APS-Chefin Ruth Hecker

"Das risikobasierte Denken ist unterentwickelt"

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"Das risikobasierte Denken ist unterentwickelt"
Ruth Hecker

Das Aktionsbündnis Patientensicherheit hat sieben Forderungen an die nächste Bundesregierung formuliert. Die Vorsitzende Ruth Hecker betont: Beim Thema Patientensicherheit hat Freiwilligkeit nicht den erwünschten Erfolg gebracht.

Frau Hecker, das APS hat seine Forderungen für die Bundestagswahl formuliert. Wie kann das Thema Patientensicherheit in den Kliniken und Unternehmen noch besser verankert werden?

Wir haben in den letzten 15 Jahren auf Freiwilligkeit und Überzeugung gesetzt und gesehen, übrigens auch international, dass die verschiedenen Instrumente wie CIRS, M&M-Konferenzen oder auch Risikoaudits nicht den erwünschten Erfolg gehabt haben. Die Gründe liegen in der mangelnden Sicherheitskultur. Wenn Sie mich fragen, wie man das Thema Patientensicherheit besser verankern kann, dann muss man die Kultur, die Haltung dazu verändern. Eine Kulturveränderung dauert sehr lange und geht nur über die TOP-Ebene, das TOP-Management. Das Thema Patientensicherheit gehört in die Unternehmensstrategie und die Operationalisierung über kennzahlenbasierte, eindeutig formulierte Ziele. Die Verantwortung liegt bei einem Vorstands- oder Geschäftsführungsmitglied in der Funktion des Chief Patient Safety Officer, und dieser ist verpflichtet, auch regelmäßig dem Aufsichtsrat zu berichten. Die nachhaltige Sicherung einer sicheren Patientenversorgung und der Leistungsfähigkeit der Gesundheitsversorgung, auf jeder Ebene und in jedem Bereich, muss im Mittelpunkt des Gesundheitswesens stehen.

Unter anderem soll die Stelle des Patientenbeauftragten der Bundesregierung zu einer Ombudsstelle weiterentwickelt werden. Was versprechen Sie sich davon?

Wir versprechen uns davon eine schnellere Reaktion der Politik auf Versorgungslücken. Wir haben in der Vergangenheit und verstärkt in der Pandemie gesehen, dass gute und beschlossene Vorhaben von Bundes- oder Landesgesundheitsministerien nicht oder nur unvollständig in die Umsetzung kommen. Ein Grund liegt darin, dass Ministerien sich nicht für die direkte Umsetzung verantwortlich fühlen. Ein weiterer Grund ist, dass mögliche Risiken für die Versorgungs- und Patientensicherheit bei der Umsetzung in den Gesetzesvorlagen nicht ausreichend mitgedacht werden. Es mag vollkommen richtig sein, dass die Umsetzung in anderen Händen liegt, allerdings sehen wir schon die Verantwortung bei den Ministerien, dass sie es merken und dann reagieren, wenn Inhalte nicht oder nur sehr schleppend umgesetzt werden oder es neue Versorgungslücken gibt, die die sichere Versorgung von Patienten gefährden. Hier muss es eine direktere und schnellere, unabhängige Rückmeldemöglichkeit geben, damit korrigierende Reaktionen folgen können.

Welche Lehren aus Corona ziehen Sie als Patientensicherheitsmanagerin?

Patientensicherheit war noch nie so wichtig wie jetzt. Das APS wird mehr denn je mit seiner breiten Plattform benötigt, um laut das Bekenntnis zur Patientensicherheit von allen einzufordern. Das risikobasierte Denken ist unterentwickelt - von der Politik über die Körperschaften und Institutionen hin bis zu den Geschäftsführungen und Vorständen von Gesundheitsreinrichtungen. Dadurch kommt es zu entscheidenden Fehlern, die die Patientensicherheit gefährden, obwohl sie vermeidbar gewesen wären.

 

15. APS-Jahrestagung am 29./30.4.2021

Die diesjährige APS-Jahrestagung findet online am 29./30.04.2021 statt. Unter dem Motto „Bist du sicher? Patientensicherheit geht alle an“ wird das APS Erfahrungen aus der Arbeit teilen und neue Wege rund um die Patientensicherheit aufzeigen. Auch die Bekanntgabe der Gewinner des Deutschen Preises für Patientensicherheit findet wieder im Rahmen dieser Veranstaltung
statt. Zum Programm und zur Anmeldung

   

Autor

 Florian Albert

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