Krankenhausplanung

NRW-Kliniken fordern Milliarden für Strukturreformen

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NRW-Kliniken fordern Milliarden für Strukturreformen
Ingo Morell © kkvd/Jens Jeske

Bereits gestern hatte die Deutsche Krankenhausgesellschaft (DKG) die Investitionsmisere in den Ländern beklagt. Heute zog die Krankenhausgesellschaft NRW (KGNW) nach, die vier Monate vor der Landtagswahl Zahlen zur finanziellen Ausstattung der Krankenhäuser lieferte.

Insgesamt fehlen den Kliniken im Westen jedes Jahr 1,23 Milliarden Euro für Substanzerhalt und Modernisierung. Das zeigt das neue Investitionsbarometer NRW, welches das RWI Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung (Essen) und die HCB GmbH heute vorgestellt haben.

Die vom Land 2019 bereitgestellten 626 Millionen Euro decken demnach nur etwa ein Drittel des tatsächlichen Bedarfs von rund 1,85 Milliarden Euro ab, berichtet Gesundheitsökonom Professor Boris Augurzky vom RWI auf einer Pressekonferenz. Er lobt die amtierende Landesregierung aus CDU und FDP zunächst dafür, dass sie die Mittel in dieser Legislatur um rund 30 Prozent erhöht habe. Nur: Dies sei noch immer zu wenig; im bundesweiten Vergleich liegt NRW bei einer nur durchschnittlichen Förderquote von 3 Prozent (Spiteznreiter Schleswig-Holstein bei 4,7 Prozent).

Laut Augurzky können viele Krankenhäuser in NRW die Investitionslücke nicht länger durch Gewinne selbst schließen. Nur ein Drittel (35 Prozent) der Kliniken sei dazu noch in der Lage, zwei Drittel verfügen höchstens über schwache (24 Prozent) oder gar keine (41 Prozent) Ressourcen für Investitionen. „Eigentlich müssten Krankenhäuser 7 bis 8 Prozent ihrer Erlöse in den Erhalt des vorhandenen Sachanlagevermögens investieren können, 2019 waren es aber höchstens 5 Prozent“, so Augurzky. Er warnte zudem vor einem "schleichenden Substanzverzehr der Krankenhäuser". Durch zusätzliche Herausforderungen wie Klimawandel, Digitalisierung, aber auch steigende Baupreise seien zusätzliche Investitionsmittel nötig. Dies gelte auch für die Folgen der neuen Landeskrankenhausplanung. Wenn durch die neue Planung beispielsweise 12 Prozent der Krankenhausbetten verlagert würden, könnten Investitionskosten von rund 4 Milliarde Euro entstehen, so Augurzky.

KGNW-Präsident Ingo Morell sprach sich in diesem Zusammenhang für die Einführung eines Landesstrukturfonds aus. Die KGNW geht davon aus, dass dieser in den kommenden fünf Jahren mindestens zwei Milliarden Euro umfassen muss. "Wir werden nicht um jeden Standort kämpfen", sagte Morell. Wenn Krankenhausstandorte aber zusammengelegt würden, müsste dies entsprechend finanziert werden. Eine konkrete Zahl an möglichen Krankenhausschließungen wollte er nicht nennen. Dies zu beschließen, sei Aufgabe der regionalen Planungskonferenzen. 

Autor

 Florian Albert

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