und eine Impfpflicht für bestimmte Berufsgruppen.

„Derzeit sind rund 3.100 Intensivbetten in Krankenhäusern mit Covid-19-Patienten belegt, und wir werden die Marke von 4.000 belegten Betten nicht verhindern können“, erklärte Gerald Gaß, Vorstandschef der Deutschen Krankenhausgesellschaft (DKG) zum Auftakt des Deutschen Krankenhaustags. „Unsere große Sorge ist, dass die Zahlen noch weit darüber hinausgehen“, so Gaß. In dieselbe Kerbe schlug Michael A. Weber, Präsident des Verbands der Leitenden Krankenhausärzte Deutschlands (VLK): „Wir werden dringliche OPs aufschieben müssen – und daran werden Menschen Schaden nehmen.“ Weber appellierte an Politik und auch an Ärztekollegen, wieder stärker auf die Wissenschaft zu hören, damit Kliniken nicht kollabieren. Weber befürwortet die Ausweitung der 2-G-Regeln und Kontaktbeschränkungen. Um der Situation Herr zu werden, braucht es laut Gaß außerdem einen Nationalen Krisenstab mit Bund- und Ländervertretern, ein digitales Meldeverfahren für Covid-19-Patienten und eine Impfpflicht für bestimmte Berufsgruppen.

Auch DBfK unterstützt eine Impfpflicht

Die DKG stellt sich hinter die Aufruf des Deutschen Ehtikrats, die Impfpflicht für bestimmte Berufsgruppen einzuführen. Denn es sei schwer vermittelbar, dass „jede Pizzeria an der Ecke“ den Impfstatus seiner Gäste abfragen dürfe, nicht aber der Arbeitgeber, so Gaß. Auch Sabine Berninger vom Deutschen Berufsverband für Pflegeberufe (DBfK) unterstützt diese Aufforderung. „Wenn eine Entscheidung für die Impfpflicht im Krankenhaus fällt, wird sich die Pflege nicht dagegen stellen“, so Berninger. Gaß betonte, das Impfen habe etwas mit Solidarität zu tun und dass Impfskeptiker wie der stellvertretende bayrische Ministerpräsidenten Hubert Aiwanger oder Fußballprofi Joshua Kimmich den Krankenhäusern einen Bärendienst erweisen würden. 

Nur ein Viertel der Kliniken haben ein Pflegebudget für 2020

Zur finanziellen Situation der Kliniken verlor DKG-Chef Gaß wenige, dafür deutliche Worte. Es sei falsch, jetzt in der vierten Coronawelle nur jenen Krankenhäusern zu helfen, die ein bestimmtes Maß an Corona-Patienten behandeln. Derzeit ist eine Coronapatienten-bezogene gestaffelte Prämie für Kliniken im Gespräch. Doch alle Krankenhäuser machen durch Corona Verluste, unterstrich Gaß. Josef Düllings, Chef des Verbandes der Krankenhausdirektoren Deutschlands (VKD), ergänzte: „In der Corona-Zeit haben 20 Krankenhäuser dicht gemacht, und das waren keine Standortreduktionen.“ 

Neben Corona und dadurch sinkenden Fallzahlen stellt auch das Pflegebudget ein massives Problem für Kliniken dar. „Wir haben erhebliche Defizite in der Pflegefinanzierung, weil wir durch die Kompliziertheit des Systems, nicht an das Geld kommen, dass uns zusteht“, klagte Gaß. Ein ausgehandeltes Pflegebudget 2020 haben derzeit weniger als ein Viertel aller knapp 2.000 Krankenhäuser, wie aus Kassenkreisen zu hören ist. Düllings erklärte dazu: „Weil Kassen die Abschlüsse fürs Pflegebudget verweigern, bleiben Kliniken auf Millionenkosten sitzen. Bundesweit gehen diese Defizite in die Milliarden.“

Krankenhausplanung: „Kein One-size-fits-all“

Was den thematischen Dauerbrenner der Krankenhausstrukturreform betrifft, betonte VLK-Präsident Michael Weber: „Wir wollen ein Reform mit Maß – nicht nach dem Motto One-size-fits-all, sondern nach den Bedürfnissen und Bedarfen vor Ort.“ Pauschale Lösungen, bei denen kleine Kliniken durchs Raster fallen, lehnt Weber ab. Er appellierte an die Politik, länderübergreifende Vergleiche kritisch zu betrachten und den Megatrend Ambulantisierung nicht nur unter dem „Diktat der Einsparungen“ zu diskutieren. Schließlich existieren in jenen Nachbarländern, auf die gerne verwiesen wird, ganz andere ambulante Strukturen. „Wir brauchen eine faire Diskussion über Krankenhausstrukturen“, forderte Weber. 

Autor

 Jens Mau

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