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Betriebliches Gesundheitsmanagement

Verantwortung übernehmen

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  • BDPK
  • 01.03.2019

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Ausgabe 3/2019

Seite 265

Jan Stanslowski

Georg Abel

Ellio Schneider

Was tun Kliniken für ihre Arbeitnehmer in Sachen Betriebliches Gesundheitsmanagement (BGM)? Dieser zentralen Frage geht eine Interviewserie nach, die ihren Auftakt in der Titelstrecke des Februar-Heftes hatte. Wie kreativ Krankenhäuser und Reha-Einrichtungen das Thema der Gesundheitsförderung von Mitarbeitern angehen, berichten Jan Stanslowski, Vorstand Sana Kliniken AG, Ellio Schneider, Geschäftsführer Waldburg-Zeil Kliniken GmbH & Co. KG, und Georg Abel, Geschäftsführer Recura Kliniken GmbH.

Welchen Stellenwert hat das Betriebliche Gesundheitsmanagement in Ihrer Klinik? Ist es „Pflicht“ oder „Kür“ Ihrer Personalpolitik?

Jan Stanslowski: Es ist beides. „Pflicht“, weil es zu unserer Verantwortung als Arbeitgeber gehört, Maßnahmen und Prozesse zur Gesundheitsförderung in unseren Krankenhäusern bereitzuhalten. Aber auch „Kür“, weil wir uns unserer besonderen Fürsorge bewusst sind: Wir müssen uns um die Kolleginnen und Kollegen in Pflege, Medizin und Verwaltung kümmern, und diese Kollegen wiederum kümmern sich um die Gesundheit der Patientinnen und Patienten. Deshalb erschöpfen sich die Angebote bei Sana auch nicht in der Bereitstellung einfacher Hilfsmittel, die den Sitzkomfort steigern. Wir sehen unsere Aufgabe darin, Maßnahmen anzubieten, die in die konkrete Arbeits- und Lebenssituation passen. Derzeit erarbeiten wir einen weitergehenden strategischen Rahmen und entwickeln konzerneinheitliche Strukturen, um digitale Medienwelten nutzen zu können.

Ellio Schneider: Betriebssport gibt es in den zwölf Waldburg-Zeil Kliniken schon lange. Seit zwei Jahren sind BGM-Arbeitskreise und Gesundheitstage unternehmensweit Pflicht. Manche führen Gesundheitstage inzwischen öfter als gefordert durch, da sie sehr gut bei den Mitarbeitern ankommen. Den Kliniken ist bewusst, dass sie mit dem BGM die gesunde Lebensweise ihrer Mitarbeiter fördern, damit diese möglichst lange und beschwerdefrei in ihrem Beruf arbeiten können. Bewegung und Prävention beherrschen unsere Kliniken – als Reha-Dienstleister ist das ihr Kerngeschäft. Bewährt hat sich, externes Personal für das BGM einzusetzen. Darüber hinaus stellt unsere feste Ansprechpartnerin im Bereich Personal, Diplom-Sportwissenschaftlerin Anja Antier, sicher, dass Know-how unkompliziert von einer Einrichtung zur nächsten weitergegeben wird.

Georg Abel: Das BGM ist schon lange fest etabliert in der Personalpolitik in den Recura Kliniken. Für uns ist es fundamental wichtig, gerade in anstrengenden und herausfordernden Berufsfeldern, wie beispielsweise der Pflege, unseren Mitarbeitern ein möglichst umfassendes Angebot an Maßnahmen im Rahmen des BGM zu machen. Besonders in Zeiten knapper Personalressourcen ist es um so wichtiger. Die Entscheidung für ein vielfältiges BGM- Programm wurde deshalb von uns proaktiv getroffen und ist mittlerweile eine wichtige Säule unserer Personalpolitik.

Welche gesundheitsförderlichen Angebote stoßen bei den Beschäftigten auf besonders große Resonanz und welche eher nicht?

Ellio Schneider: Unserer Erfahrung nach kann man sehr viele Ressourcen vergeuden, wenn wir zu viele Sportkurse anbieten. Besser sind individuell auf die Bedürfnisse zugeschnittene Maßnahmen. Das kann zum Beispiel bedeuten, dass es keinen Bedarf für einen kostenlosen Yogakurs gibt, jedoch für mehr technische Hilfsmittel für ergonomischeres Arbeiten in der Pflege auf Station und passende Schulungen dazu. Großen Erfolg haben wir mit Teammaßnahmen: Die Abteilungen erhalten einen bestimmten Betrag pro Kopf, den sie für Aktionen mit Gesundheitsbenefit einsetzen dürfen. Das kann eine Wandertour, ein Kurs im Bogenschießen oder ein Kochkurs sein. Entscheidend ist, dass mehr als 70 Prozent aller Kollegen teilnehmen, gemeinsam eine Idee entwickeln und einen Termin dafür finden.

Jan Stanslowski: In einem gesunden Körper wohnt ein gesunder Geist – und um letzteren sorgen sich immer mehr Mitarbeiter. Es sind die Einblicke in neue Ernährungsformen, Techniken zur Stressbewältigung oder Wege zur Etablierung moderner Lebensweisen, die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter ansprechen. Entspannungstechniken, Rückenschule und Yoga sind tragende Säulen eines BGM, weil unsere Mitarbeiter ja eben nicht nur psychische, sondern auch körperliche Lasten im Alltag bewältigen müssen. Das berücksichtigen wir bei der Planung und Durchführung der entsprechenden Programme.

Georg Abel: Das Portfolio unserer gesundheitsfördernden Maßnahmen erstreckt sich von präventiven Sportkursen, wie zum Beispiel Wasser- oder Wirbelsäulengymnastik, über ein gesundes, ausgewogenes und abwechslungsreiches Speiseangebot in unseren Cafeterien und unternehmensweit frei verfügbare Wasserspender bis hin zu regelmäßig stattfindenden Vorträgen und Veranstaltungen, wie dem jährlich stattfindenden Gesundheitstag. Im Bedarfsfall bieten wir ein betriebliches Eingliederungsmanagement an, beispielsweise für langzeiterkrankte Mitarbeiter. Alle Maßnahmen werden durch unsere Mitarbeiterschaft als sehr positiv empfunden. Natürlich gestaltet es sich vor allem für unsere Pflegekräfte häufig schwierig, im Rahmen ihres Schichtdienstes das Angebot an präventiven Sportkursen vollumfänglich zu nutzen. Hier arbeiten wir aktuell an Konzepten, um das Angebot noch attraktiver für die Mitarbeiter auszugestalten.

Wie macht sich Ihr Engagement für gesunde Mitarbeiter bezahlt?

Georg Abel: Ein aktiv gestaltetes betriebliches Gesundheitsmanagement ist ein wichtiger Baustein in der Personalpolitik, denn die Zukunft erfolgreicher Unternehmen steht und fällt mit seinen Mitarbeitern. Erfolgreiche Maßnahmen im Rahmen des BGM sollten sich sinnvoll ergänzen und von den Mitarbeitern angenommen werden. Dann entwickelt sich im optimalen Fall eine positive Eigendynamik. Es können Kraft und Motivation für neue Projekte gesammelt werden, und was gibt es für einen Arbeitgeber Schöneres als zufriedene Mitarbeiter, die hervorragende Arbeit leisten und mit einem Lächeln auf unsere Patienten und Kollegen zugehen?

Jan Stanslowski: Im Gesundheitswesen übernehmen unsere Mitarbeiter Verantwortung für unsere Patienten. Da müssen wir sie ganz selbstverständlich befähigen, dieser Verantwortung auch gerecht zu werden. Dabei steigt das Durchschnittsalter der Mitarbeiter und die Patienten sind gleichzeitig weniger mobil. Zudem gibt es einen eklatanten Nachwuchsmangel. Da muss es in unserem ureigensten Interesse liegen, dass unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter körperlich fit und seelisch gesund bleiben.

Ellio Schneider: Wir können nicht eindeutig ermitteln, ob es die monatlichen Gesundheitsimpulse oder das Company Bike waren, die dazu beitragen, dass sich unsere Mitarbeiter in Zeiten des Fachkräftemangels für uns entscheiden, bei uns bleiben oder uns als Arbeitgeber weiterempfehlen. Wichtig ist uns, dass sie das Gefühl haben, genau hier ihren anspruchsvollen Beruf gesund ausüben zu können. Das BGM trägt außerdem dazu bei, dass sich die Unternehmenskultur bei den Waldburg-Zeil Kliniken nachhaltig verändert hat. Wir möchten unsere Mitarbeiter halten, entwickeln und an unser Unternehmen binden. Das gelingt nur mit einem wertschätzenden Miteinander.

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