Finanzspritze für die Pädiatrie

Regierungskommission stellt vier Modelle vor

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Regierungskommission stellt vier Modelle vor
© Getty Images/FatCamera

Die Regierungskommission hat vier Modelle für eine kurzfristige Finanzierung der Pädiatrie vorgelegt. Die derzeit noch existierenden 334 Pädiatrien in Deutschland machen mit dem DRG-System Miese – darüber herrscht kein Zweifel. "Mit einer Finanzspritze soll kurzfristig Druck aus den Abteilungen herausgenommen werden", unterstrich Tom Bschor, Leiter der Regierungskommission. Denn das Fach ist einerseits personalintensiv, und andererseits gibt es zu wenig Fälle, um mit der Fallpauschale wirtschaftlich zu arbeiten. Die vier Modelle hat die Kommission nun in einem 14-seitigen Papier an Minister Karl Lauterbach übergeben – der allerdings auch in der Kommission mitarbeitet.  

Modell A: Gießkanne

Der erste Vorschlag ist es, die Erlössumme einfach anzuheben. Die Kommission schlägt die abteilungsindividuellen Erlöse von 2019 (Case-Mix-Volumen) als Referenz vor. Diese Summe könnten um einen prozentualen Anteil gesteigert werden – leistungsunabhängig. 

Modell B: Betten zählen

Diese Variante schlägt als Bemessungsgröße "betreibbare Betten" vor, für die das erforderliche Personal und Apparate nachgewiesen werden können. Herangezogen werden soll zu Jahresbeginn ein Durchschnittswert der Betten. Für jedes Bett würde ein bundeseinheitlich definierter Betrag fällig. Die Kommission schlägt auch vor, in den Abteilungen verschiedene Bettenarten zu gewichten. 

Modell C: Erreichbarkeit zählt

Für jede Abteilung wird die Größe der von der Abteilung fachspezifisch zu versorgenden Bevölkerung festgelegt (Indexbevölkerung). Hierzu soll zunächst anhand demografischer Faktoren bestimmt werden, wer zur Indexbevölkerung zählt. Auf Basis kleinräumiger regionaler Distrikte (circa 500 Haushalte) wird festgestellt, für wie viele Menschen die Abteilung die am schnellsten zu erreichende ist. Für jeden versorgten Kopf soll ein Eurobetrag als Basis pro Jahr festgelegt werden. Der Betrag soll durch abteilungsspezifische Anpassungsfaktoren erhöht oder gesenkt werden. Die Kommission hat ein computerisiertes Modell erstellt, mit dem diese Zuordnung kalkuliert werden kann. 

Modell D: Aus zwei mach eins

Als letzte Variante sieht die Kommission eine Mischung aus Vorhaltefinanzierung (Modell B) und populationsbezogener Finanzierung (C) vor. "Auch dies ist mit dem von der Regierungskommission erstellten computerisierten Modell kalkulierbar", heißt es in dem Papier. 

Geburtshilfe: Kriterium Sicherstellungszuschlag

Eine Finanzspritze für die Geburtshilfen soll sich an der Liste jener Geburtshilfen orientieren, die derzeit eine Sicherstellungszuschlag erhalten. Ein Bezug zur Bettenzahl der Abteilung soll nicht hergestellt werden. Dabei soll es weitere Kriterien geben: 

  • Abteilungen mit Pädiatrie bekomme eine höhere Vergütung;
  • Abteilungen mit weniger als 500 Geburten bekommen auch mehr;
  • Abteilungen mit 500 bis 1.499 Geburten bekommen einen reduzierten Zuschlag;
  • Abteilungen mit mehr als 1.500 Geburten bekommen nichts.

 

Finanzierung: schwierig

Im Vorfeld hieß es von verschiedenen Stellen, dass eine Finanzspritze für Pädiatrie und Geburtshilfe zwischen 300 und 450 Millionen Euro pro Jahr kostet. Woher dieses Geld kommen soll, schreibt die Kommission nicht. Auch Karl Lauterbach wollte diese Frage nicht beantworten. Darüber müsse nun die Bund-Länder-Kommission verhandeln, so der Minister. "Der Bund sieht sich nicht in der Pflicht, diese Finanzierung zu übernehmen", stellte Lauterbach klar. Vielmehr müssten die Länder Vorschläge machen, wie die Mehrkosten zu finanzieren seien oder bei der Investitionsfinanzierung nachbessern. Ob das Geld überwiegend von den Kassen, den Ländern oder Finanzminister Christian Lindner kommt, bleibt also offen.  

Die Kommission beendete ihr Papier mit der Ankündigung, "weitere Reformstufen" für die Kindermedizin vorzulegen. Man prüfe, "ob die gegenwärtige leistungsabhängige Vergütung der beiden Abteilungen nach dem DRG-System abgesenkt werden soll und die hierduch frei werdenden Mittel gemeinsam mit den zusätzlich in der ersten Stufe bereitgestellten finanziellen Mitteln nach Aspekten der Vorhalteleistung und/oder der zu versorgenden Bevölkerung zu verteilen sind".

Bund-Länder-Kommission: Spätestens im August

Wer genau in der Bund-Länder-Kommission sitzt, steht noch nicht fest. Sie soll aber, so Lauterbach, spätestens Anfang August die Arbeit aufnehmen und die Hilfen für die Kindermedizin schnell auf den Weg bringen. Im Januar 2023 soll das Geld fließen. 

Fazit

Schon die erste kleine Krankenhausreform zeigt, in welcher Zeit wir angekommen sind: Alle Seiten bekennen sich zu einer Finanzspritze für die Kindermedizin, aber keiner will zahlen. Dass die Kommission nun schon für diese kleine Maßnahme vier Modelle vorstellt, zeigt, wie komplex das Thema ist. Das Modell "Gießkanne" (A) ist einfach, aber unfair – und damit die schlechteste Lösung. Das Modell "nur Betten zählen" (B) wirkt angesichts der Diskussion um Krankenhausbetten etwas aus der Zeit gefallen. Der populationsbezogene Ansatz (C) wird von den Fachgesellschaften, den Kassen und den Grünen vehement gefordert. Er scheint – zusammen mit der Kombi-Lösung aus Betten und Populations-Ansatz (D) – am wahrscheinlichsten.

Interessant sind diese Ansätze auch in Hinblick auf die große Krankenhausreform – bei der es auch um Vorhaltefinanzierung geht. Hierzu existiert bereits ein bunter Strauß an Vorschlägen, zum Beispiel von den Unikliniken und Großkrankenhäusern – und auch die Regierungskommission soll sich weiterführende Gedanken dazu machen.

Autor

 Jens Mau

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