Krankenhausplan NRW

Morell: "Kassen und Politiker dürfen sich nicht wegducken“

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Morell: "Kassen und Politiker dürfen sich nicht wegducken“
Nordrhein-Westfalen © GettyImages/grebeshkovmaxim

Der neue Krankenhausplan in Nordrhein-Westfalen (NRW) ist in Kraft. Demnächst starten die regionalen Planungsverfahren. In Zukunft sollen nicht mehr Betten, sondern Leistungsgruppen ausschlaggebend sein - es handelt sich um einen grundlegenden Systemwechsel. Allerdings muss das Gesundheitsministerium von Josef Laumann noch Details zur Bemessung liefern. Schon die Frage, ob nur einzelne Abteilungen oder das ganze Haus betrachtet werden, spaltet die Szene. Ingo Morell, Chef der Krankenhausgesellschaft Nordrhein-Westfalen (KGNW), will sich nicht festlegen, tendiert aber in eine Richtung: „Trotz aller Komplexität spricht insgesamt viel für den Ganz-Haus-Ansatz, aber wir müssen erst mal ins Rollen kommen. Denkbar wäre, mit einzelnen Fachbereichen wie Intensivmedizin, Chirurgie und Innere Medizin zu starten.“ Für Morell wäre außerdem ein schrittweiser Einstieg in das neue Planungssystem denkbar. „Ich würde mit Regionen anfangen, von denen man weiß, wo die Reise hingehen soll, und in denen die Beteiligten dafür offen sind“, sagt der Krankenhausmanager in einem Interview mit der Klinikzeitschrift f&w

Krankenhausplanung ist derzeit ein heißes Thema – nicht nur in NRW, sondern auch in Niedersachen oder Berlin. In einwohnerreichsten Bundesland sind sie aber schon einen Schritt weiter. Seit zwei Jahren plant NRW die Reform – und die beteiligten Interessensgruppen sind in vielen Punkten aufeinander zugegangen. Jeder musste Abstriche machen. Nicht nur Kassen und Krankenhäuser, sondern auch die Ärztekammern. „Es ist beachtlich, dass bei diesem eigentlich konfliktären Thema am Ende ein Grundgerüst steht, das alle trotz Bauchschmerzen mittragen“, so Morell. Dieser Konsens müsse aber auch bei der Umsetzung spürbar sein, fordert Morell: „In der Vergangenheit hatte sich, wenn es konkret wurde, niemand in die „Aktuelle Stunde“ beim WDR gesetzt, um eine Standortschließung zu erklären. Wenn der Protest aufkommt, dürfen sich Krankenkassen und Politiker nicht wegducken und die Krankenhausträger damit alleinlassen.“ 

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Reformland NRW

Deutschlands einwohnerreichstes Bundesland feilt seit über zwei Jahren an einer wegweisenden Reform der Krankenhausplanung. Auf Basis eines Gutachtens von Lofert & Lofert hat Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann eine neue Planungssystematik entworfen: Statt Betten werden zukünftig Leistungsbereiche und Leistungsgruppen ausgewiesen. Mit Qualitätsvorgaben will der Minister außerdem die starre Krankenhausplanung aufbrechen und einen bedarfsgerechten Strukturwandel einleiten. NRW ist übrigens bekannt für einen außergewöhnlich hohen Anteil freigemeinnütziger Klinikträger. Wenn Minister Laumann betont, dass er mit der neuen Planung einen ruinösen Wettbewerb beenden will, ist das auch als Schutzschirm für die christlichen Häuser zu verstehen: Allein zwischen 2017 und 2020 schrumpfte die Zahl der freigemeinnützigen Kliniken in NRW von 228 auf 211, während die Zahl der privaten Kliniken von 38 auf 49 stieg. 
Der Strukturwandel, so betonte Laumann zuletzt gebetsmühlenartig, werde das Land viele Milliarden Euro kosten. Sowohl die Klinikszene als auch die Bundespolitik schauen jetzt gespannt auf NRW – auch weil dort im Mai Landtagswahlen stattfinden. Immerhin: Dass es mit der Planungsreform weitergehen soll, haben alle großen Parteien bekräftigt. Im Juni startet derweil mit den regionalen Planungsverfahren der erste Schritt zum Systemwandel.


NRW in Zahlen 

Einwohner: 17,9 Millionen (Deutschland: 83,2 Millionen)
Krankenhausfälle: 4.010.410 (Deutschland: 16.793.962)
Krankenhäuser: 337 (Deutschland: 1.903)
- Freigemeinnützig: 211 (69.610 Betten)
- Öffentlich: 77 (34.553 Betten)
- Privat: 49 (10.754 Betten)
 

Autor

 Jens Mau

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